An der ehemaligen Diskothek Old Daddy steht heute ein großer Edeka-Frischemarkt. © Silvia Wiethoff (A)
Serie Old Daddy

Frischetheke statt Disko-Kugel: So kam es zum Abriss des „Old Daddy“

Sex, Drugs & Rock’n’roll: Das „Old Daddy“ prägte über Jahrzehnte die Partyszene in der Region. Mit einer Serie erinnern wir an die Kult-Disko. Heute: Wie es 2012 zum Abriss kam.

Jahrzehntelang war das Nachtleben in Haltern am See vom „Old Daddy“ geprägt – zunächst an der Goldstraße und später, in größerer Form, am Standort an der Recklinghäuser Straße. Zu den besten Zeiten der Diskothek feierten an den Wochenenden bis zu 2000 Menschen im „Schuppen“ wilde Partynächte.

Doch im Dezember 2009 gingen die Lichter für immer aus. Heute steht ein großer Supermarkt auf dem rund 14.500 Quadratmeter großen Gelände. Wir werfen einen Blick auf die Ereignisse, die zum Abriss des Daddy führten.

Dort, wo die zahlreichen Partygäste früher für 1 Euro ihre Jacken abgeben konnten, gibt es heute leckeren Aufschnitt – Frischetheke statt Disko-Kugel und Tanzparkett. Der große Edeka-Center an der Recklinghäuser Straße gehört mittlerweile fest zum Stadtbild. Hier erinnert heute nichts mehr an die wilden Partynächte von einst.

Am Rosenmontag 2012 rotierte der Abrissbagger am Old Daddy.
Am Rosenmontag 2012 rotierte der Abrissbagger am Old Daddy. © Holger Steffe (A) © Holger Steffe (A)

Ein Rückblick: Im Mai 2009 stellte die damalige Geschäftsführung des „Old Daddy“ den Discobetrieb ein. „Wir möchten uns aufgrund sinkender Besucherzahlen auf Sonderveranstaltungen, Konzerte und Comedy konzentrieren“, hieß es. Nachdem der Laden viele Jahre gebrummt hatte, ging es in den kommenden Monaten mit der Kult-Disco mehr und mehr bergab.

Das „Todesurteil“ folgte schließlich etwas mehr als ein Jahr später – am 9. Dezember 2010. Eine geplante Silvesterparty im „Old Daddy“ musste abgesagt werden. Die Diskothek konnte die Brandschutzauflagen nicht erfüllen. Das Ende des Kulttempels war besiegelt.

Herner Unternehmen ersteigert das Areal

Wenige Monate später ersteigerte das Herner Unternehmen Hiesgen das Areal für wesentlich mehr als die festgesetzten 247.000 Euro. Die ersten Aufräumarbeiten starteten Ende Juni. Container mit einem Volumen von jeweils 40 Kubikmetern wurden aufgestellt, um u.a. 20 Tonnen Holz, 15 Tonnen Papier, 3 Tonnen Grünabfälle und 30 Tonnen Restmüll zu entsorgen.

Teile der alten Hallen der ehemaligen Diskothek lagen nach wenigen Stunden schon am Boden.
Teile der alten Hallen der ehemaligen Diskothek lagen nach wenigen Stunden schon am Boden. © Holger Steffe (A) © Holger Steffe (A)

Man wolle an dem Standort einen neuen Edeka-Frischemarkt und ein Entertainment-Center eröffnen, kündigten die Investoren an. Das Problem: Der Bebauungsplan sollte dies eigentlich nicht zulassen. Das Spielcasino könnte Gesellschaft bekommen, hieß es wenig später. Neben einem Lebensmittelmarkt soll McDonald‘s an die Recklinghäuser Straße geholt werden. Nicht alle waren darüber erfreut.

Im August 2010 teilte die Stadt mit, dass man noch keine Entscheidung getroffen habe, ob der Bebauungsplan hinsichtlich des Edeka-Marktes geändert werde. Ob McDonald‘s sich dazu gesellt oder die Alternative Bossendorfer Kreuz nimmt, war ebenfalls noch offen. Im Januar 2011 hieß es, Edeka plane jetzt mit dem Standort Münsterstraße. Auch der Nordwall war im Gespräch. Für das „Old Daddy“-Gelände gab es dagegen keine konkreten Pläne.

Stadt genehmigt im Mai 2011 eine Bauvoranfrage

Im Mai 2011 genehmigte die Stadt schließlich eine Bauvoranfrage für den Edeka-Markt auf dem „Old Daddy“-Gelände. Die Politik kam jedoch zu dem Schluss, dass ein Edeka-Markt auf dem „Old Daddy“-Gelände ein „potenzieller Gefahrenherd“ für den Bestand und die Entwicklung der Innenstadt werden könnte.

Auf dem Gelände des ehemaligen Old Daddy plante der Investor Hiesgen ursprünglich den Bau eines Edekamaktes und eines Casinos.
Auf dem Gelände des ehemaligen Old Daddy plante der Investor Hiesgen ursprünglich den Bau eines Edekamaktes und eines Casinos. © Holger Steffe (A) © Holger Steffe (A)

Die Ansiedlung des Edeka-Marktes konnte die Stadt schließlich aber nicht mehr verhindern. Am Rosenmontag 2012 starteten die Arbeiten und ein Abbruchunternehmen begann mit dem Abriss. Radlader, Bagger und Hubsteiger waren gut zwei Wochen im Einsatz. Es ist zugleich das Ende der Geschichte einer einstigen Kult-Diskothek.

Über den Autor
Redaktion Haltern
1982 in Haltern geboren. Nach Stationen beim NRW-Lokalfunk, beim Regionalfernsehen und bei der BILD-Zeitung Westfalen 2010 das Studium im Bereich Journalismus & PR an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen erfolgreich beendet. Sportlich eher schwarz-gelb als blau-weiß orientiert. Waschechter Lokalpatriot und leidenschaftlicher Angler. Motto: Eine demokratische Öffentlichkeit braucht guten Journalismus.
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Daniel Winkelkotte

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