Formfehler bei Tempo-50-Schild: Knöllchen an B58 zu Unrecht erhoben?

dzRadarfalle

Unbekannte hatten am Wochenende das Blitzer-Warnschild an der Weseler Straße (B58) besprüht. Daraufhin hat ein Leser das Schild genauer untersucht und eine interessante Entdeckung gemacht.

Haltern

, 29.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Starenkasten an der B58 war 2018 einer der Top-Bußgeld-Bringer im Kreis Recklinghausen. Er ist der einzige Blitzer in der Seestadt, in dem eine Kamera dauerhaft installiert ist.

23 Kästen zählt der Kreis auf dem gesamten Kreisgebiet. Allerdings sind nur der Starenkasten in Haltern, einer in Castrop-Rauxel und einer in Waltrop mit einer festinstallierten Kamera bestückt. In den anderen 20 Kästen wird für punktuelle Blitz-Aktionen zeitweise eine von drei Kameras eingesetzt.

Erneut Ziel von Vandalismus

Zum wiederholten Male war nicht der Starenkasten, sondern das Tempo-50-Schild mit der Radarkontrollen-Warnung davor Ziel von Vandalismus. Wurde das hinter den Leitplanken stehende Schild Ende Mai von Unbekannten abgeknickt, wurde es am Wochenende mit Farbe besprüht.

Konnten sich in beiden Fällen also Autofahrer freuen, die möglicherweise mit überholter Geschwindigkeit (vorher ist 100 km/h erlaubt) in die Radarfalle rauschten? Mitnichten.

Am Wochenende war der Starenkasten gar nicht in Betrieb, wie Kreissprecher Jochem Manz auf Nachfrage mitteilte. Die Radarfalle wird, wie bereits andere im Kreis, in der kommenden Woche umgerüstet. Bisher funktioniert der Blitzer bodengebunden, das heißt, die Induktionsschleife verläuft unterhalb der Straße. Nun wird die Messtechnik umgestellt, künftig erfasst das Gerät laserbasiert Raser von hinten, vorne und auch von der Seite. Risse in der Fahrbahn hatten immer wieder dazu geführt, dass die Radarfalle nicht funktionierte.

Vereinzelte Beschwerden gegen Bescheide

Bereits seit dem 20. Juli sei der Starenkasten vom Netz genommen, so Manz. Ende Mai, als Unbekannte das Schild so umknickten, dass es von der Straße aus nicht mehr erkennbar war, gab es daraufhin tatsächlich vereinzelte Beschwerden gegen die Bußgeldbescheide. „Diese wurden auch alle abgearbeitet, doch in keinem Fall wurde der Bescheid zurückgenommen“, sagt der Kreissprecher. Das zweite Schild, was auf der linken Straßenseite auf Tempo 50 und die Radarfalle hinweist, blieb beide Male unbeschädigt. Es habe also immer noch ein weiteres Schild gegeben, was auf die Geschwindigkeitsbegrenzung hingewiesen hätte.

Unsere Berichterstattung über das übersprühte Schild brachte den aufmerksamen Leser Karl-Heinz Miller auf die Idee, sich die Verkehrssituation dort einmal genauer anzusehen. Er bemängelte, dass das Schild, welches im Tempo-100-Bereich auf 50 km/h hinweist, zu klein sei - statt der für diese Situation vorgeschriebenen 75 Zentimeter Durchmesser habe das Schild nur 60 Zentimeter Durchmesser. Es sei bei Regen und schlechter Sicht nicht gut zu erkennen, so Miller.

Das Schild vor dem Blitzer an der B58 ist nicht regelgerecht vom Durchmesser.

Das Schild vor dem Blitzer an der B58 ist nicht regelgerecht vom Durchmesser. © Benjamin Glöckner

Zuständig für die Installation der Straßenschilder auf der B58 ist der Landesbetrieb Straßen.NRW. Er bekam 2014 von der Stadt Haltern die Anordnung, dort dieses Schild aufzustellen - vorangegangen war eine besondere Gefahrenlage im Zulauf auf eine Fußgängerampel. Auf Nachfrage erklärte Stadtsprecher Georg Bockey, dass die Stadt standardmäßig nicht die Größe eines Schildes mit anordnet. „Wir gehen davon aus, dass Straßen.NRW weiß, welche Schilder genommen werden müssen.“

„Für uns ist die Sichtbarkeit entscheidend“

Der Landesbetrieb erklärte auf Anfrage, dass es sich tatsächlich um ein Schild der Größe 2 und nicht, wie vorgeschrieben, um ein Schild der Größe 3 handle. Man werde es austauschen, versprach ein Mitarbeiter der zuständigen Regionalniederlassung Ruhr.

Dass deshalb alle bisher erstellten Bußgeldbescheide nun anfechtbar seien, das weist Kreissprecher Jochem Manz zurück. „Für uns ist die Sichtbarkeit entscheidend.“ Und die sei zudem durch das zweite Schild links zusätzlich gewährleistet. „Man kann erkennen, wie schnell man dort fahren darf“, so Manz weiter. Man sehe keinen zusätzlichen Handlungsbedarf.

Im Zuge der Umrüstung der Radaranlage würden aber noch einmal alle Gegebenheiten vor Ort überprüft. Die Anlage müsse neu geeicht werden und das gehöre zur üblichen Vorgehensweise, ergänzt Manz.

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