So viel Schnee lag auf dem Dachboden. © privat
Wintereinbruch

Flugschnee auf dem Dachboden – das rät ein Halterner Dachdecker

Der Schnee fegte in Begleitung von scharfem Wind über Haltern hinweg und ließ eine Winterlandschaft zurück. Halterner kämpften mit den Schneemassen auf der Straße, aber auch auf Dächern.

Das vermeintlich sichere Dach über dem Kopf wurde für ein Ehepaar nach den heftigen Schneefällen zu einer schweren Last. Die Halterner wohnen in einem alten Haus an der Rekumer Straße. Das Dach ist „von gestern“ und nicht gedämmt. Diese Tatsache brockte dem Paar und den anderen Mietern, ein junges Paar, mit Einsetzen des Wetterumschwungs eine Menge Arbeit ein.

Der Schnee setzte sich zwischen Dachpfannen und Dachsparren fest.
Der Schnee setzte sich zwischen Dachpfannen und Dachsparren fest. © Katzja the Cat © Katzja the Cat

Denn Flugschnee wirbelte durch die Ritzen zwischen den Dachpfannen, bildete Nester an den Sparren und verwandelte den Dachboden insgesamt in eine Schneelandschaft. Die Mieter mussten handeln – und schaufeln. Andernfalls hätte sich bei einsetzendem Tauwetter das Wasser weiter im Haus verteilt. „Den Schnee liegen zu lassen, wäre die schlechteste Variante gewesen“, sagt Dachdeckermeister Jürgen Wiesner von „Dach und Wand Overhaus“.

Überall Schnee, die Bewohner des alten Hauses an der Rekumer Straße hatten viel Arbeit, um den „Eindringling“ zu beseitigen.
Überall Schnee, die Bewohner des alten Hauses an der Rekumer Straße hatten viel Arbeit, um den „Eindringling“ zu beseitigen. © Privat © Privat

„Erlebt habe ich so etwas noch nie. Wir haben zu dritt Sonntag und Montag jeweils fast zwei Stunden geschaufelt“, schildert die Halternerin den mühsamen Einsatz. Der Schnee an sich habe bisher keinen Schaden verursacht, aber das komme sicherlich noch, wenn der Schnee taue.

„Wir rechnen mit größeren Wasserschäden, man kriegt halt nicht alles raus. In der Nachbarwohnung ist die Wand bereits nass und Schimmel bildet sich“, schildert sie die Zustände. Dass dem Dach die Unterspannbahnen fehlen, wüssten Besitzer und Hausverwaltung seit Jahren. Diese hätten nun aber angekündigt, es solle „was passieren“.

Wenn der Mörtel bröckelt, wird das Dach undicht

Wie der Mieter von der Rekumer Straße ging es noch so manch anderen Halternern. „Früher wurden die Dachpfannen mit Mörtel verstrichen, damit nichts eindringen kann. Mit der Zeit ist dieser Mörtel nicht mehr formschlüssig, das Dach wird undicht“, erklärt Jürgen Wiesner. Fehlen auch noch die bei modernen Dächern üblichen Unterspannbahnen, ist dem Schnee Tür und Tor geöffnet. „Dann sollte man über eine neue Dacheindeckung nachdenken“, rät der Fachmann.

Der Schnee stob durch alle Ritzen.
Der Dachboden war mit Schnee bedeckt. © Privat © Privat

Jürgen Wiesner merkt, dass die Menschen mit den ungewohnten Schneemassen und möglichen Schäden schnell überfordert sind. Aber Firma Dach und Wand Overhaus kann im Moment wenig helfen. Zwar hat sie am Dienstag im Chemiepark zwei Dachlawinen entfernt, aber ansonsten sind die Mitarbeiter „in Schlecht-Wetter-Geld“.

Nur in absoluten Notfällen wird gearbeitet. „Wir können derzeit keine Dächer betreten, unsere Gesundheit ist uns lieb und teuer“, sagt der Dachdeckermeister. Es wäre viel zu gefährlich, aufs Dach zu steigen. Im Chemiepark arbeitete die Firma mit Hubsteigern.

Flachdächer halten dem Schnee stand

Sorgen machen sich auch noch andere Hausbesitzer. Halten Flachdächer Schnee und Eis aus? Dachdeckermeister Wiesner beruhigt: „Flachdächer sind entsprechend statisch berechnet, sie halten den Schnee aus. Er kann deshalb getrost liegen bleiben.“

Allerdings würde er auch hier gerade keinen Mitarbeiter hochschicken. Es sei nicht möglich, eine Leiter sicher in dem Schnee aufzustellen. Außerdem sei es auf den Dächern sehr glatt. Aber auch die Feuerwehr ist nicht der richtige Ansprechpartner. „Nur wenn es akute Anzeichen eines drohenden Einsturzes gäbe, würden wir angesichts dieser Wetterlage helfen“, erklärt Jürgen Wiesner. Wichtig sei es, die Dachfläche bestens zu kennen, um gefahrlos arbeiten zu können.

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Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief

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