Im Ortskern von Lippramsdorf fehlen Parkplätze und Bürger sind genervt vom Verkehrslärm

dzOrtsteilforum Lippramsdorf

Lippramsdorf hat eine Mitte, Geschäfte, Arzt und Apotheke. „Sie können sich glücklich schätzen“, findet Andreas Meyer. Und doch gibt es Schwachpunkte, wie das Ortsteilforum zeigte.

Lippramsdorf

, 14.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Was gefällt mir, was wünsche ich mir, was muss geändert werden? Um diese und andere Fragen drehte sich das Ortsteilforum am Donnerstagabend in der Lippramsdorfer Sporthalle. Die Stadtverwaltung Haltern und die Architektengruppe „stadtraum“ sowie das Planungsbüro Junker+Kruse diskutierten mit den gut 70 Besuchern der Veranstaltung zwei Stunden lang über Lippramsdorf mit seinen Stärken und Schwächen.

Ortsteilforen finden auf Beschluss der Politik nach Isek (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) für die Innenstadt in allen Ortsteilen statt. Aufschlag war in Lippramsdorf, als nächstes folgt Hullern.

„Die Vereine sind die Gestalter des Zusammenlebens“

Andreas Meyer vom Planungsbüro Junker+Kruse präsentierte zunächst eine Bestandsaufnahme des Ortes mit seinen 3595 Einwohnern und zitierte dabei auch den Ortsteilcheck der Halterner Zeitung, der seine Erkenntnisse über Lippramsdorf sehr gut widergespiegelt habe.

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„Sie verfügen über ein Zentrum mit allen notwendigen Nahversorgern und Dienstleistern“, stellte er fest. Diesen Vorzug gelte es auch in Zukunft zu schützen und zu stärken. Meyer machte Komplimente für eine parkähnliche Gestaltung rund um die Kirche, die ländlichen und idyllischen geprägten Außenbereiche und für über 40 aktive Gruppen und Vereine als Gestalter des Zusammenlebens. Doch es gibt neben diesen Sonnen- auch diverse Schattenseiten. Das größte Problem im Ort fiel ihm bei der Fotopirsch durch den Ort sofort ins Auge.

Dominante Kreuzung gefällt auch dem Stadtplaner nicht

„Der Ortsteil ist stark verkehrsgeprägt“, war seine Umschreibung für die Dominanz der Straßenkreuzung mitten im Ort. Seiner Ansicht nach wäre eine Umgestaltung geboten. Damit sprach er Zuhörern aus der Seele, wie sich später bei den Arbeitskreisen zeigte. Ein Kreisverkehr wäre den Bürgern am liebsten.

Mobilität insgesamt sei ein Top-Thema im Ort. Die meisten Lippramsdorfer nutzen noch das Auto (67 Prozent) als Fortbewegungsmittel, acht Prozent sind zu Fuß unterwegs, 17 mit dem Rad, nur acht Prozent nutzen den Öffentlichen Nahverkehr. Bürger wünschten sich in diesem Zusammenhang ein noch besseres Radwegenetz und eine kürzere Taktung bei den Buslinien nach Haltern.

Im Ortskern von Lippramsdorf fehlen Parkplätze und Bürger sind genervt vom Verkehrslärm

Martin Rogge (Architektengruppe stadtraum) und Baudezernent Siegfried Schweigmann (M.) hörten sich die Anregungen und Bedenken der Bürger an. Auch Josef Husmann (r.) trug seine Anliegen vor. © Elisabeth Schrief

Auf den Nägeln brannte den Lippramsdorfern auch die Parksituation im Dorf. „Wir brauchen ein Parkkonzept“, brachte es Thomas Radzun auf den Punkt. Gerade an den Arztpraxen und an der Apotheke werden regelmäßig Geh- und Radweg zugeparkt. Sehr gestört fühlen sich Bewohner der Dorfmitte außerdem von dem Verkehrslärm durch LKW und Motorräder. Tempo 30 auf der Dorstener und Lembecker Straße kam als Lösungsvorschlag.

Bürger wünschen sich mehr Sensibilität bei Wohnbebauung

Weitere Anliegen waren unter anderem, überdimensionierte Bebauung des Ortskerns nicht zuzulassen und eine grundsätzlich frühzeitige Beteiligung der Bürger bei Bauvorhaben, den Erhalt des alten Zechengelände AV 8 als Gewerbefläche, Park- und Wendemöglichkeiten an der Grundschule und ein barrierefreies Dorf.

Im Ortskern von Lippramsdorf fehlen Parkplätze und Bürger sind genervt vom Verkehrslärm

Das Ortsteilforum fand in der alten Sporthalle der Grundschule statt. © Elisabeth Schrief

Martin Rogge (Architektengruppe stadtraum) dankte für ein intensives Engagement. Er habe den Eindruck, dass Lippramsdorf doch sehr vital sei, der Schuh aber vor allem beim Thema Verkehr und der Lärmbelastung drücke. In einer Dokumentation werden die Ergebnisse des Ortsteilforums zusammengetragen und auf der Internet-Seite der Stadt präsentiert. „Es wäre allerdings unfair, den Lippramsdorfern etwas zu versprechen. Die Ergebnisse heute sind erst einmal ein Votum“, sagte Rogge. Andreas Meyer schlug vor, Werkstatt-Gespräche ins Leben zu rufen, um das eine oder andere Problem auf kurzen Wegen zu lösen beziehungsweise, um die Entwicklung des Ortes im Blick zu behalten.

Neubürger wollen Zukunft des Ortes mitgestalten

Thomas Schipper, der seit sechs Jahren mit seiner Familie an der Dorstener Straße wohnt, war angetan von dem Austausch in der Sporthalle. Er schätzt wie seine Frau das nette Umfeld und als Vater von zwei Kindern (5 und 2 Jahre alt) die familienfreundlichen Bedingungen mit Kindergarten und Schule vor Ort. Auch seine Wünsche fanden sich an der Pinnwand wieder: Sichere Radwege im Dorf und weniger Verkehrslärm.

Im Ortskern von Lippramsdorf fehlen Parkplätze und Bürger sind genervt vom Verkehrslärm

Frauke Pannenberg (l.) und Thomas Schipper (3.v.r.) sind Neubürger und tauschten sich mit Thomas Radzun, Franz Schrief, Heribert und Beate Otto aus. © Elisabeth Schrief

Frauke Pannenberg, Mutter von zwei Kindern und ehemalige Düsseldorferin, fehlen in der Ortsmitte klare Verkehrsstrukturen und ein Leitsystem. Sie möchte weiter aktiv mitarbeiten: „Wir müssen jetzt den Grundstein für die Zukunft Lippramsdorfs legen.“

Siegfried Schweigmann nimmt Empfehlungen mit ins Rathaus

Baudezernent Siegfried Schweigmann fand die engagierte Mitwirkung der Lippramsdorfer an diesem Forum sehr interessant. „Ich sehe eine Vielzahl von Wunschzetteln, aber versprechen kann ich nichts. Ich nehme Ihre Anregungen auf jeden Fall als Empfehlungen mit ins Rathaus.“

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