Fast jeder Tote hinterlässt digitale Daten - Halterner Bestatter kümmern sich darum

dzDigitaler Nachlass

Was tun mit Social-Media-Accounts, Versicherungen und weiteren Online-Zugängen eines Verstorbenen. Halterner Bestatter helfen - hier erklären sie, wie Betroffene vorgehen können.

Haltern

, 29.07.2019, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit wenigen Klicks können die Bestatter Ingo Richter und Stefan Gazza Versicherungen, Streaming-Dienste, Social-Media-Accounts und sonstige Mitgliedschaften von Verstorbenen, im Auftrag der Angehörigen, kündigen.

An einem praktischen Beispiel machen die Bestatter deutlich, worum es bei der Regelung des digitalen Nachlasses geht und wie sie funktioniert. Viele Angehörige hätten das Problem, dass sie nicht wüssten, bei welchen Online-Diensten die Verstorbenen angemeldet sind. „Oft wissen wir es ja nicht mal selbst“, sagt Ingo Richter.

Für diese Fälle gibt es einen Online-Dienst namens Columba, dieser hat über 90.000 Unternehmen gelistet, darunter soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram, Verkaufsportale wie Amazon oder Zalando und nicht zuletzt diverse Versicherungen.

Mit einem Klick Verträge kündigen

Durch die Eingabe der E-Mail-Adresse des Verstorbenen, können die Bestatter und Angehörigen sehen, bei welchen Diensten der Verstorbene angemeldet ist. „Im Durchschnitt ist jeder unserer Kunden bei 60 bis 80 Unternehmen registriert“, so Stefan Gazza.

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Stefan Gazza sagt zu diesem Service: „Es gibt für Hinterbliebene oft nichts Schlimmeres, wenn sie zur Weihnachtszeit Werbekataloge oder Spendenaufrufe von verstorbenen Angehörigen bekommen“. Um das zu vermeiden bietet Bestattung Richter ihren Kunden an, den digitalen Nachlass zu regeln.

Mit einem Klick können die Bestatter entweder laufende Verträge abmelden oder ummelden. Dazu benötigen sie neben der Mailadresse, die Sterbeurkunde sowie Vollmacht des Hinterbliebenen für den Onlinedienst Columba.

Die zweite Generation der Nachlasspflege

Sich um den Nachlass zu kümmern ist nicht per se neu. Bestattungsunternehmen haben sich bereits in der Vergangenheit, um bürokratische Angelegenheiten von Verstorbenen gekümmert.

Das konnten Versicherungen, die Mitgliedschaft bei Automobilclubs oder schlicht die Strom-, Wasser- und Gasabmeldungen sein. Der Unterschied zu früher ist jedoch, dass nicht mehr alles postalisch verläuft, sondern vieles digital. Das geht mit einer Zeit- und Kostenersparnis für den Kunden einher.

Zugang zum Portal geht nur über den Bestatter

Innerhalb eines Tages wird die Ab- oder Ummeldung an die Firmen weitergeleitet. Sobald der Online-Posteingang bestätigt wurde, fallen für die Kunden garantiert keine Kosten für laufende Verträge an, so Richter und sagt ergänzt: „Wer die Bestattung bei uns in Auftrag gibt, für den ist der digitale Nachlass inklusive, so war es auch früher mit klassischen Formalitäten auf dem Postweg“.

Die Angehörigen können auch selbst auf Columba zugreifen und die Ab- und Anmeldungen durchführen. Die Zugangsdaten erhalten Sie jedoch nur über einen Bestatter, wie in diesem Fall von Richter.

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Der Datenschutz wird dabei laut Richter auch gewahrt. Als Beispiel nennt er Facebook. Die Angehörigen können nur die öffentlich geteilten Beiträge - oder auch etwas mehr sehen, wenn sie mit den Verstorbenen auf Facebook befreundet waren.

Aber die Chatverläufe seien tabu. Die Angehörigen können hingegen bestimmen, ob die Facebookseite des Verstorbenen gelöscht oder in den Gedenkstatus gesetzt wird.

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