Evangelische Kirche schiebt Gottesdienste mit der Gemeinde noch auf

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Nicht nur die katholische, auch die evangelische Kirche verschiebt den Eintritt in einen neuen Alltag. Öffentliche Gottesdienste finden erst einmal nicht statt - obwohl sie erlaubt sind.

Haltern

, 30.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Wochen sind die Kirchen, Moscheen und Synagogen in Deutschland leer, Gottesdienste gibt es nur virtuell. Auch in Haltern. Das darf sich laut einem Abkommen zwischen Ministerpräsident Armin Laschet und Vertretern der großen Kirchen ab dem 1. Mai wieder ändern.

Doch in Haltern geht die katholische Kirchengemeinde St. Sixtus einen eigenen Weg, ihr erscheint das Risiko zu hoch. Sie lässt die Kirchentüren für öffentliche Gottesdienste noch zu. Und die evangelische Kirchengemeinde? Sie ist ganz nah bei ihren Schwestern und Brüdern. „Wir wollen lieber gut überlegt und vorbereitet die Erlöserkirche und die Gemeindezentren wieder für Gottesdienste mit versammelter Gemeinde öffnen“, sagt Pfarrer Karl Henschel. Deshalb bleibt auch in der evangelischen Gemeinde Haltern an diesem ersten Mai-Wochenende alles zu.

Kirchengemeinde wartet auf das neue Schutzkonzept

Von der Landeskirche gebe es in den nächsten Tagen ein Schutzkonzept für alle Gemeinden. „Das werden wir für Haltern anpassen“, kündigte Karl Henschel an. Um die notwendigen Hygienemaßnahmen verbindlich einhalten zu können, müssten entsprechende Vorbereitungen wie die Anschaffung von Leih-Masken oder Desinfektionsmitteln beispielsweise getroffen werden. Außerdem müsse man für die Gemeindezentren mit Rücksicht auf die Abstandsregeln eine neue Sitzordnung überlegen.

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Die Landeskirche sagt aber auch ganz deutlich, dass die Kirchenkreise und Gemeinden selbst entscheiden sollen, ob sie bereits am ersten Mai-Wochenende verantwortlich zum Gottesdienst einladen können.

Pfarrer Henschel: „Die Menschen warten auf Gottesdienste“

„Wann wir wieder beginnen, ist noch offen“, sagt Pfarrer Henschel. Er sagt aber auch: „Die Menschen warten darauf und möchten sich wieder zum Gebet und Gesang in der Kirche und in der Gemeinschaft versammeln.“ Nicht alle seien technisch so ausgerüstet, dass sie zu Hause Video-Gottesdienste verfolgen könnten. Karl Henschel: „Wenn die Erlöserkirche und die Gemeindezentren bald wieder öffnen, müssen alle Besucher dann aber auch Einschränkungen in Kauf nehmen.“

Diese werden auf Grundlage des Schutzkonzeptes entwickelt. Das Presbyterium entscheidet letztlich, wann wieder öffentliche Gottesdienste abgehalten werden. „Ein Wieder-Einstieg im Schnellverfahren erscheint uns angesichts der Schwere dieser Krise nicht angemessen“, betont Pfarrer Henschel.

Kommentar

Entscheidung aus Nächstenliebe

Ab dem 1. Mai dürfen wieder öffentliche Gottesdienste stattfinden. Das ist zunächst eine gute Nachricht für alle, die sich in dieser schwierigen Zeit nach Orientierung und Gemeinschaft sehnen. Einem flüchtigen Anfall von Euphorie folgt die Ernüchterung. Begrenzung der Teilnehmer, Einhaltung von Mindestabständen, Empfehlung zu Mund- und Nasenschutz – das sind Schutzmaßnahmen, damit Kirchgänger nicht die nächste Infektionswelle auslösen. Die Halterner Gemeinden, katholisch wie evangelisch, haben sich richtig entschieden, indem sie sich an Gemeinschaftsgottesdienste unter neuen Bedingungen herantasten und erst einmal sorgfältige Vorbereitungen treffen. Denn es sind überwiegend die Älteren und damit die Risikogruppen, die sich sonntags zu Gebet und Gesang versammeln. Sicherlich sind diese froh, wenn sie ein Stück Isolation überwinden können. Oberstes Gebot muss aber die eigene Gesundheit und die der Mitmenschen sein. Aus christlicher Nächstenliebe. Die heimischen Kirchengemeinden haben in der Krise bislang großes Verantwortungsbewusstsein gezeigt. Die Halterner Entscheidung zeigt, dass sie das auch in Zukunft so halten wollen.
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