Ernst-Lossa-Haus: „Im Moment ist die Stimmung noch gut“

dzSpendenaufruf

Im Ernst-Lossa-Haus leben Menschen mit Behinderungen. Einige gingen täglich in die Werkstatt. Durch Corona geht das nicht mehr. Eine Herausforderung für alle. Und auch hier fehlen Masken.

Haltern

, 04.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Ernst-Lossa-Haus mit seinen zwei Wohnstätten bietet 34 Menschen im Alter zwischen Mitte 20 und Mitte 50 mit geistigen und mehrfachen Behinderungen ein Zuhause. Eines, das viele von ihnen jetzt nicht mehr ohne Weiteres verlassen können. Die Corona-Krise hat auch den Tagesablauf dieser Menschen auf den Kopf gestellt. Und auch die Betreuer müssen sich umgewöhnen.

Situation ähnlich wie in einer Kleinfamilie

Dadurch, dass die Werkstattbesuche wegfallen, sind 15 Bewohner nun auch vormittags in der Einrichtung - und müssen beschäftigt werden. „Wir mussten personell aufstocken, die Dienstzeiten verlängern“, sagt Ralf Kahla, der Leiter der Einrichtung.

Die Situation sei ähnlich wie in einer Kleinfamilie, hier wie dort müsse man eine gewisse Struktur beibehalten, so Kahla. Nicht auf einmal bis 12 Uhr mittags im Bett bleiben, zum Beispiel. Deshalb würden Beschäftigungsangebote auch in den Vormittag gelegt.

Ralf Kahla, Einrichtungsleiter im Ernst-Lossa-Haus.

Ralf Kahla, Einrichtungsleiter im Ernst-Lossa-Haus. © privat

Spaziergänge oder Ausflüge in die Innenstadt wie früher gingen jetzt nicht mehr. „Natürlich machen wir vereinzelt auch Spaziergänge, aber das geht ja nur noch zu zweit.“

Die sozialen Kontakte, die die Bewohner durch die Werkstatt-Tätigkeit hatten, fehlten ihnen jetzt genauso wie die Besuche von Angehörigen, schildert der Einrichtungsleiter. Auch im Ernst-Lossa-Haus gilt ein Besuchsverbot.

Warum darf ich mich nicht anlehnen?

Und wie vermittelt man Menschen, die teils geistig eingeschränkt sind, die Regeln zum Kontaktverbot? „Bei einigen gelingt das ganz gut“, sagt Ralf Kahla. Andere würden die Mitarbeiter fragen: „Warum darf ich meinen Kopf jetzt nicht bei Dir anlehnen?“ Das sei schon schwer zu vermitteln. Den persönlichen Kontakt ganz zu unterbinden, sei in ihrem Bereich äußerst schwierig, ähnlich wie in der Altenpflege. „Wir wollen die Bewohner natürlich vor Infektionen schützen, deshalb trägt das Personal Schutzmasken“, so Kahla weiter. Man habe Risikopatienten unter den Bewohnern.

Bitte um Spenden an Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel

Die Schutzausrüstung würde aber auch in ihrer Einrichtung langsam knapp und sei wie allerorts schwer zu bekommen. „Wir gehören zu den systemrelevanten Berufen, können nicht so einfach ins Homeoffice wechseln. Die Versorgung der Menschen hier muss gewährleistet werden.“ Dafür brauche man auch Schutzkleidung.

Die Stimmung unter den Bewohnern und Mitarbeitern sei im Moment noch gut, sagt Ralf Kahla. Er hofft, dass das so bleibt.

Der Vorstand des Vereines, Ulrich Müller, bittet Halterner Bürger um Spenden in Form von Schutzmasken, Handschuhen, Schutzkitteln und Desinfektionsmitteln. Einfache Mund-Nasen-Schutzmasken hätten die Mitarbeiter bereits genäht, das reiche aber nicht aus. Wer diese Dinge aus einem eventuell vorhandenen Fundus bereitstellen könne, möge dies doch bitte tun, so Müller.
  • Ansprechpartner sind: Verwaltung Frau Eggert und Frau Breukmann, Tel. 02364/9300715; Vorstand, Thilo Wichmann Tel. 02364/9300713 oder Einrichtungsleitung Ralf Kahla, Tel. 02364/5088970
  • Bitte NICHT ins Haus kommen, sondern vorher telefonisch anmelden oder klingeln.
Lesen Sie jetzt