Einschulungsfotos sind an manchen Halterner Grundschulen verboten

Datenschutz

Fotos von der Einschulung sind aus den Familienalben nicht wegzudenken. Aber was ist nach der Datenschutz-Grundverordnung noch erlaubt? Halterner Schulleiter erklären ihre Regeln.

Haltern

von Rabea Effelsberg

, 27.08.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Einschulungsfotos sind an manchen Halterner Grundschulen verboten

Bei Einschulungsfotos wie diesen hier sollten Eltern vorsichtig sein. © dpa

Das eigene Kind im Klassenraum mit Schultüte oder die erste Begegnung mit den neuen Mitschülern sind wichtige Momente, die Eltern als bleibende Erinnerung bei der Einschulung in Bild und Ton festhalten möchten. In Haltern werden am Donnerstag und Freitag 325 Erstklässlern eingeschult, ihre Familien freuen sich bereits auf schöne Fotos. Aber ist das Fotografieren oder Filmen in der Schule seit Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO, überhaupt noch erlaubt? Oder müssen Eltern zur Einschulung auf diese geliebte Tradition verzichten?

Die wichtigste Regel lautet nach wie vor nachzufragen, erklärt die Bezirksregierung Münster. Sowohl beim eigenen Kind als auch bei anderen Kindern und deren Eltern, die mit aufs Bild geraten können. Das Team der Schule sollte ebenfalls vorab darauf angesprochen werden, ob das Fotografieren für private, nicht-kommerzielle Zwecke erlaubt ist. Denn eine einheitliche Regelung gibt das Schulministerium nicht vor. „Grundsätzlich entscheidet die Schulleitung, ob sie das Fotografieren (und Filmen) auf dem Schulgelände und im Gebäude untersagt oder aber mit entsprechenden Hinweisen und Einschränkungen erlaubt“, heißt es aus der Bezirksregierung.

Keine Kameras an der Marienschule und der Grundschule Sythen

An der Marienschule hat sich Schulleiterin Susanne Ploner gegen Kameras entschieden: „Die Aufnahme von Videos und Fotos ist bei uns grundsätzlich untersagt. Darüber haben wir die Eltern beim ersten Elternabend informiert und ich werde bei der Einschulungsfeier auch noch einmal deutlich darauf hinweisen.“ Das gilt für sämtliche Veranstaltungen der Schule, Probleme gab es bisher noch nicht. „Alle Eltern haben sich an die Regelung gehalten und es gab keine Beschwerden“, erklärt Susanne Ploner.

An den Grundschulen Sythen und Lavesum funktioniere es ebenfalls reibungslos, gibt Schulleiterin Marlet Kleerbaum Auskunft. Seit diesem Jahr dürfen keine Fotos und Videos mehr gemacht werden. „Die Eltern halten sich zum Großteil auch gut daran.“

Das sagt die DSGVO über Einschulungsfotos

Doch was hat die DSGVO nun eigentlich genau mit dem immer häufigeren Fotoverbot zu tun? „Die DSGVO sagt zum Vorgang des reinen Fotografierens erst einmal gar nichts“, stellt die Bezirksregierung klar. In der Verordnung geht es vielmehr darum, was anschließend mit den Fotos geschieht, wie sie gespeichert, verarbeitet und verbreitet werden.

Als Einschulungsfotos noch auf Film mit der Kleinbildkamera gemacht wurden, war alles ganz einfach: Der Film kam ins Labor, über die Abzüge freuten sich neben dem stolzen Schulkind auch Oma, Opa, Tanten und Onkel. Das war und ist trotz DSGVO auch weiterhin nicht grundsätzlich verboten, selbst wenn neben dem eigenen Kind fremde Kinder auf dem Foto zu sehen sind. Für Eltern bedeutet das: Wenn die Schule das Fotografieren nicht verbietet und die Abgelichteten bzw. die Erziehungsberechtigten ausdrücklich einverstanden sind, dürfen sie weiterhin Bilder für private, nicht-kommerzielle Zwecke aufnehmen.

Bei den sozialen Netzwerken ist Vorsicht geboten

Problem ist häufig aber weniger das gedruckte Foto im Familienalbum als der Drang der Eltern, die Bilder der Sprösslinge auch in sozialen Netzwerken zu verbreiten. Hierbei ist größte Vorsicht geboten. Denn Facebook, Twitter, Instagram, Whatsapp und ähnliche Plattformen sind grundsätzlich nie privat, da die Fotos in Datenbanken kommerzieller Unternehmen gespeichert werden. Das bedeutet: Bilder, auf dem neben dem eigenen auch fremde Kinder zu sehen sind, dürfen zwar mit Einverständnis der Abgebildeten aufgenommen, aber nicht einfach in sozialen Netzwerken geteilt werden. „Auch nicht in vermeintlich geschlossenen Gruppen“, betont die Bezirksregierung.

Wer dies dennoch tun möchte, braucht dazu die Einwilligung aller Abgebildeten bzw. ihrer Erziehungsberechtigten. Die Erlaubnis muss nicht schriftlich erteilt werden, aber sie sollte für den Fall eines Rechtsstreits beweisbar sein. Daher rät die Bezirksregierung: „Im Zweifelsfall lieber auf das Teilen bei Facebook und Co. verzichten.“

Recht am eigenen Bild seit 1907 geregelt

Die ungefragte Verbreitung von Fotos anderer Personen verstieß übrigens schon vor Inkrafttreten der DSGVO gegen das Recht der informationellen Selbstbestimmung. Geregelt ist das „Recht am eigenen Bild“ in Deutschland seit 1907. Wer es außerhalb klar definierter Ausnahmefälle - Einschulungen gehören nicht dazu - dennoch tut, kann mit Geldbußen oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr bestraft werden.

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