Der Bürgerbus bietet von montags bis samstags eine Alternative zum öffentlichen Nahverkehr in Haltern. © Lukas Runde
Bürgerbus Haltern

Eine Fahrt im Halterner Bürgerbus: „Mein Mann wäre gerne damit gefahren“

Der Bürgerbus ist längst zur festen Einrichtung in Haltern geworden. Mit seinem Angebot füllt er ganz bestimmte Lücken. Die Halterner Zeitung ist mitgefahren. Ein Erfahrungsbericht.

Im Vorhinein muss ich zugeben, dass ich bis vor Kurzem noch nichts vom oder über den Bürgerbus in Haltern am See wusste. Dann habe ich mich entschlossen, einfach mal in dem Kleinbus mitzufahren. Eins steht fest: Ich würde es wieder tun.

Es ist ein trüber Vormittag im Juli. Während der Regen niederprasselt, gesellt sich Hans Kirschbaum an der Haltestelle am Kärntner Platz zu mir.

Das Vorstandsmitglied des Bürgerbusvereins wird mich auf meiner Fahrt begleiten und mir meine Fragen beantworten.

Im Kleinbus gilt die Anschnallpflicht

Beim Einsteigen begrüßt mich neben dem Fahrer auch der erste Fahrgast. Ich nehme im gemütlichen Achtsitzer Platz, schnalle mich an und die Fahrt beginnt.

Schnell komme ich mit der freundlichen älteren Dame ins Gespräch, die sich auf dem Weg zur Haltestelle Rekumer Straße befindet.

„Ich fahre gerne mit dem Bürgerbus. Eigentlich immer, wenn ich in die Stadt muss“, erzählt sie mir. Die regulären Buslinien würden ihr immer zu schnell anfahren, sodass sie gar keine Zeit habe, sich hinzusetzen.

Die Finanzierung funktioniert durch Werbung und Fahrtgeld

„Mein Mann wäre zu Lebzeiten auch gerne damit gefahren“, ergänzt die ältere Dame. Die erste Haltestelle auf unserer Tour ist der Halterner Bahnhof.

Hier verlässt Hans Kirschbaum kurz den Bus, um neue Fotos für einen der Werbepartner zu schießen. „Wir finanzieren uns hauptsächlich durch unsere Monitorwerbung“, erzählt er. Dazu komme noch das Fahrtgeld von einem Euro pro Fahrgast. „Das reicht aber nicht aus, um die Kosten zu decken.“

Während wir stehen, unterhalte ich mich mit dem Fahrer. Horst Thier ist seit Anfang 2020 als einer von insgesamt 47 Fahrerinnen und Fahrern im Bürgerbusverein aktiv.

Die monatlichen Fahrertreffen ermöglichen einen Austausch

„Ich habe im Internet bei Facebook davon gelesen und konnte auf den fahrenden Zug aufspringen“, so Horst Thier. Nach dem Abschluss eines ADAC-Fahrsicherheitstrainings startete er als ehrenamtlicher Fahrer. Alle 47 Fahrer sind im Besitz eines Führerscheins zur Fahrgastbeförderung, der in Verbindung mit einer aktuellen G-25-Untersuchung und dem Führerschein Klasse B als Fahrerlaubnis für den Bürgerbus gilt.

Horst Thier wirkt fröhlich. Und er ist stolz, seinen Teil als Ehrenamtler beitragen zu können. Doch er erzählt mir auch von der schwierigen Zeit im vergangenen Jahr. 2020 musste der Bürgerbus seinen Betrieb corona-bedingt teilweise komplett einstellen.

Die Fahrer und Fahrerinnen setzen sich alle ehrenamtlich ans Steuer.
Die Fahrer und Fahrerinnen setzen sich alle ehrenamtlich ans Steuer. © Lukas Runde © Lukas Runde

„Auch unsere monatlichen Fahrertreffen konnten nicht mehr wie gewohnt stattfinden“, erzählt er. Normalerweise nutzen die Fahrerinnen und Fahrer die Treffen einmal im Monat dazu, um sich auszutauschen und über mögliche Probleme zu diskutieren.

„Im Bürgerbus haben wir Zeit“

„Das ist eine Möglichkeit, um mit unserem Angebot noch besser zu werden“, ergänzt Thier. Als der Kleinbus wieder fährt, erfahre ich mehr über die Arbeitsweise und Philosophie hier beim Bürgerbus-Team.

„Im Bürgerbus haben wir Zeit. Wir machen das für die Leute, die Allgemeinheit“, erzählt Hans Kirschbaum gelassen. Es sei wichtiger, den Fahrgästen genug Zeit beim Ein-und Aussteigen zu geben, als immer auf die Minute genau pünktlich zu sein.

Das erlebe ich auch an den nächsten Haltestellen immer wieder. Häufig steigen ältere Damen und Herren mit Rollatoren oder Einkaufstaschen in den Bus ein.

Der Verein sorgt für Sitzbänke an Haltestellen

Bei jedem Fahrgast nimmt sich der Fahrer die Zeit, den Rollator sicher zu verstauen und wartet, bis alle einen Platz gefunden haben. Auch beim Anschnallen bietet der aufmerksame Fahrer seine Hilfe an.

Die Hilfsbereitschaft des Fahrers fällt nicht nur mir, sondern auch den Fahrgästen positiv auf. „Die Fahrer sind immer sehr freundlich“, bestätigt eine zugestiegene Frau meinen Eindruck.

Auch die Sitzbänke, welche im Auftrag des Bürgerbusvereins an einigen Haltestellen angebracht worden sind, werden von den Passagieren gerne in Anspruch genommen.

643 Fahrgäste im Juni

Nach einer knappen Stunde endet meine Fahrt mit dem Bürgerbus und ich bin durchweg begeistert. Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit in diesem Bus sind mitreißend. Man fühlt sich wie in einer kleinen Gemeinschaft.

Die Fahrgastzahlen steigen unterdessen wieder. Nach einem Rückgang wegen Corona konnte der Verein im Monat Juni wieder insgesamt 643 Fahrgäste befördern.

Wer mehr über den Bürgerbus, seinen Fahrplan oder die Tarife erfahren möchte, findet sämtliche Informationen im Internet unter www.buergerbus-haltern.de

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