Eichenprozessionsspinner: Mit diesem Nistkasten können Sie die Giftraupen selber bekämpfen

dzAnleitung zum Selberbauen

Keine Lust mehr auf Eichenprozessionsspinner? Wir auch nicht. Deshalb haben wir uns mit dem RVR getroffen, um einen Meisen-Nistkasten zu bauen. Die Anleitung samt Video finden Sie hier.

Haltern, Dorsten

, 27.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ausschlag, juckende Haut, gesperrte Straßen: Der Eichenprozessionsspinner (EPS) hat in Haltern das zweite Jahr in Folge für blank liegende Nerven, überlastete Bekämpfungsunternehmen und reichlich Kommentare bei Facebook gesorgt. Wo sind die Raupen mit ihren giftigen Haaren, was kann ich tun, warum unternimmt die Stadt scheinbar nichts? All das war im Internet zu lesen.

Was aber tun, wenn eine Eiche im eigenen Garten befallen ist? Denn zuständig ist die Stadt hier nicht, die bekämpft nur auf städtischen und Kreisflächen. Und die Nester auf eigene Faust zu bekämpfen, davon raten sowohl Nikolai Eversmann von der Biologischen Station im Kreis Recklinghausen, als auch Frank Vofrei vom gleichnamigen Baumdienst ab. Denn beim Abflämmen und Absammeln können die Härchen verwirbelt werden. Spätestens aber, wenn die Mülltonne mit den Raupen von der Müllabfuhr geleert wird, fliegen die Härchen - die bis zu sieben Jahre aktiv sind - der Müllabfuhr entgegen.

Eine schonendere Bekämpfungs-Alternative ist es deshalb, im eigenen Garten ein paar Meisen anzusiedeln. Weil die Stadt Haltern keine Chemie gegen die Raupen einsetzen will, hat sie im Herbst 100 Nistkästen für Blau- und Kohlmeisen an Stellen aufgehängt, an denen Halterner große Gefahr laufen, mit den mit Eiweißgift gefüllten Haaren der Raupen in Berührung zu kommen - etwa am Bootsanleger am Seestern (10) oder an der Heideschule in Flaesheim (20).

Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Haltern hatte einen entsprechenden Antrag an die Stadt gestellt. Die niederländische Stadt Groesbeek konnte so etwa Kohl- und Blaumeisen ansiedeln, die die Raupen des Eichenprozessionsspinners fressen. „Wir halten es für einen lohnenswerten Versuch“, sagte dazu Stadtsprecher Georg Bockey Anfang August.

Anleitung: Das brauchen Sie für den Bau eines Nistkastens

„Bei Meisen weiß man, man hat Erfolg“, sagt Michael Zielkowski, Ranger beim Regionalverband Ruhr (RVR). Der RVR baut in Dosten-Lembeck in großem Stil Nistkästen für unterschiedliche Vogelarten - darunter auch Meisenkästen.

Dass sich ein Kasten lohnt, zeigt eine einfache Rechnung: Jedes Meisenpärchen macht während der Aufzuchtzeit seiner Jungen rund 300 Flüge pro Tag, erklärt Michael Zielkowski. Dabei können die Vögel im Schnitt 600 Raupen pro Tag sammeln, mit denen sie ihre sechs bis acht Jungvögel versorgen. „Wir haben schon beobachtet, wie Meisen aus den Gespinsten des Eichenprozessionsspinners Raupen rausgepickt haben“, sagt der Ranger. Meisen im eigenen Garten anzusiedeln, sei relativ einfach, sagt Zielkowski.

Video
So baut man einen Nistkasten für Meisen

Um einen eigene Kasten zu bauen, brauchen Sie folgendes Material:

  • Das Holz, Nadelholz wie Kiefer oder Fichte, sollte etwa 2 cm stark sein
  • Die Front: 28 x 12 cm, das Einflugloch muss einen 32 Millimeter großen Durchmesser haben
  • Zwei Seitenteile: 28 x 16 cm, an der oberen Kante, auf die später das Dach aufgesetzt wird, wird das Holz in einem Winkel von 10 Grad abfallend abgeschrägt
  • Das Rückenteil: 28 x 12 cm, die obere Kante, auf der später das Dach aufliegt, ist ebenfalls um 10 Grad angeschrägt
  • Der Boden: 12 x 12 cm
  • Das Dach: 28 x 20 cm, sollte bündig zum Rücken angeschrägt werden
  • Der Aufhänger: 45 cm x circa 5 cm, daran wird später das Haus montiert
  • Das Verschlussteil: 3 x 1,5 bis 2 cm

Das Werkzeug:

  • eine gute Handsäge oder Handkreissäge
  • ein Akkubohrer
  • einen Forstnerbohrer für das Einflugloch
  • Schrauben: 35 mm

Praktische Tipps:

  • Löcher sollten vor dem Verschrauben vorgebohrt werden, damit das Holz nicht splittert
  • Nicht zu lange Nägel verwenden: Ragen die in die Innenseite des Häuschens, können sich die Vögel verletzen
  • Das Einflugloch für Meisen ist 32 Millimeter groß. Das ist wichtig, weil sich bei größeren Löchern auch andere Vogel einnisten würden, die die Meise im Zweifel verdrängen
  • Beim Material ist unbehandeltes Holz wichtig. Das kann mit Olivenöl wetterfest gemacht werden, von riechenden Farben auf Lösungsmittelbasis sollten Vogelhäuslebauer allerdings lieber die Finger lassen. Mit ein bisschen Öl hält der Kasten rund zehn Jahre, sagt Michael Zielkowski.

Die Bretter, beginnend mit den Seitenteilen und dem Rücken, werden mit je zwei Schrauben miteinander verbunden. Danach folgen der Boden und die Front. Dann wird der Verschluss in der unteren Hälfte der Front angebracht, damit die Jungvögel die Front nicht aus Versehen öffnen und herausfallen. Das Dach wird bündig zum Rückenteil angeschraubt, bevor das Häuschen mit dem Aufhänger an einem Baum oder unter einem Vordach angebracht wird.

Das ist beim Anbringen zu beachten:

  • Der Kasten sollte in Richtung Ost bis Südost ausgerichtet sein. „Westen ist die Schlechtwetterseite. Da würde es reinregnen. Es sei denn, der Kasten hängt unter einem Abdach, dann ist die Himmelsrichtung egal“, so Michael Zielkowski.
  • Aufgehängt werden sollte der Kasten ab einer Höhe von zwei Metern. „Neben dem Balkon geht es auch, wenn man den Kasten in Ruhe lässt“, sagt Zielkowski. In der Nähe herumzulaufen, sei hingegen kein Problem.
  • Zu anderen Nistkästen, egal welcher Vogelart, sollte der Meisenkasten sechs bis acht Meter Abstand haben. „Die Meise hat gern ein gewisses Revier“, sagt Michael Zielkowski. „Sonst fühlt die Meise sich nicht wohl. Dann würde der Kasten nicht belegt werden.“ Anders als der Spatz der in Kolonien gern Wohnung an Wohnung mit seinen Gefährten lebt.

Wer sich keinen eigenen Kasten bauen möchte, dem empfiehlt Michael Zielkowski möglichst auf notdürftig zusammengetackerte Siebdruckplatten zu verzichten, da diese Platten nicht so arbeiten und atmen wie Nadelholz. Das führt zu einem schlechten Innenklima. „Man sollte gucken, dass die Kästen solide verarbeitet sind“ - geschraubt oder solide getackertes Vollholz, unlackiert.

Ob selbst gebaut oder nicht - Wer im Winter einen Nistkasten anbietet, der hilft nicht nur Altvögeln beim Überwintern, sondern bietet Meisen ein Zuhause, wenn sie sich im Februar und März nach einer neuen Bruthöhle umschauen.

Auch Fledermäuse sind in Sachen EPS sinnvoll. Und zwar nachts, wenn sie ab dem Sommer den Falter des Eichenprozessionsspinners jagen und fressen. Allerdings, so Zielkowski, lassen die sich wesentlich schlechter irgendwo hinlocken und ansiedeln.
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