Eichenprozessionsspinner in Haltern: „Momentan ist es eine wirkliche Epidemie“

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Die Meldungen von Eichenprozessionsspinnern reißen nicht ab. Wir haben mit einer Betroffenen, einer Kinderärztin und der Stadt über den Stand der Dinge gesprochen.

Haltern

, 27.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Edelgard Rademacher setzen die Eichenprozessionsspinner derzeit ziemlich zu. Der Hals, die Arme und die Beine der Lippramsdorferin sind übersäht mit roten, juckenden Punkten, zwischendurch muss sie husten. „Erst dachte ich, es wären Mücken. Aber nachdem ich mir eine Mückenfallen-Lampe gekauft hatte, habe ich mich gewundert, dass da gar keine Tiere drin waren“, sagt Edelgard Rademacher. Der Hinweis ihrer Schwiegertochter habe sie dann auf die entscheidende Spur gebracht: der Eichenprozessionsspinner.

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Seit gut einer Woche schlägt sich die Lippramsdorferin nun mit den Folgen der unliebsamen Begegnung mit den Tierchen herum. „Es tut weh, als hätte man entzündete Beine. Es ist schon ganz fies“, so die Lippramsdorferin. Angefangen hatte alles nach einem Spaziergang mit ihrem Hund an der Feldmarkstraße. „Da gibt es einen Kletterbaum, da haben wir als Kinder immer rumgeturnt“, sagt die Lippramsdorferin. Sie selber habe die Tierchen nicht einmal gesehen. „Ich wohne ja selber auch am Wald, da sind aber mehr Buchen. Ich habe gedacht, das passiert mir nicht.“

Eichenprozessionsspinner

Sunset-Beach-Gelände weitestgehend frei von Raupen

  • Laut der Stadt ist das Gelände rund um den Stausee, an dem am Wochenende das Sunset-Beach-Festival stattfindet, weitgehend frei von Eichenprozessionsspinnern
  • Dort hatte die Gelsenwasser AG die Bereiche geprüft und von Nestern befreit
  • Der Weg zum Stausee vom Bahnhof werden derzeit noch überprüft
  • Weil die 100-prozentige Entfernung aber „schlicht nicht möglich sei“, bittet die Stadt Besucher, „sich mit langärmeliger Bekleidung vor den umherwirbelnden Härchen der Raupen zu schützen.“

5 bis 10 Kinder am Tag, schätzt die Ärztin, kommen in die Praxis

„Momentan ist es eine wirkliche Epidemie“, sagt Dr. Sonja Brümmer, die als angestellte Ärztin in der Kinderarztpraxis von Dr. med. Jörg-Ulrich Hassel in der Halterner Innenstadt arbeitet. Im Vorjahr sei der Eichenprozessionspinner kein großes Thema in der Praxis gewesen. Heute seien es zwischen 5 bis 10 Kinder am Tag, schätzt die Ärztin, die allein wegen Beschwerden nach dem Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner in die Praxis kommen. „Bislang hatten wir vor allem Hautreizungen. Das kann den ganzen Körper betreffen. Auch die Fußsohlen, etwa wenn Kinder barfuß gelaufen sind“, so die Ärztin. Es seien auch Kinder oder Erwachsene betroffen, die sich nicht in der Nähe von Eichen aufgehalten hätten. Denn auch von Eichen, die nicht in Sichtweite stünden, wehten die feinen Brennhärchen herüber.

Sonja Brümmer empfiehlt, die roten und juckenden Punkte mit einem Antiallergikum zu behandeln. Für Kinder gebe es das in Form eines Saftes, für Erwachsene in Tablettenform. Zusätzlich sollte auf die juckenden Stellen eine entsprechende Salbe aufgetragen werden. Beides gibt es frei in den Apotheken.

Wichtig sei es, sagt die Ärztin, zwischen Windpocken und den roten Eichenprozessionspusteln zu unterscheiden. „Windpocken sind größere, wässrige Bläschen, die in Schüben kommen. Wenn ein Kind zweifach gegen Windpocken geimpft ist, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass es sich bei den Pocken um Windpocken handelt“, so die Ärztin. Deshalb habe es in letzter Zeit viele fehlgedeutete Meldungen an das Gesundheitsamt gegeben.

Wenn ein Kind an juckenden Stellen wegen des Eichenprozessionsspinners leide, hätte es kein Fieber und es gebe auch keine Anzeichen für einen Infekt, so Brümmer weiter. „Bei Kinderkrankheiten sind die Kinder auch krank“, beim Eichenprozessionsspinner sei das eher nicht der Fall.

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Das sagt die Stadt Haltern zu den Vorwürfen

Auf der sozialen Plattform Facebook, etwa in der Gruppe „Haltern am See“, haben sich in den vergangenen Wochen und Tagen immer wieder Halterner darüber beschwert, dass die Stadt scheinbar nichts gegen die Eichenprozessionsspinner in Haltern tue. Andere schreiben, dass sie der Stadt einen Befall gemeldet hätten und diese daraufhin aktiv geworden sei. Die Stadt hat sich auf unsere Anfrage hin wie folgt geäußert:

„Wir haben sicher mehr als 50 Meldungen in der letzten Woche bekommen“, sagt Georg Bockey, Sprecher der Stadt Haltern. Derzeit sei das Thema „rundum aktuell“. „Die Unternehmen sind deshalb stark ausgelastet und schaffen es nicht immer sofort. In aller Regel arbeiten wir mit zwei Unternehmen zusammen. Deshalb bitten wir nochmals um Geduld, wenn es hier zu Verzögerungen kommt. Ebenso sollte berücksichtigt werden, dass wir nicht an jeder Stelle aktiv werden.“ Ob das Gefühl, das Entfernen würde zu lange dauern, richtig sei, liege im Auge des Betrachters, so Bockey.

Innerorts, auch an Kreisstraßen, ist die Stadt Haltern für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zuständig, solange es sich um eine öffentliche, städtische Fläche handelt. In diesem Fall kann ein Befall an den Baubetriebshof unter Tel. (02364) 93 34 78 gemeldet werden. Ebenso kann ein Befall in den Mängelmelder auf der Internetseite der Stadt eingetragen werden.

Edelgard Rademacher aus Lippramsdorf geht jetzt mit ihrem Hund eine andere Strecke. „Die Stellen zu meiden, ist ziemlich schwierig. Man macht, so weit es geht, einen Bogen darum. Und wir gucken jetzt alle aktiv nach Eichen.“

  • Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Halten hat am Donnerstag einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt, sich über die Bekämpfungsmethode der Stadt Groesbeek in den Niederlanden zu informieren und diese gegebenenfalls einzusetzen.
  • Dort werden Eichen mit Nistkästen für Rotkehlchen, Blau- und Kohlmeisen bestückt, damit diese sich dort ansiedeln und die Raupen fressen.
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