Ehrenbürgerschaft von Alexander Lebenstein rief die heftigsten Reaktion hervor

dzHassmails und Entgleisungen

Mehr als 40 Prozent der Kommunen haben laut Medienberichten Erfahrungen mit Hassmails, Einschüchterungsversuchen oder anderen Übergriffen gemacht. Wie sieht das in Haltern aus?

Haltern

, 01.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Nachrichten über Attacken gegen Vertreter von Kommunen reißen nicht ab. Wir haben Halterns Bürgermeister Bodo Klimpel gefragt, welche Erfahrungen er in seiner Amtszeit seit 2004 gemacht hat.

Ist der Ton beim Dialog mit den Bürgern rauer geworden?

Ja, viele Menschen sind deutlich ungeduldiger.

Welche Themen sorgen in Haltern für Zündstoff und rufen Reaktionen von Bürgern hervor?

Zündstoff und teilweise heftige Reaktionen gab es zum Beispiel beim Austauschen der Müllgefäße, wenn dem Bürger nicht innerhalb von drei Tagen geholfen werden konnte. Vielfach sind es aber auch die sogenannten kleinen Dinge, wie zum Beispiel Knöllchen oder vernachlässigte Beete.
Wird die Kritik überwiegend sachlich geäußert oder erreichen das Bürgermeisteramt bzw. das Rathaus auch Hassmails und Hetze?

Kritik erfahren wir überwiegend sachlich. Dass sich Leute schon mal im Ton vergreifen, kommt aber vor, zum Glück aber sehr selten.

Können Sie ein Beispiel für so einen Ausfall nennen?

Die heftigsten Äußerungen gab es, als wir Alexander Lebenstein zum Ehrenbürger ernannt haben (Anmerk. der Redaktion: Lebenstein hat als einziger Jude aus Haltern den Holocaust überlebt und reichte die Hand zur Versöhnung).

Wie würden Sie ihre direkten Begegnungen mit Bürgern beschreiben?
Nahezu 100 Prozent der Begegnungen sind für mich angenehm und inspirierend. Schwierig wird es manchmal, wenn man nicht helfen kann.

Wie gehen Sie mit persönlichen Anfeindungen (unsachlichen verbalen
Ausfällen) um?

Ich versuche, so gut es geht, diese nicht an mich herankommen zu lassen.

Hat Ihre Familie schon unter unsachlicher Kritik leiden müssen?

Ja, denken Sie nur an das wochenlange Plakatieren eines Bürgers aus Bossendorf zu den Kommunalwahlen. Das war teilweise unter der Gürtellinie und auch für meine Familie belastend.

Welche Antwort muss die Bundespolitik auf die Vorfälle jüngster Gewalt geben?

Die Gesellschaft insgesamt muss darauf achten, dass gegenseitiger Respekt und auch gegenseitiges Verständnis für ein gedeihliches Zusammenleben wichtig ist. Und ich glaube auch, dass wir manches Mal in der Vergangenheit zu tolerant mit den Intoleranten umgegangen sind. Da würde ich mir eine strengere Vorgehensweise wünschen. Denn diejenigen, die sich nicht an Recht und Gesetz halten, müssen in ihre Schranken verwiesen werden. Nur so werden wir es schaffen, diejenigen zu schützen, die für die Allgemeinheit da sind, teilweise auch ehrenamtlich arbeiten. Ich denke hierbei an unsere Ratsmitglieder und ebenso an Polizisten, Rettungskräfte, Beschäftigte in Jobcentern usw., die sich leider immer mehr in Gefahren begeben müssen.

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