Dr. Rolf-Dieter Beythien geht in den Ruhestand

Im Interview

HALTERN Im Sixtus-Hospital geht die Ära Beythien zu Ende. Am Mittwoch (6.1.) tritt der Chefarzt der Kardiologie und das Urgestein des Krankenhauses offiziell in den Ruhestand. Dr. Rolf-Dieter Beythien sprach mit Elisabeth Schrief über die Anfänge in Haltern, die medizinische Entwicklung und Zukunftsträume.

05.01.2010, 07:03 Uhr / Lesedauer: 3 min
Dr. Rolf-Dieter Beythien.

Dr. Rolf-Dieter Beythien.

Am 1. Juli 1977 bin ich als Oberarzt nach Haltern gewechselt, 1984 kam das Angebot, als Chefarzt im Sixtus-Krankenhaus zu bleiben. Ich habe angenommen und bin glücklich geworden. Glücklich, weil ich viel Entwicklungspotenzial im Sixtus-Krankenhaus sah, schnell soziale Wurzeln schlagen konnte, geheiratet und eine Familie gegründet habe. Und weil Haltern ein bisschen Ähnlichkeit mit Hamburg hat. Ich habe oft gegenüber dem Seehof am Stauseeufer gesessen und über den See geblickt. Für mich ein Stück Heimat, als wäre es die Alster.

Es war ein gut geführtes Allgemein-Krankenhaus mit Basis-Medizin, aber ohne spezialisierte Abteilungen und ohne Intensiv-Station. Dass es so nicht zukunftsfähig sein konnte, erkannte bereits der damalige Verwaltungsleiter, Herr Salm. Er war ein sehr in die Zukunft denkender Mensch. Über der Verwirklichung seines Ziels, eine Gefäßchirurgie zu etablieren, ist er verstorben.

Ich habe dann begonnen, die Kardiologie aufzubauen. Das Halterner Krankenhaus erhielt unter meiner Federführung in den 70er Jahren den ersten angiografischen Messplatz weit und breit. Wir konnten damit Verkalkungen der Gefäße im Gehirn, der Halsschlagadern, der Beine und Arme sowie in den inneren Organe nachweisen und behandeln. Gleichzeitig wurde die Intensivstation eingerichtet. Anfang des neuen Jahrtausends bekam das Hospial einen neuen Linksherzkathetermessplatz, ein weiterer Meilenstein in der Kardiologie. Unsere Spezialisierung auf Herzerkrankungen und Schlaganfälle hat uns von anderen Häusern der Umgebung abgehoben.

Wir haben bewusst gegen den Trend gearbeitet, nämlich den Patienten mit seinen Beschwerden als Leidenden anerkannt und aufgenommen. Diese Menschlichkeit schätzt der Patient. Leider geht sie heute angesichts der Kommerzialisierung der Medizin, wonach der Patient nur noch eine Abrechnungsnummer ist, verloren. Eine schlechte Entwicklung. Das ist nicht die Medizin, unter der meine Generation angetreten ist.

Ich habe mich von der Entwicklung nie beeinflussen lassen und mein Ideal, helfen zu wollen, nicht aufgegeben. Ich bin da kein Einzelkämpfer, andere Mediziner denken genauso. Meinem jüngsten Sohn ermutige ich, auch diesen Weg zu gehen und das Ideal für sich zu erhalten. Ich glaube nämlich, dass es eine Umkehr geben wird: Der Patient geht auf Dauer dorthin, wo er menschliche Medizin findet.

Die Kardiologie ist mein "Kind", deshalb kann ich mich innerlich tatsächlich schlecht lösen. Allerdings bin ich fast 40 Jahre berufstätig gewesen, das ist genug. Ich freue mich, dass ich in Dr. Martinez fachlich wie menschlich einen sehr guten Nachfolger gefunden habe. Mir ist schon wichtig, dass die Arbeit gut weiterläuft.

Vielleicht werde ich noch medizinisch tätig bleiben, aber in überschaubarem Rahmen. Auf jeden Fall werde ich mir mehr Zeit für das Segeln nehmen, ich möchte gern einmal hinaus auf den Ozean. Außerdem liebe ich Fernreisen. Ein Studium der Geisteswissenschaften steht auch auf meinem Plan. Ich komme auf keinen Fall auf die Idee, unser Haus in Lavesum aufzugeben. Ich bin jetzt 33 Jahre in Haltern, da geht man vor allem mit Rücksicht auf die Familie nicht mehr weg.

Für Haltern sehe ich darin eine schwierige Entwicklung mit offenem Ende. Ich persönlich bedauere sehr, dass das Haus seine Eigenständigkeit verloren hat. Es hat zwar damit seine Existenz zunächst einmal gesichert, aber in welcher Form? Die beste wirtschaftliche Lösung ist nicht immer die beste für den Patienten. Wenn Hauptabteilungen aufgegeben werden, ist das nicht das, was er will. Ich möchte mir nicht vorstellen, dass die Politik eines Tages kleine Krankenhäuser auflöst, aber ich kann es mir vorstellen.

Den Kollegen und Mitarbeitern aus dem pflegerischen Bereich, die mir all die Jahre geholfen haben, die Dinge zu tun, die mir am Herzen lagen. Die mir loyal zur Seite gestanden haben. Da die Fluktuation gering und immer alle Stellen in der Kardiologie besetzt waren, werte ich das als Zeichen, dass sich die Mitarbeiter bei mir wohlgefühlt haben. Wir haben in dieser Gemeinschaft sehr viel leisten können.  Und allen Patienten, die mir in 33 Jahren ihr Vertrauen geschenkt und die Treue gehalten haben.

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