Disko-Schlägerei: Diese Strafen fordert die Staatsanwaltschaft

dzLandgericht Essen

Im Prozess um eine brutale Disko-Schlägerei in Haltern, bei der ein Türsteher aus Olfen ein Auge verloren hat, droht beiden Angeklagten Gefängnis.

Haltern/ Olfen/ Essen

, 26.05.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sascha B. kam in Feuerwehr-Uniform, die schwarze Augenklappe war unter der Mütze kaum zu erkennen. Mehr als neun Monate ist es her, dass der Türsteher aus Olfen bei einer Schlägerei in der Halterner Diskothek „Stadtmühle“ ein Auge verloren hat. Dafür sollen zwei Brüder aus Haltern nun ins Gefängnis.

Für den jüngeren der beiden Angeklagten hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag sechseinhalb Jahre Jugendhaft gefordert. „Er hielt ein großes Cocktailglas in der Hand und warf es unvermittelt und mit voller Wucht aus einer Entfernung von ein bis zwei Metern direkt in das Gesicht des Security-Mitarbeiters“, so die Anklägerin im Prozess am Essener Landgericht.

„Aus dem Auge floss unentwegt Blut“

Für den älteren Bruder sind vier Jahre und acht Monate Haft beantragt worden. „Er attackierte den bereits schwer verletzten Türsteher mit zielgerichteten Faustschlägen“, so die Staatsanwältin. „Aus dem Auge floss unentwegt Blut.“

Die Ärzte hatten alles versucht, um das Sehvermögen des Opfers zu retten. Am Ende vergeblich. „Er steht vor den Trümmern seines Lebens“, so sein Anwalt Norbert Drees. „Er kann nicht mehr als Zimmermann arbeiten, nicht mehr als Lkw-Fahrer und wahrscheinlich kann er auch sein Haus nicht halten.“ Auch bei der freiwilligen Feuerwehr könne er nur noch in der Ehrenabteilung dienen, anstatt wie früher Einsatzfahrzeuge zu fahren.

Dass Sascha B. diesmal in Uniform erschienen sei, sei allerdings keine Demonstration, so Drees. Er wolle nach dem Prozess einfach nur an der Beerdigung eines Kollegen teilnehmen.

„Ich pass schon auf ihn auf“

Es war die Nacht auf den 11. August 2019, als das Drama seinen Lauf nahm. Der jüngere der beiden Angeklagten (zur Tatzeit 20) sollte eigentlich gar nicht eingelassen werden. Er hatte Hausverbot, doch die Türsteher wurden überredet. „Ich pass schon auf ihn auf.“ So oder so ähnlich soll sich der Ältere damals geäußert haben. Ein paar Stunden später brach im Außenbereich die Hölle los. Handy-Videos von Gästen zeigen eine wüste Prügelei. Mittendrin die beiden Brüder.

Der Jüngere ist bei der Justiz kein Unbekannter. Es gibt Vorstrafen, auch wegen Gewaltdelikten. „Unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen wird er unberechenbar“, sagte ein Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe.

Anders der 27-jährige Bruder. Er hat immer gearbeitet, ist nicht vorbestraft. Vor allem seine Rolle ist im Prozess umstritten. Sein Verteidiger, Jens Tuschhoff, hat für ihn eine Bewährungsstrafe gefordert – allein wegen der Beteiligung an einer Schlägerei. Das Urteil soll am Mittwoch gesprochen werden.

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