Disko-Schlägerei: Augenzeugin der Attacke sollte massiv eingeschüchtert werden

dzLandgericht Essen

Im Prozess um den Angriff auf einen Security-Mann aus Olfen in der Haltener Disko Stadtmühle ist bekannt geworden, dass Zeugen bedroht worden sind - angeblich aus dem Umfeld der Angeklagten.

Haltern/Olfen/Essen

, 04.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die erste Drohung erfolgte schon in der Tatnacht, Wochen später kam die zweite hinterher: Nach dem brutalen Angriff auf einen Security-Mann der Halterner Diskothek Stadtmühle sollte eine Augenzeugin offenbar massiv eingeschüchtert werden.

Die 31-jährige Tagesmutter hatte hautnah miterleben müssen, wie Sicherheits-Mitarbeiter Sascha B. aus Olfen in der Nacht auf den 11. August 2019 sein linkes Auge verlor.

„Ich sollte mir genau überlegen, ob ich eine Aussage mache“

Wochen später war sie mit einer Freundin noch einmal in der Diskothek, als sie plötzlich von einem Bekannten der beiden angeklagten Brüder aus Haltern angesprochen wurde. „Dass du dich überhaupt noch traust, hier zu stehen...“, so soll das Gespräch angefangen haben. Dann wurde es deutlicher: „Mir wurde gesagt, dass ich mir ganz genau überlegen soll, ob ich vor Gericht eine Aussage mache.“

Anwalt Norbert Drees, der Opfer Sascha B. vor Gericht vertritt, hat am Mittwoch ebenfalls von Drohungen berichtet. „Uns ist bekannt geworden, dass aus dem Umfeld der Angeklagten massiv Einfluss auf Zeugen genommen werden soll“, so Drees. „Es wurde gesagt, dass im Prozess genug Zuschauer da sein werden, die genau zuhören würden.“ Je nach Aussage hätte das dann „Konsequenzen in Haltern“.

Man konnte die Splitter im Auge sehen

Tatsächlich waren auch am dritten Verhandlungstag wieder einige Zuschauer im Saal. Zu welcher „Seite“ sie gehören, ist allerdings unklar.

Die Augenzeugin ließ sich davon auf jeden Fall nicht beeindrucken. Die schrecklichen Bilder der Nacht hat sie immer noch genau vor Augen. „Es war fürchterlich“, sagte sie den Richtern am Essener Landgericht. „Der Türsteher hat sehr stark geblutet. Er war total benommen. Man hat die Splitter in seinem Auge gesehen. Es schien ihm nur noch darum zu gehen, das Bewusstsein zu behalten.“

Sie war es auch, die damals den Notarzt gerufen und ein Foto eines der Angeklagten gemacht macht. Darauf war sie nach eigenen Angaben schwer beleidigt und mit dem Tode bedroht worden: „Ich bringe Dich um!“

Aussage des jüngeren Angeklagten wieder verschoben

Der jüngere der beiden angeklagten Brüder hat sich noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der Ältere sieht sich selbst als Angegriffener. Er will nur eingegriffen haben, um seinen Bruder zu schützen.

Sascha B. war am Mittwoch wieder mit Augenklappe vor Gericht erschienen. Der 48-Jährige ist seit der Tat auf dem linken Auge blind. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag.

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