Diözesanbaudirektorin Anette Brachthäuser: Von der Insel ins Paradies

dzFrüher Baudezernentin Halterns

Als Anette Brachthäuser Ende 2018 beruflich Abschied von Haltern nahm, sagte sie: „Es ist nicht einfach, das Vertraute zu verlassen.“ Nun liegt die Sanierung des Paradieses in ihren Händen.

Haltern/Münster

, 10.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anette Brachthäuser leitete seit 2006 das Halterner Bauamt, zwei Jahre später wurde sie Fachbereichsleiterin Bauen und Planen und 2016 Baudezernentin und damit Verwaltungsvorstand. Sie war die erste Frau in der Verwaltungsleitung des Halterner Rathauses. Dann, 2018, kündigte sie ihren Abschied an. Sie hatte sich erfolgreich auf die Stelle der Diözesanbaudirektorin beim Bistum Münster beworben. Oberster Dienstherr ist heute statt des Halterner Bürgermeisters der Münsteraner Bischof Felix Genn.

Eigentlich füllt Anette Brachthäuser drei Ämter aus: Sie ist Diözesanbaudirektorin, Diözesankonservatorin und Dombaumeisterin. Von ihrem Büro am Spiekerhof in der Innenstadt blickt sie auf die älteste Kirche Münsters, die Überwasserkirche. Bis zum Dom sind es gerade mal fünf Minuten Fußweg.

Eine Treppe führt hinauf in die Abteilung Bauwesen. Hier, in ihrem modernen, funktional, aber gemütlich eingerichteten Büro erzählt Anette Brachthäuser von ihren Aufgaben und davon, wie sie sich an ihrem neuen Wirkungsort fühlt.

Im ersten Dienstjahr 30.000 Kilometer zurückgelegt

Spannende Aufgaben, eine tolle Abteilung mit fachlich sehr guten Mitarbeitern, ein kollegiales Miteinander und ein Stellvertreter, der sie beim Kennenlernen der Strukturen im ersten Jahr engagiert begleitet hat - das alles machte der Halternerin den Wechsel in die neue Herausforderung leicht. „Ich fühle mich ausgesprochen wohl und habe noch keinen Tag in meinem neuen Amt bereut“, sagt Anette Brachthäuser zufrieden.

Ihr Aufgabengebiet ist groß, ihr Radius auch. Im ersten Jahr fuhr sie 30.000 Dienstkilometer. Bis nach Norderney, aber auch nach Rheinsberg zu Halterns früherem Pfarrer Martin Ahls. Dessen über 900 Jahre alte Kirche St. Peter habe einen hohen Sanierungsbedarf. Involviert war Anette Brachthäuser ebenso in den Umbau der 2014 profanierten (entweihten) Kirche St. Johannes Dorsten zur Familienbildungsstätte. „Ein sehr gelungenes Projekt“, urteilt sie darüber.

Zuständig für über 60 Schulen und Bildungseinrichtungen

Insgesamt ist der Aufgabenbereich immens. Als Baudirektorin ist Anette Brachthäuser für den Neubau, Umbau und die Sanierung von über 60 Schulen und Bildungseinrichtungen zuständig und verfügt dafür über einen Etat von mehr als 20 Millionen Euro. Hier kommt wieder Haltern als Tätigkeitsfeld ins Spiel, denn das Könzgenhaus plant eine Erweiterung.

Auch die Bauunterhaltung von bistumseigenen Gebäuden wie Priesterseminar, Wohngebäude der Weihbischöfe, Bischofssitz oder aktuell der Neubau eines Studierenden-Wohnheims mit 203 Appartements am Uniklinik-Gelände fällt in ihren Zuständigkeitsbereich. Als Diözesankonservatorin ist sie darüber hinaus Ansprechpartnerin für alle Fragen des Denkmalschutzes. Und nicht zuletzt ist Anette Brachthäuser Dombaumeisterin. „Das ist Kür. Denn es ist sehr selten, dass ein Baudirektor gleichzeitig auch Dombaumeister ist.“

Die Domkammer (Foto, Hintergrund) ist geschlossen, ausgeräumt und als Lagerraum zweckentfremdet. Für das Museum und das Quartier rund um den Dom arbeitet Anette Brachthäuser mit anderen an einer neuen Lösung.

Die Domkammer (Foto, Hintergrund) ist geschlossen, ausgeräumt und als Lagerraum zweckentfremdet. Für das Museum und das Quartier rund um den Dom arbeitet Anette Brachthäuser mit anderen an einer neuen Lösung. © Elisabeth Schrief

Eine besondere Aufgabe stellt sich ihr gerade: Sie muss neue Pläne für die Domkammer entwickeln. Dieses Museum steht seit 2017 leer, weil sowohl Klima- und Lüftungstechnik als auch die Sicherheitstechnik nicht mehr geeignet waren, Kirchenschätze öffentlich zu präsentieren. Aktuell arbeiten das Domkapitel, die Bauverwaltung und das Team der Domkammer an einer Lösung. Anette Brachthäuser lässt in einer Studie das ganze Quartier betrachten.

Als studierte Architektin ist für sie ein Projekt so spannend wie das andere. Gerne führt die 56-Jährige Gäste durch den Dom und erzählt aus der 1200-jährigen Geschichte. Ein Zitat der Schriftstellerin Gertrud von le Fort lässt sie selten weg, wenn sie über die drei westfälischen Dome spricht: „Paderborn – der mächtige, Münster – der prächtige, Minden – der andächtige“. Der Prächtige verfügt über ein Paradies, dessen Restaurierung die Dombaumeisterin gerade verantwortet.

Anette Brachthäuser, zuvor Baudezernentin der Stadt Haltern, ist glücklich an ihrem neuen Arbeitsplatz. Sie kann von hier direkt auf die Überwasserkirche schauen - wenn sie wegen der Sonne nicht die Jalousien herunterlässt...

Anette Brachthäuser, zuvor Baudezernentin der Stadt Haltern, ist glücklich an ihrem neuen Arbeitsplatz. Sie kann von hier direkt auf die Überwasserkirche schauen - wenn sie wegen der Sonne nicht die Jalousien herunterlässt... © Elisabeth Schrief

Im Haupteingang des Doms zu Münster, einem Atrium, stehen überlebensgroße Steinfiguren Spalier. Sie sind eingelassen in die Wände. Ein Fries würdigt die heilige Mutter Maria. Und es erzählt von Paulus, dem bedeutendsten Missionar des Urchristentums und Namenspatron des Domes. Oberhalb der Doppeltür thront Jesus selbst. Das „Paradies“ ist gleichsam der Eingang zum Himmel auf Erden - zur Kirche.

Der Himmel auf Erden - dieser Standortbeschreibung kommt dem Arbeitsplatz von Anette Brachthäuser sehr nahe.

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