Dreiste Diebe machten Beute im Brandhaus an der Münsterstraße

dzNach verheerendem Feuer

Es ist an Dreistigkeit wohl nur sehr schwer zu überbieten: Unbekannte Täter haben Kupfer-Regenrohre des Brandhauses an der Münsterstraße geklaut. Sogar in das Hausinnere drangen sie ein.

Haltern

, 28.05.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was sind das für Menschen, die sich an einem offensichtlichen Unglückshaus zu schaffen machen und sich daran bereichern? Nicht nur Kirsten Kröger fragt sich das derzeit. Ihre Mutter lebte in dem Haus an der Münsterstraße, das nach dem verheerenden Brand am 8. Mai unbewohnbar geworden ist. Unbekannte Täter haben jetzt an den drei Fallrohren des Gebäudes die unteren Teilstücke gestohlen. Kirsten Kröger erinnert sich, dass Kupferdiebe bereits vor wenigen Wochen ihr Unwesen an dem Mehrfamilienhaus getrieben hatten. Dass sie aber jetzt erneut an dem offensichtlich zerstörten Haus aktiv wurden, in dessen Dachgeschoss ein 63 Jahre alter Mann ums Leben gekommen war, ist für sie unfassbar.

Wohnung ist ein einziges Bild der Zerstörung

Aber wenn es nur das wäre. Kirsten Kröger zeigt Bilder von der zerstörten Eigentumswohnung im Erdgeschoss, in der ihre Mutter wohnte. Die Trümmer zerstörter Stuckdecken liegen auf dem Küchenboden. Für die Stahlstützen, die das Haus vor dem Einsturz absichern sollen, mussten sie auf die Schnelle entfernt werden. Das Mobiliar ging dabei ebenfalls zu Bruch und mit ihm auch der Inhalt - Tassen, Teller, Töpfe. Überall liegt alles kreuz und quer herum. Nur der schmale Tisch in der Küche steht noch da. Dort saß Kirsten Krögers Mutter, als am Morgen des 8. Mai plötzlich jemand im Haus „Feuer, Feuer, es brennt!“ schrie. Die 67-Jährige hatte gerade frühstücken wollen.

Polizei stellt fest

Brandursache kann nicht mehr ermittelt werden

Die Ursache des Brandes im Mehrfamilienhaus an der Münsterstraße wird wohl nicht mehr ermittelt werden können. Das hat Polizei-Sprecherin Ramona Hörst am Montag auf Anfrage mitgeteilt. Die Zerstörung in dem Brandhaus sei derart groß, dass keine hinreichenden Spuren mehr entdeckt werden könnten. „Zu viele Spuren wurden durch die extreme Brandeinwirkung zestört“, sagte Hörst. Hundertprozentige Rückschlüsse auf die Ursache des Feuers seien daher leider nicht mehr möglich. Klar ist bislang lediglich der Ort, an dem das Feuer ausgebrochen war - im Dachgeschoss, dort, wo später auch der Leichnam gefunden wurde.

Im Schlafzimmer, im Wohnzimmer und auch im Bad - überall der selbe Anblick: zerstörte Decken und Möbel. Im Flur liegt ein ehemals mannshoher Spiegel zersplittert auf den Fliesen. Kirsten Kröger zeigt auf ein vom Löschwasser aufgeweichtes Kinderbuch auf dem Boden. „Das habe ich als Kind gelesen“, sagt sie. „Das ist das Schlimmste überhaupt. Das man nichts aus dem alten Leben retten konnte.“ Denn die Feuchtigkeit im Haus hat das Übrige geleistet und sämtliches Mobiliar unbrauchbar gemacht. Alles hier ist ein einziges Bild der Zerstörung.

Diebe drangen selbst in die Wohnung ein

Die Diebe hielt das nicht ab. Selbst in die Wohnung im Erdgeschoss drangen sie ein - klauten ein Keyboard und die Tür einer antiken Kommode. Kirsten Kröger lacht. „Man darf das Lachen nicht verlieren, sonst hält man das hier nicht aus“, sagt sie.

Auch die anderen Bewohner des Brandhauses sind entsetzt. Im Garten hatten sie ein paar Gegenstände gelagert. Etwa die Fahrradtasche. Auch sie ist von den Tätern mitgenommen worden. Nachbarn waren dabei offenbar sogar in der vergangenen Woche von den Tätern geweckt worden. Sie hatten in zwei Nächten Lärm im Garten des zerstörten Hauses vernommen und die Polizei alarmiert. Von den Tätern allerdings gab es keine Spur.

Dreiste Diebe machten Beute im Brandhaus an der Münsterstraße

Auch in den Garten des Mehrfamilienhauses, der durch ein großes Tor abgeriegelt ist, drangen die Unbekannten ein. Sowohl an der Ecke rechts sowie rechts neben der Eingangstür fehlen die Endstücke der Fallrohre. © Ingrid Wielens

Die Kreispolizei rät in einem solchen Fall dringend dazu, Anzeige zu erstatten. „Erst dann können wir aktiv werden“, erklärt Sprecherin Ramona Hörst. Gegebenenfalls könne dann auch verstärkt Streife an dem Ort gefahren werden.

Beute höchstens 50 Euro wert

Den Kupferrohr-Diebstahl werden die Bewohner wohl der Polizei melden. Kirsten Kröger jedenfalls will ihrer Mutter dazu raten. Die Versicherung hat sie bereits wegen des Schadens kontaktiert, den Unbekannte anrichteten, als sie zwei etwa zwei Meter lange und ein drei Meter langes Kupferrohr abrissen.

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Schrotthändler Peter Lettmann schätzte auf Anfrage der Halterner Zeitung den Wert dieser Beute: Bei einem Gesamtgewicht von etwa 15 Kilo wird er demnach bei rund 50 Euro gelegen haben.

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