Die RAG nimmt sich beim Bau von Windrädern die Stadtwerke zum Partner

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Wind statt Kohle: Diese Strategie fährt die RAG Montan Immobilien bereits seit 2014. In Lippramsdorf macht sie jetzt gemeinsame Sache mit den Halterner Stadtwerken.

Haltern

, 11.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Nicht erst seit dem Ende des Bergbaus gewinnt die Ruhrkohle AG Energie durch Windkraft statt durch Kohleabbau. 35 Windräder hat die RAG Montan Immobilien, die für die Flächenentwicklung ehemaliger Zechengrundstücke zuständig ist, in Nordrhein-Westfalen und im Saarland schon gebaut. Zwei weitere sind beantragt: Auf dem Grundstück des früheren Wetterschachtes Auguste Victoria 9 sollen zwei 240 Meter hohe Windräder vom Typ Nordex gebaut werden. Sie werden als aktuell höchste Windräder des Kreises Recklinghausen die Bäume in der Hohen Mark weit überragen. Als Partner hat sich die RAG die Halterner Stadtwerke ins Boot geholt. Die Stadtwerke Haltern setzen seit 2015 auf den Wind als Energieträger: Sie beteiligten sich an der Windenergie Haltern am See GmbH & Co. KG, die Anlagen in Lavesum gebaut hat.

Heimatnaher Strom

Die Wahl der Investoren fiel auf den Hamburger Hersteller Nordex. Er bietet mit dem Typ N149 seine ertragsstärkste Turbine für Standorte mit schwachen bis mittleren Windgeschwindigkeiten an. Die Turbine hat eine um 30 Prozent vergrößerte Rotorfläche sowie eine Nennleistung von 9 Megawatt (ein Megawatt sind 1000 Kilowatt). Zwei baugleiche Anlagen entstehen in der Nähe des Annaberges. Größere Rotorblätter - ein Rotorblatt aus Karbon und Glasfaser misst 73 Meter - erhöhen die Ausbeutung des Windes; die Naben im Zentrum der Rotoren drehen sich 164 Meter über Grund. Jeder Meter bringt 0,5 Prozent bis ein Prozent mehr Strom.

Die RAG nimmt sich beim Bau von Windrädern die Stadtwerke zum Partner

Der ehemalige Wetterschacht AV 9 sollte nach Ende des Bergbaus Standort einer neuen Forensik werden. Jetzt wird das Gelände zum Windpark. © Foto: Holger Steffe

Ein gutes Geschäft, in das die RAG Montan Immobilien die Stadtwerke Haltern mit einbindet. „Nach der Schließung von AV haben wir elektrische Infrastruktur der Zeche übernommen“, erklärt Stadtwerke-Sprecher Thomas Liedtke, wie die Kontakte zur RAG entstanden sind. Für die beiden Windräder, die die RAG im Umfeld des Schachtes AV 9 plant, wurde dem Halterner Versorgungsunternehmen eine kleinere Beteiligung angeboten. „Wir verfügen über die Eigenmittel, um einen kleinen Anteil an der gemeinsamen Projektgesellschaft zu erwerben“, sagt Liedtke auf die Frage, woher das Kapital kommt. Stadtwerke-Kunden würden profitieren, indem sie mit heimatnahem und nachhaltig erzeugtem Strom versorgt würden.

Keine Bürgerbeteiligung

„Wir planen keine Bürgerbeteiligung, da durch die Kooperation mit den Stadtwerken die Region abgedeckt ist“, sagt Frank Schwarz, stellvertretender Sprecher der RAG Montan Immobilien, auf Nachfrage. Der Antrag beim Kreis ist eingereicht, ein positiver Vorbescheid ist nach Auskunft von Kreissprecher Jochem Manz bereits zugestellt. Im Falle einer Genehmigung ist Frank Schwarz zuversichtlich: „Wir rechnen damit, dass wir Anfang 2020 mit dem Bau beginnen können.“ Weitere Anlagen werde die RAG in Haltern nicht bauen.

RAG Montan Immobilien mit Sitz auf Zeche Zollverein in Essen ist seit mehr als vier Jahrzehnten für Flächenentwicklung und Hochbau auf zuvor bergbaulich genutzten Grundstücken zuständig. Seit 2014 investiert das Unternehmen auch in erneuerbare Energien. „Die ersten Windkraftanlagen haben wir 2014 in Marl auf der Halde Brinkfortsheide fertiggestellt“, erklärt Frank Schwarz. Seidem hat das Unternehmen überwiegend auf Halden und überwiegend mit kommunalen Stadt- und Gemeindewerken Windräder oder Windparks in Marl, Dinslaken, Lünen und in Moers sowie zwei Parks im Saarland errichtet. Hierzu nutze RAG Montan Immobilien gezielt die ehemalige bergbauliche Infrastruktur.

Windräder statt Klinik

In der Hohen Mark zwischen Eppendorf und Tannenberg sind zwei Windräder bereits in Betrieb, eine Anlage ist gerade genehmigt worden, für zwei gibt es Vorbescheide und ein weiteres Windrad ist im Genehmigungsverfahren. Ursprünglich sollte in diesem Bereich eine Maßregelvollzugsklinik für psychisch kranke und suchtkranke Straftäter gebaut werden. Das vereitelte eine Bürgerinitiative.

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