Die Akkordarbeit für Maskennäher ist vorbei: Jetzt kommen Sonderwünsche

dzSchutzmasken in Haltern

Wochenlang haben die Halterner Schneidereien nichts anderes genäht als Mundschutz-Masken. Nun können sie sich wieder anderen Aufgaben widmen. Nachfrage nach Masken besteht jedoch noch immer.

Haltern

, 20.06.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Petra Pieper vom „Nähschätzchen“ hat im Laufe der Corona-Krise rund 3500 Masken genäht. „Die ganze Familie hat angepackt, damit wir den Ansturm bewältigen konnten“, erzählt sie. Denn nicht nur Einzelpersonen kauften bei ihr ein, sondern auch Pflegeeinrichtungen. So orderte ein Altenheim spontan 300 Masken. Inzwischen hat sich die Situation beruhigt und das normale Alltagsgeschäft wieder begonnen. Doch Masken näht sie weiterhin nebenbei.

„Der Trend geht bei Frauen zur Zweit- und Drittmaske. Da soll die Maske perfekt zur Kleidung passen“, so Pieper. Manche Kundinnen wünschen sich dann beispielsweise eine Maske mit Spitze. Für Hochzeiten gibt es dann sogar Masken im Kleidstoff oder für den Mann farblich passend zum Einstecktuch.

Erst Bänder-, dann Stoffengpässe

Bei den Männern sind dunkle Farben von Anfang an der Renner - nun seien Camouflage-Muster der neue Trend. Einfarbige Stoffe seien inzwischen schwer zu bekommen. Zuvor rissen sich die Näher ums Gummiband, davor war es das Schrägband - welches beim Waschen ordentlich Probleme verursachen kann, berichtet Pieper.

„Ein Seniorenheim wollte eine Großbestellung von Masken mit Schrägband ordern. Aber stellen Sie sich mal vor, was passiert, wenn all diese Bänder durcheinander durch die Waschmaschine fliegen. Die Masken danach alle auseinander zu tüddeln macht garantiert keinen Spaß.“ Und deshalb stieg die Näherin schnell auf Gummibänder um.

Tausende Meter Gummiband und die Evolution der Maske

„Mein Lieferant erzählte mir, dass er mehrere hunderttausend Meter Gummiband in der Woche verkauft hat. Ich alleine habe, als es mit der Maskenpflicht losging, schon 800 bis 1000 Meter in der Woche verbraucht. Das ist unter Normalbedingungen geschätzt ein Zehn-Jahres-Bedarf“, berichtet die Näherin. Nun verkauft sie täglich noch 10 - 15 Mund-Nasen-Bedeckungen.

Die Masken vollzogen bei Pieper eine regelrechte Evolution: Zunächst versuchte sie, FFP-Masken aus dicken Moltonstoffen „nachzubauen“. Da das Atmen dadurch jedoch sehr schwer fiel, stieg sie auf Baumwolle um. Die nächste Entwicklungsstufe ist nun der Loop-Schal: Die Hersteller bieten inzwischen extra atmungsaktive Stoffe für den Sommer an, die sich leger als Schal tragen und als Maske nutzen lassen.

Masken mit Einhörnern, Glitzer und Dinos

Kindermasken machen Pieper besonders Spaß, denn damit sich die Kleinen darin auch wohlfühlen, gibt es eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten. Die Jungs wünschen sich Dinosaurier, die Mädchen Einhörner und Ponies - wenn die Stoffe das nicht hergeben, werden die eben drauf gedruckt oder gestickt. Bei den Mädels darf es gerne auch mal glitzern. Und nun ist die Einschulung für viele Sechsjährige in greifbarer Nähe: Pieper baut nicht nur Schultüten, sondern näht jetzt auch aus demselben Stoff passende Masken für den großen Tag.

Doch nicht nur Kinder wollen ihre Lieblingsmotive auf der Maske tragen: Erwachsene wünschen sich beispielsweise Wohnmobile und Masken in den Farben des Lieblingsfußballvereines. Firmen ließen sich mit Masken mit aufgedrucktem Firmenlogo ausstatten. Petra Pieper kann inzwischen aufatmen - die Phase der Massenproduktion hat sie hinter sich gebracht.

Geweitete Kleidung für den Corona-Speck

Ähnlich entspannt geht es nun auch in der Schneiderei Ayo zu. Drei bis vier Masken werden dort noch am Tag genäht, erzählt eine Mitarbeiterin. Festliche Kleider werden im Moment nicht gebraucht und daher nicht umgenäht. Langweilig wird es laut der Mitarbeiterin in der Änderungsschneiderei aber trotzdem nicht: „Corona hat den Meisten von uns Pfunde gebracht. Durch das Daheimbleiben sind wir etwas fülliger geworden. Jetzt müssen die alten Sommerklamotten geweitet werden.“

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