Der Halterner Westuferpark braucht einen Zaun zu den Bahngleisen

dzKlare Kante

Tausende Jugendliche werden am 1. Mai um den Halterner Stausee ziehen und im Westuferpark eine große Party feiern. Unser Redakteur hat eine klare Meinung zur Sicherheitslage in dem Park.

Haltern

, 27.04.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei dem folgenden Text handelt es sich um einen Kommentar unseres Redakteurs Kevin Kindel:

Wer nicht aus Haltern am See stammt und zum ersten Mal den Westuferpark betritt, fragt sich spätestens nach ein paar Minuten: „Ist da gar kein Zaun zwischen Park und Bahngleisen?“

So eine Situation hab ich in meinem Leben noch nirgendwo gesehen. Ein wirklich schöner Park, durch den Schnellzüge donnern. Ein ganz spezielles Verständnis von Naherholung direkt am See. Intercitys auf dem Weg von Münster ins Ruhrgebiet, die rund 40 Meter neben einem Fußball- und Basketballfeld mit spielenden Kindern herrasen.

Durchfahrende Züge erzeugen einen enormen Windsog

Und die Gleise sind überhaupt nicht vom Rest des Parks abgetrennt. Keine Bäume stehen dazwischen, der Bahndamm liegt gerade einmal einen Meter erhöht über der Wiese. An Bahnhöfen sind überall Schilder zu sehen, dass man sich nicht nah an den Bahnsteigrand stellen soll, weil durchfahrende Züge einen enormen Windsog erzeugen. Im Westuferpark gibt‘s nicht einmal Hinweisschilder.

Klar, ein Tunnelbau wäre äußerst teuer, aber die Gleise könnten durch einen Graben oder über einen deutlich erhöhten Bahndamm geführt werden. Und wenn das nicht machbar ist, gehört da zumindest ein Zaun hin. Diese Situation ist einfach nur kurios - und es hat vor einigen Jahren auch schon Todesfälle gegeben.

Der Halterner Westuferpark braucht einen Zaun zu den Bahngleisen

© Kevin Kindel

Natürlich kann die Deutsche Bahn nicht sämtliche Gleisanlagen in allen Siedlungen bundesweit einzäunen. Doch der Westuferpark ist eine echte Extremsituation. Es geht um etwas mehr als 500 Meter, auf denen man kein Kind aus den Augen verlieren darf, damit es nicht in Gefahr gerät.

„Was schreibt der da, es passiert doch nix“, meinen Sie? Die Stadtverwaltung setzt zum 1. Mai aber extra einen Sicherheitsdienst ein, unter anderem auch um zu kontrollieren, dass die meist jugendlichen Partygäste nicht zu nah an die Gleise gehen. Zum Beispiel wenn sie sich hinter den wenigen Büschen erleichtern.

Wenn’s jemand anders bezahlt, dann gerne?

Von der Deutschen Bahn heißt es auf Anfrage: „Uns ist es ein wichtiges Anliegen, auf das richtige Verhalten an Bahngleisen hinzuweisen.“ Es liege an den Menschen beziehungsweise den Aufsichtspersonen, auf sich aufzupassen. Man verweist auf Gerichtsurteile, die besagen, dass die Bahn nicht die Pflicht zur Einzäunung habe.

„In Haltern sehen wir wegen der leichten Dammlage keinen Handlungsbedarf“, sagt der Sprecher im Gespräch. Leichte Dammlage? Entschuldigung, da ist mancher Bürgersteig höher! Zugegeben, das war übertrieben. Der Deutschen Bahn zufolge nehme man es bewusst wahr, wenn man die Gleise im Westuferpark betritt. Gleichwohl: „Wir unterstützen die Stadtverwaltung aber gerne, wenn sie da tätig werden möchte.“ Achso, wenn‘s jemand anders bezahlt, dann gerne?

Der Halterner Westuferpark braucht einen Zaun zu den Bahngleisen

Eine Fuß- und Radweg führt unter den Gleisen her.

Wie es um die Finanzsituation der Stadt Haltern bestellt ist, wissen fast alle Halterner. Die Verwaltung ist zum strikten Sparkurs gezwungen. Bei der Sicherheit der Bürger soll natürlich nicht gespart werden, aber ich nehme hier auch vielmehr die Deutsche Bahn in die Pflicht, die für ihre Fahrgäste immer teurer und übrigens auch immer unpünktlicher wird.

Im Gespräch mit dem Unternehmenssprecher wird deutlich, dass er die Problematik durchaus verstehen kann. „Es gibt ja auch Güterzüge, deren Ladung über die Breite des Wagens hinausgeht“, sagt er. Ein Argument für meine Forderung nach einem Zaun, denke ich. Bei einem Zaun müsse man darauf achten, dass auch Türen eingebaut werden, dass Rettungskräfte bei Bedarf an verunfallte Züge rankommen könnten, sagt er. Oder dass gestrandete Passagiere aus einem Zug hinaus in den Park laufen könnten.

Haltet euch bitte von den Gleisen fern

Ganz ehrlich, als ob so ein Vorhaben an einer fehlenden Tür scheitern würde. Die kann man doch wohl alle 100 Meter einbauen. Damit keine Missverständnisse auftreten: Liebe Halterner, haltet euch zu eurer eigenen Sicherheit bitte von den Gleisen fern. Auch wenn man gerade keinen Zug sieht - die sind wesentlich schneller als man denkt. Aber liebe Deutsche Bahn, bitte denkt doch noch mal drüber nach.

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