Das Rockbüro Haltern wird 30: „Wir sind nicht müde geworden“

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Es ist nicht mehr wegzudenken aus der Halterner Musikszene: das Rockbüro Haltern. Am Samstag hat der Verein sein 30-jähriges Jubiläum gefeiert - natürlich mit viel Rockmusik.

von Pia Stenner

Haltern

, 29.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aus dem Trigon dringen Gitarren- und Schlagzeugklänge, vor dem Eingang stehen Grüppchen in schwarzen Lederjacken: Nichts Ungewöhnliches, denn im Trigon ist das Rockbüro Haltern zuhause. Ungewöhnlich ist aber doch: Gleich zehn Rockbüro-Bands treten nacheinander auf. Sie feiern ihre eigene Geburtstagsparty, denn das Rockbüro wird 30 Jahre alt.

Seit der Gründung 1989 hilft der Verein jungen Musikern in die Probenräume und dann auf die Bühnen. Zunächst auf die kleinen Bühnen wie im Trigon, auf die Wendehammer-Bühne beim Heimatfest, aber teilweise auch auf die Bühnen anderer Städte, zum Beispiel bei den Hansetagen oder bei Bandcontests. Und einige Bands haben es zum Beispiel bis nach Russland geschafft.

Etwa 20 Bands zählt das Rockbüro im Schnitt zu seinen Mitgliedern - zehn davon sind auch bei der Geburtstagsparty dabei. Darunter ist Gitarrist und Sänger Jörg, auf der Bühne nennt er sich „Hi Noel!“, der mit Songs von Oasis auftritt. „Als ich vor 15 Jahren nach Haltern gezogen bin, habe ich direkt gemerkt, dass es eine sehr aktive Musikszene gibt und Rock und Metal sehr etabliert sind.“

Das Rockbüro als Starthilfe für junge Bands

Raus aus dem Probenraum, rauf auf die Bühne, dabei auch noch selbst singen - dazu habe er sich lange nicht aufraffen können. Durch das Rockbüro vor etwa einem Jahr dann aber doch. „Und jetzt macht es einfach voll Spaß.“

Kulturzentren, die jungen Musikern und Bands beim Start helfen, gebe es auch in anderen Städten. Aber nicht so, wie es das Rockbüro in Haltern tue. „Es ist eine enorme Hilfe, dass es hier jemanden gibt, der das in die Hand nimmt, und auch ein paar Konzerte im Jahr organisiert“, sagt er.

Das Rockbüro Haltern wird 30: „Wir sind nicht müde geworden“

Der Gitarrist und Sänger "Hi Noel!" machte auf der Nebenbühne mit Songs von Oasis den Anfang. © Pia Stenner

Derjenige, der vieles in die Hand nimmt, ist der Vorsitzende des Rockbüros Reinhard Terwort. Er ist von Beginn an mit dabei, doch er selbst steht nicht auf der Bühne, denn „einer muss sich auch um das ganze Drumherum kümmern“.

Terwort hat es geschafft, schon namhafte Musiker der Rockszene nach Haltern zu holen: Ex-Scorpions Gitarrist Uli John Rot oder Doro Resch - „die weltweit bekannteste Metal-Röhre“. Sie ist nun auch auf einer der Rockbüro-CDs zu hören, die an diesem Abend zum Verkauf ausliegen.

Kultureller Austausch mit russischen Freunden

Die Wände im Flur sind mit Plakaten aus 30 Jahren Rockbüro-Geschichte geschmückt. Rückblickend auf diese Zeit ist Terwort besonders stolz auf den vom Rockbüro initiierten Jugendkultur-Förderpreis, der jedes Jahr eine Band auszeichnet.

Wichtig ist ihm auch auf den engen kulturellen Austausch mit der befreundeten Band APM aus dem russischen Novgorod, die zur Geburtstagsfeier zwischendurch live zugeschaltet wird. In der Vergangenheit traten Halterner Bands schon in Novgorod auf, zum Beispiel „Plain Cooking“, die auch nun im Trigon wieder auf der Bühne stehen.

Der Gitarrist der Band Jonas Böhm ist über seinen Vater zum Rockbüro und damit überhaupt zur Musik gekommen. „Mit sechs Jahren war ich schon mit auf den Konzerten.“ Vor neun Jahren dann wurde „Plain Cooking“ gegründet und das Rockbüro gab Starthilfe: Auftritte beim Heimatfest, günstige Probenräume im Keller des Trigon, mit einem Bus zu Bandcontests zu fahren. „Generell ist Musik immer teuer. Und da ist das Rockbüro eine große Hilfe.“

Durch alle Altersgruppen und Musikstile hinweg: „keine Vorbehalte“

Auch neben der Bühne fördert das Rockbüro junge Menschen. „Gerade im Technik-Bereich haben wir viele Jungen und Mädchen, die teilweise sogar berufliche Orientierung dabei gefunden haben“, sagt Reinhard Terwort.

Unter den Mitgliedern finden sich jedoch nicht nur Jugendliche: Von 16 bis 66 sei alles dabei, quer durch die Musikrichtungen. „Und das Ganze ohne Vorbehalte, jeder kommt mit jedem klar“, betont Terwort. Und das möchte er auch für die Zukunft lebendig halten. „Wir machen weiter, wie wir es bislang auch gemacht haben - wir sind nicht müde geworden.“

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