Coronavirus verunsichert Bürger in Haltern - Ärzte äußern sich zur Lage

dzCoronavirus

Der Coronavirus beschäftigt auch die Halterner Bevölkerung. Während die Bürger mehr oder weniger vielversprechende Vorsorge-Einkäufe tätigen, beruhigen Ärzte und Apotheker.

Haltern

, 26.02.2020, 17:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Coronavirus ist in Nordrhein-Westfalen angekommen. Die Bevölkerung ist stark verunsichert und versucht sich mit diversen Einkäufen auf das Schlimmste vorzubereiten. Ärzte und Apotheker indes raten zur Besonnenheit und geben praktische Tipps.

Das Ärztenetz Haltern legt großen Wert darauf, die Bevölkerung zu beruhigen. „Derzeit gibt es noch keinen Grund, hier in Haltern und Umgebung wegen Erkältungssymptomen eine Coronavirus-Infektion bei sich zu vermuten“, erklärte ein Sprecher am Mittwoch. Daher habe es auch keinen Sinn, generelle Schutzmaßnahmen wie das Tragen eines Mundschutzes zu empfehlen. „Derzeit stecken sich die Menschen hier mit Influenza oder anderen Erkältungsinfekten an“, stellte der Vertreter des Ärztenetzes klar.

Wann liegt ein Verdachtsfall vor?

Das Robert Koch-Institut (RKI) halte eine tagesaktuelle Landkarte mit Risikogebieten auf seiner Internetseite vor. „Nur wenn sich ein Mensch aus Haltern in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet oder in dessen unmittelbarer Umgebung aufgehalten hat und zudem Erkrankungssymptome wie Husten, Fieber, Gliederschmerzen entwickelt, dann liegt überhaupt ein Verdachtsfall vor“, so das Ärztenetz. In solchen Fällen sei Patienten zu raten, telefonisch mit ihrer Arztpraxis oder dem Gesundheitsamt Kontakt aufzunehmen und den dann erfolgenden Anweisungen zu folgen.

Jetzt lesen

Die Arztpraxen seien zum Umgang mit Verdachtsfällen ausführlich vom Gesundheitsamt informiert worden. „Sie haben entsprechende Verfahrenspläne“, hieß es. Diese bezögen sich unter anderem auf den Umgang mit Verdachtsfällen hinsichtlich erforderlicher Schutzmaßnahmen sowie Kriterien für eine Krankenhausbehandlung oder Isolationsmaßnahmen im Verdachtsfall. Nicht zuletzt müsse auch ein entsprechender Labortest durchgeführt werden.

Weitergehende „Notfallpläne“ liegen nach Auskunft des Ärztenetz-Vertreters noch nicht vor, da es dazu bislang keine Notwendigkeit gegeben habe.

Die Regale bei Rossmann, in denen sonst Desinfektionsmittel zu finden sind, sind derzeit so gut wie leer.

Die Regale bei Rossmann, in denen sonst Desinfektionsmittel zu finden sind, sind derzeit so gut wie leer. © Silvia Wiethoff

Starke Nachfrage nach Atemschutzmasken

Auch Apotheker Dr. Hannes Müller rät dazu, Ruhe zu bewahren. Seit Wochen schon habe es eine verstärkte Nachfrage nach Atemschutzmasken gegeben. Inzwischen sei im Großhandel kein Nachschub mehr zu bekommen. Der Leiter der Römer-Apotheke verspricht sich von den einfachen Mundnasenmasken ohnehin nur eine geringe Wirkung. „Sie sind nicht sehr effektiv“, sagt Müller. Denn die Schutzmasken säßen nicht dicht auf dem Gesicht. Einzig der Effekt, dass man sich beim Tragen der Maske nicht mehr ins Gesicht fasse, sei positiv zu bewerten.

Jetzt lesen

Müller rät vielmehr zur Einhaltung einfacher Hygienemaßnahmen. Hände mindestens 20 Sekunden intensiv und auch gründlich zwischen den Fingern waschen, in die Armbeuge husten oder niesen und Hände schütteln so weit wie möglich vermeiden.

Kunden verlangen laut Müller auch verstärkt Desinfektionsmittel. Das bestätigt auch eine Mitarbeiterin der Rossmann-Filiale. Im Drogeriemarkt seien die Regale mit Desinfektionsmitteln leergefegt, sagte sie. Die Nachfrage nach Artikeln zur Vernichtung von Krankheitserregern sei sprunghaft gestiegen. Zu den Kunden, die sich mit Handgel & Co. eindeckten, gehörte am Mittwoch auch Marianne Baumeister. Sie will vorbereitet sein, wenn der Virus Haltern erreicht. Andere Halterner haben sich bereits die Mundschutzmasken gesichert. Etwa 50 Exemplare hat beispielsweise eine junge Mutter in Sythen gehortet. Sie wolle ihre Familie im Ernstfall schützen, erklärte sie.

Stadt mit Kreisverwaltung in Kontakt

Die Stadt Haltern steht in engem Kontakt mit der Kreisverwaltung Recklinghausen. Diese ist als Behörde zuständig für sämtliche Maßnahmen im Umgang mit möglichen Coronavirus-Patienten und zum Schutz der Bevölkerung. „Wir sind darauf vorbereitet, dann schnell reagieren zu können“, sagte ein Stadt-Sprecher.

Lesen Sie jetzt