Anträge auf die Corona-Soforthilfe für Selbstständige und Unternehmen bedürfen der Unterstützung durch einen Steuerberater. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Fragen und Antworten

Coronahilfen für Unternehmen: 15 Stunden und mehr für einen Antrag

Kein Unternehmer werde in der Krise allein gelassen, versprach die Bundesregierung. Und so schüttet sie Überbrückungshilfen aus. Ein Halterner Steuerberater erklärt, wie komplex das ist.

Die Bundesregierung beschloss umfassende Hilfsprogramme, um die Folgen der Corona-Pandemie für Firmen einzudämmen. Doch mit den November- und Dezemberhilfen sowie den Überbrückungshilfen II und III hat der Bund ein komplexes System geschaffen, das schwer verständlich ist. Halterner Gewerbetreibende bestätigen, dass sie ohne Hilfe eines Steuerberaters nicht zurechtkommen. So nehmen die Hilfsprogramme mittlerweile einen erheblichen Teil der Arbeit der Steuerberater ein. Darüber sprachen wir mit Phil Feldmann aus Haltern, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und geschäftsführender Gesellschafter von Team Confides.

Corona-Hilfen können nur von „prüfenden Dritten“ beantragt werden. Diese Vorgabe soll Missbrauch verhindern. Bringt das Steuerberater auch in Haltern an die Grenze der Belastbarkeit?

Es gibt mittlerweile viele verschiedene Coronahilfen, die teilweise durch den Steuerberater beantragt werden müssen: Überbrückungshilfe I-III, Novemberhilfe, Dezemberhilfe. Das bedeutet temporär einiges an Mehrarbeit. Dabei sind ja neben der Antragstellung auch Arbeiten, ob ein Mandant überhaupt antragsfähig ist, zu erledigen. Der Austausch mit den Kollegen zeigt, dass viele, gerade kleinere Kanzleien hier an ihre Grenzen gehen.

Allerdings beobachte ich eine hohe Kollegialität unter den Beratern durch Austausch über die relevanten Themen und gegebenenfalls Unterstützung. Das Team Confides hat schon vor Jahren die Digitalisierung vorangetrieben, davon profitieren wir nun enorm.

Phil Feldmann, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Selbstständige aus Haltern klagen, die Anträge seien extrem komplex und vielschichtig. Können Sie das bestätigen?

Das ist richtig und führt sicherlich nicht zu einer schnellen Auszahlung von Geldern an die Unternehmen, die das Geld dringend benötigen. Teilweise ändern sich die Antragsvoraussetzungen beziehungsweise die FAQ’s zu den verschiedenen Hilfsprogrammen täglich oder wöchentlich. Was vor Wochen noch galt, gilt jetzt nicht mehr oder wird anders ausgelegt.

Ist das eine Folge daraus, weil im ersten Lockdown – nicht in Haltern – Missbrauch betrieben wurde?

Ein Verständnis für Bund und Länder habe ich allerdings, da die Hilfen ja auch von uns allen zurückgezahlt werden müssen über geringere Renten, höhere Steuerlasten oder Sozialabgaben. Ein zu einfacher Zugang wie bei der Soforthilfe im ersten Lockdown führte zu einem hohem Missbrauch. Der Mix macht es. Da sind sicherlich einige Fehler gemacht worden und nicht schnell genug nachjustiert worden. Dass wir als Steuerberater damit Geld verdienen, ist richtig. Das ist allerdings ein kurzfristiger, einmaliger Effekt, der vor allem Zeit kostet für das Einarbeiten und Up-to-Date-Halten in den Themen. Darauf hätten wir sicherlich alle gerne verzichtet.

Wie zeitaufwendig ist das Stellen eines Antrages?

Das hängt stark von der Größe und Branche des Unternehmens und dem Zeitpunkt der Antragsstellung ab, da gegebenenfalls Prognosen erstellt werden müssen. Des Weiteren ist zunächst zu klären, ob ein Unternehmensverbund vorliegt. Einige Branchen haben noch spezifische Sonderhilfen der zuständigen Ministerien oder beihilferechtlichen Themen, da fallen schon mal mehr Stunden an zur Bearbeitung. Der standardisierte Antrag für beispielweise die Überbrückungshilfen hat zwischen 10 bis 15 Stunden gebraucht in unserem Haus. Dazu kommen die Stunden des Mandanten. Weiterhin ist auch später eine Schlussrechnung (Nachweis) durchzuführen.

Ist es richtig, dass Unternehmen nur noch Verluste, nicht aber Umsatzeinbußen erstattet bekommen?

Es gibt verschiedene Programme. Die Überbrückungshilfen fördern dabei nur die angefallenen, ungedeckten Fixkosten (max. 90% des Verlustes). Die November- und Dezemberhilfe fördern bisher die Umsatzausfälle, die bis zu 75 % des durchschnittlichen Vorjahresumsatzes betragen. Pauschal ist die Aussage daher nicht richtig. Grundsätzlich ist auch festzuhalten, dass es keinen Rechtsanspruch auf diese Fördermittel gibt.

Ihre Mandaten sind oft dringend auf die Hilfen angewiesen, um überleben zu können. Wie lange dauert es von der Antragstellung bis zur Auszahlung?

Durchschnittlich sind die Zahlungen drei bis vier Wochen später geleistet worden. Meistens lief das bislang problemlos ab. Es gibt aber natürlich immer Ausnahmen.

Ohne Steuerberater läuft bei diesen Hilfsprogrammen nichts. Brummt die Steuerberatungs-Branche?

Der Branche geht es verhältnismäßig gut, wir sind froh, dass wir geregelt arbeiten dürfen und wissen das zu schätzen. Wir hoffen, wir können vielen Unternehmen helfen in dieser schwierigen Phase. Für uns sind das allerdings Einmaleffekte für die Antragstellungen. Spannend wird für uns, wie es nach den Hilfen weitergeht. Wenn eine Insolvenzwelle kommen sollte, werden auch wir Umsatzeinbußen im Kerngeschäft haben.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief

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