Corona schränkt Hospizarbeit ein: „Das ist eine traurige Zeit“

Trauerbegleitung per Telefon

Hildegard Pelz aus Haltern ist Trauerbegleiterin und arbeitet seit 2010 ehrenamtlich im Hospiz zum Hl. Franziskus in Recklinghausen. Zurzeit kann sie nur per Telefon zuhören und trösten.

Haltern

, 19.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hildegard Pelz hat sich der ehrenamtlichen Hospizarbeit und Trauerbegleitung verschrieben. Sie hat dazu auch ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Wimpernschlag der Begegnung“.

Hildegard Pelz hat ein Buch über ihre ehrenamtliche Hospizarbeit geschrieben. Sie titelte es „Wimpernschlag der Begegnung“. © privat

Trauerbegleitung ist auch in Corona-Zeiten möglich. Aber anders. Die Halternerin Hildegard Pelz kann nicht wie sonst im Hospiz zum Hl. Franziskus in Recklinghausen-Süd oder bei Angehörigen zu Hause sein, um zu helfen, zu trösten, zuzuhören, Geschichten zu erzählen und einfach nur für Sterbende und deren Angehörige da zu sein. Die Bewohner dürfen nicht aus den Zimmern, umgekehrt dürfen die Ehrenamtlichen nicht ins Haus, sie dürfen auch bei den Angehörigen in deren Wohnungen keine Besuche abstatten. „Das ist gerade eine sehr traurige Zeit“, sagt sie.

Wegen Corona ist persönliche Begleitung untersagt

Vor zehn Jahren kam die heute 64-Jährige als Ehrenamtliche ins Recklinghäuser Hospiz (https://franziskus-hospiz.de) und übernahm Sterbebegleitungen. Dann ließ sie eine Ausbildung als zertifizierte Trauerbegleiterin folgen. Eine Trauerbegleitung ist dem Hospiz, das über 11 Bewohner- und ein Gästezimmer verfügt, angegliedert.

Wie Trauerbegleitung in Zeiten der Corona-Pandemie trotz aller Beschränkungen gelingen und wie wertvoll sie sein kann, schildert Hildegard Pelz an einem Beispiel.

Herr H. trauert um seine Frau und hat um Trauerbegleitung gebeten. Nach einigen intensiven Gesprächen kam dann die Kontaktsperre. „Eine persönliche Begleitung im Hospiz oder ambulant ist uns Ehrenamtlern jetzt untersagt“, schildert Hildegard Pelz das Dilemma. In diesem Fall besonders: Herr H. ist sehr einsam.

Es ist jemand da, der sich interessiert

Eine Familie gibt es nicht, Bekannte sind rar und da er zur Hochrisikogruppe gehört, verlässt er das Haus nur noch für einen Einkauf oder den Friedhofsbesuch.

Dennoch geschieht Begleitung. Hildegard Pelz erklärt, wie das möglich ist: „Wir telefonieren zweimal in der Woche. Das sind keine tiefschürfenden Gespräche, es gibt ja nicht viel Neues. Die Gespräche dauern nur einige Minuten, geben aber Herrn H. das Gefühl, dass da doch jemand ist, der sich für seine Situation interessiert.“ Da sein, zuhören, die Tränen und den Schmerz mit aushalten - schon das sei Begleitung, sagt Hildegard Pelz.

Die Halterner Trauerbegleiterin macht sich keine Illusion, dass das noch eine Weile so weiter geht, dass die Krise eben noch lange nicht ausgestanden ist. Immer wieder wartet ein Mensch im Hospiz darauf, begleitet zu werden, um in Würde seinen letzten Weg gehen zu können. Und immer wieder Hinterbliebene, die Zuspruch benötigen.

Nie so viele Emotionen mit nach Hause genommen

„Ich bedauere es sehr, dass wir uns nur per Telefon verständigen können. Ich sehe die Mimik und Gestik nicht und kann den mir Anvertrauten nicht ganzheitlich betrachten“, schildert sie die großen Schwierigkeiten. Technisch sind die meist älteren Menschen nicht so ausgestattet, als dass ein Video-Chat beispielsweise möglich wäre.

„Ja, gerade bricht vieles zusammen“, bedauert die Halternerin. Natürlich müssten die Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden, das sei allerdings belastend für alle. „Uns sind die Hände gebunden. Noch nie habe ich so viele Emotionen mit nach Hause genommen wie gerade jetzt“, sagt sie unisono mit anderen Ehrenamtlichen. Und dennoch sei es wichtig, Menschen in der Trauer zu signalisieren: „Ich bin für dich da!“

Hildegard Pelz, die 30 Jahre lang als Gymnasiallehrerin unterrichtete, arbeitet gern im und für das Hospiz. Sie weiß: Menschen brauchen sie, das gebe ihrem Leben Sinn. Die Halternerin gestaltet auch den Facebook-Auftritt der Einrichtung. „Ich bin einfach mit Herz und Seele bei meinem Ehrenamt.“

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