Brummton: Umweltmediziner des Halterner Krankenhauses spricht von einem Phänomen

dzTieffrequenter Schall

Der Brummton in Wohnungen, der Halterner zur Verzweiflung bringt, ist kein Problem aus dem Reich der Phantasie. Das zeigen viele Reaktionen. Wir haben einen Umweltmediziner dazu befragt.

Haltern

, 09.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Anwohnerin der Josef-Paris-Straße meldete sich Anfang Januar als Erste mit ihrem Problem: Sie leidet unter unerklärlichem Brummen und das so sehr, dass sie zeitweise nachts nicht zu Hause schlafen kann. Sie suchte Hilfe in der Öffentlichkeit. Nach der Veröffentlichung in der Halterner Zeitung meldeten sich viele Leidensgenossen.

Die Halternerin und mit ihr Menschen mit einem sehr sensiblen Gehör nehmen tieffrequenten Schall wahr. Zur Erklärung: Bereits unterhalb von 100 Hertz verändern sich die Qualität und die Art der Wahrnehmung: Töne werden deutlich schlechter und unterhalb von 50 Hz gar nicht mehr gehört. Manche Menschen aber können auch Töne mit deutlich tieferen Frequenzen hören. Für sie kann diese unerträglich laut erscheinen. In der Regel handelt es sich um einen nervigen Brummton. Woher er kommt, lässt sich in den wenigsten Fällen ermitteln.

„Nachts und morgens ist es am schlimmsten“

Ein Lavesumer Bürger schrieb, er nehme den Ton schon seit einigen Jahren wahr, auffallend in den Wintermonaten. Seine Vermutung ist, dass der Ton von den Windrädern kommt und dieser im Sommer durch das Laub auf den Bäumen gebremst werde. „Bei mir ist es nachts sowie morgens beim Zeitunglesen am schlimmsten“, schreibt er in einer Mail an die Halterner Zeitung. Seine Hausärztin und auch die Hals-, Nasen- und Ohrenärztin hätten ihm nicht wirklich helfen können. „Medikamente möchte ich nicht dauerhaft nehmen. Also, es ist für einige Menschen ein echtes Problem und keine Lösung in Sicht“, bedauert der Lavesumer.

Dr. Hermann Thomas, Chefarzt im Katholischen Klinikum Ruhr-Nord (dazu gehört auch das Halterner Sixtus-Hospital) und unter anderem Umweltmediziner, kennt das Problem aus der Krankenhaus-Praxis. „Umweltmedizinisch kann hierfür vom wissenschaftlichen Aspekt keine Antwort gefunden werden“, sagt er auf Nachfrage der Halterner Zeitung. Diskutiert würden Gebäudevibrationen, elektromagnetische Wellen kämen eher nicht in Betracht. „Auch geraten Windkrafträder in Verdacht, Auslöser zu sein. Allerdings gab es das Brummtonphänomen bereits vor der mannigfaltigen Anlage von Windkrafträdern“, erklärt Dr. Thomas.

Ursache für das Problem ist noch nicht gefunden

Mehr oder weniger hilflos geht auch die Halternerin von der Josef-Paris-Straße weiter auf die Suche nach dem Auslöser für den tieffrequenten Schall. Leider habe sie die Ursache für ihr Problem immer noch nicht finden können. „Es ist aber schön zu erfahren, dass man mit diesem Phänomen nicht allein ist. Es ist teilweise erschreckend und erschütternd, was manche Menschen schon an leidvollen Erfahrungen hinter sich haben“, sagt sie, nachdem sich über Vermittlung der Halterner Zeitung etliche Leidensgefährten bei ihr gemeldet haben.

So auch ein Ehepaar aus Lüdinghausen. „In unserer Verzweiflung haben wir kurzfristig Unterschlupf in einer Zweitwohnung gefunden und pendeln jetzt hin und her“, schildern sie ihren Alltag. Der Brummton sei ein riesengroßes Problem für sie.

Betroffene sind nicht allein auf der Welt

Ein Halterner von der Hullerner Straße weiß, dass es sich um ein weltweites Phänomen handelt. In den USA gebe es einen Ort, der besonders davon betroffen sei: die Gemeinde Taos in New Mexico. Mittlerweile, so weiß er aus seinen Recherchen, konnte dieser Ton von einem jungen Wissenschaftler aufgezeichnet und isoliert werden, sodass er nun weltweit für weitere Forschungen und Vergleiche zur Verfügung stehe. „Aber leider bisher ohne Erfolg.“

Es handele sich also durchaus um eine ernst zu nehmende Erscheinung, die nicht in das Reich der Phantasie wegzuwischen sei. Sein Hinweis, so der Halterner, sei möglicherweise ein kleiner Trost. „Zumindest gibt er die Gewissheit, dass die Betroffenen damit nicht allein auf der Welt sind und schon gar nicht spinnert!“

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