Brexit und die Folgen: Wahl-Londoner Christian Schulte-Loh bittet um Panhas-Care-Paket

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Wenn der Brexit kommt, brauchen womöglich viele Menschen einen Plan B. Wir haben Christian Schulte-Loh (40) aus Haltern gefragt, ob er von London wieder in sein Kinderzimmer ziehen wird.

Haltern

, 13.08.2019 / Lesedauer: 4 min

Der drohende Brexit belastet die Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU. Wie alles in dieser globalen Welt hat er auch etwas mit Haltern zu tun. Christian Schulte-Loh (40) aus Haltern lebt seit vielen Jahren in London und ist als Comedian in ganz Europa unterwegs. Wir haben ihm Fragen zum Brexit gestellt.

Hallo Herr Schulte-Loh, wo treffen wir Sie gerade an?

Im EU-Ausland natürlich. Aber in dem Teil, der sich fürs Bleiben entschieden hat, nämlich in Schottland. Hier ist gerade das jährliche Fringe-Festival in Edinburgh.

Beim Referendum 2016 hatten Sie damit gerechnet, dass sich die Briten gegen den Brexit entscheiden. Jetzt ist Hardliner Boris Johnson Premierminister und im Oktober droht sogar ein ungeregelter Austritt aus der EU. Haben Sie schon deutsche Lebensmittel gehortet? Sauerkraut in Dosen vielleicht?

Als Orakel tauge ich nicht, so viel steht fest. Besser beraten wäre man gewesen, seit 2016 immer auf Murphys Gesetz zu setzen: Was schief gehen kann, geht auch schief. Jetzt haben wir den Salat, und zwar auf beiden Seiten des Atlantiks. Wenn man sich Trump und Johnson so anguckt, bekommt man das Gefühl, die Insassen hätten die Anstalt übernommen. Und den Vorschlag mit den Lebensmittelvorräten nehme ich an, danke. Ich bitte dringend um Care-Pakete, gefüllt mit Halterner Panhas und Äpfeln.

Dürfen Sie als Deutscher überhaupt in London bleiben? Wie sieht Ihr Plan B für den Notfall aus – zurück ins Halterner Kinderzimmer?

Wir Deutsche dürfen sicher bleiben. Ansonsten müsste die königliche Familie ja auch zurück nach Hannover. Das kann auch keiner wollen. Und im Notfall ist das Halterner Kinderzimmer gar keine schlechte Idee. Und definitiv eine gute Metapher für den von Boris Johnson angeführten Brexit-Kindergarten.

Boris Johnson wird in den Medien auch als „Spaltpilz“ bezeichnet. Wie tief sind die Gräben in der britischen Gesellschaft, die Sie ausmachen können und wo verlaufen diese eigentlich?

Der Mann ändert so oft seine Meinung, er ist eher ein Fähnchen im Wind als ein Spalter. Und er hat Glück: Wind gibt es auf einer Insel immer viel.
Gespalten war die britische Gesellschaft schon vorher. In Arbeiter-, Mittel- und Oberschicht; in Nord und Süd; in Sozialdemokraten und Tories; in England, Wales, Schottland und Nordirland – und jetzt eben in Brexiteers und Remainers. Ein Mathematiker könnte berechnen, wie viele mögliche Gräben man bei so vielen Faktoren ziehen könnte. Das einzige dieser Themen, das dann zur Debatte gestellt wurde, muss nun herhalten für die Unzufriedenheit in allen anderen Fragen. Der Brexit ist eine gute Projektionsfläche für sämtliche gesellschaftliche Konflikte im Land. Und was genau für ein Film da am Ende projiziert wird, weiß keiner. Und vor allem, ob’s ein Happy End gibt. Im Moment ist die Frage sogar, ob am Ende das Kino noch steht.

Ist eine Person wie der aktuelle britische Premierminister ein Geschenk für den Comedian?

Es ist eher beängstigend. Denn es verschiebt die Maßstäbe in unserer Gesellschaft.

Sehr passend ist in dem Zusammenhang ein Zitat, das mittlerweile fast hundert Jahre alt ist. Damals gab es in Amerika einen berühmten Komiker namens Will Rogers. Und der sagte: „Alles ändert sich. Die Menschen beginnen, die Komiker ernst zu nehmen und die Politiker für einen Witz zu halten.“

An welchen Projekten arbeiten Sie gerade? Sind Sie bald mal wieder in der Nähe unterwegs?

Neben meinen Auftritten in Großbritannien bin ich regelmäßig in Deutschland zu sehen, sowohl auf der Bühne als auch im Fernsehen, zum Beispiel kürzlich in den WDR-Mitternachtsspitzen oder auch als Moderator einiger Folgen des Quatsch Comedy Club (Sky).
Mit meinem deutschen Soloprogramm bin ich natürlich auch in NRW unterwegs, zum Beispiel im Oktober in Dortmund, im November in Bielefeld und im kommenden Jahr in Bochum. Alle Termine gibt es auf meiner Internetseite.
Momentan arbeite ich zudem an meinem zweiten Buch. Außerdem habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, der erste ausländische Premierminister Großbritanniens zu werden. Wobei, mittlerweile bin ich mit meinem Halterner Abitur dafür wohl eher überqualifiziert.

Wer mehr über Christian Schulte-Loh erfahren will, klickt auf seine Internetseite.
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