Bossendorfer findet Munition und Waffenteile am Kanal in Flaesheim

dzPolizeieinsatz

Dieser Fall ist kurios und wirft Fragen auf: Ein Spaziergänger hat am Freitag Munition und Waffenteile an der Schrambergbrücke in Flaesheim gefunden. Nun ermitteln Polizei und Staatsschutz.

Flaesheim

, 22.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mario Wiemann zeigt auf eine Stelle am Ufer des Wesel-Datteln-Kanals. Hier, im Bereich der Flaesheimer Schrambergbrücke, hat der 38-jährige Bossendorfer am Freitag beim Spaziergang mit seinem Mischlingshund „Gold“ eine außergewöhnliche Entdeckung gemacht. „Mein Hund hat plötzlich angeschlagen“, erzählt er.

„Als ich zu ihm gegangen bin, sah ich an einem Geländer auf dem Boden eine kleine, offene Metallkiste mit jeder Menge Munition stehen“, erzählt er. Daraufhin habe er sofort die Polizei verständigt.

Die Metallkiste am Geländer war voll mit Munition.

Die Metallkiste am Geländer war voll mit Munition. Davor lag eine leere Tüte. © Mario Wiemann

Um 12.15 Uhr geht sein Notruf bei der Leitstelle der Polizei ein. Sofort machen sich zwei Polizeibeamte auf den Weg zu der Stelle hinter dem oberen Hafenbecken der Schleuse. Mario Wiemann schaut sich währenddessen weiter in der Gegend um. Er läuft eine Treppe zur Brücke hinauf, weil er an der Flaesheimer Straße die alarmierte Polizeistreife auf sich aufmerksam machen möchte.

Mehrere Waffenteile

„Am obere Ende der Treppe habe ich dann auch noch eine Sporttasche und einen Metallkoffer gefunden. Ich habe aber nicht reingeschaut, weil ich Angst hatte, dass ich mich dadurch in Gefahr begeben könnte.“ Den Beamten, die kurze Zeit später eintreffen, schildert er seine Beobachtungen. „Einer der beiden Polizisten hat die Sporttasche dann geöffnet. Da lagen mehrere Waffenteile drin. Ich war erschrocken.“

Diese blaue Sporttasche war in der Nähe der Brücke abgestellt.

Diese blaue Sporttasche war in der Nähe der Brücke abgestellt. © Mario Wiemann

Wenig später, so berichtet er weiter, habe er noch an einer anderen Stelle, in einem Gebüsch etwa 100 Meter von der Brücke entfernt, einen blauen Müllsack mit weiterer Munition gefunden.

Hier im Gebüsch lag ein blauer Müllsack mit Munition.

Hier im Gebüsch lag ein blauer Müllsack mit Munition. © Daniel Winkelkotte

Die Polizei hat den Vorfall am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt. „Wir haben ein Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz eingeleitet“, teilt Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber mit. Bei dem Fund handele es sich um „eine größere Anzahl Munition für Gewehre und Faustfeuerwaffen mit unterschiedlichem Kaliber sowie mehrere Teile verschiedener Waffen, vorwiegend aus dem Militärbereich“.

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Eine Zusammensetzung der einzelnen Teile zu einer funktionsfähigen Waffe sei nicht möglich gewesen, so der Polizeisprecher. „Am Fundort sind Spuren gesichert worden, die nun kriminaltechnisch untersucht werden und wichtiger Bestandteil der weiteren Ermittlungen sind.“ Auch der Staatsschutz sei in dem Fall eingebunden worden. Zur Motivlage könne er derzeit noch keine Angaben machen. Wo kommen die Sachen her und warum wurden sie dort abgelegt? „Das sind zentrale Fragen, die wir noch nicht beantworten können“, so Andreas Wilming-Weber.

Merkwürdiges Verhalten

Mario Wiemann fragt sich, warum die Polizei vor Ort nicht umgehend großflächige Suchmaßnahmen eingeleitet hat. „Nachdem die Beamten meine Personalien aufgenommen hatten, bin ich kurz mit dem Auto in Oer-Erkenschwick gewesen. Auf dem Rückweg, etwa 20 Minuten später, war die Polizei schon nicht mehr da“, wundert er sich. Den Fund selbst kann er sich nicht erklären. „Ob es vielleicht ein Sammler war, der das loswerden wollte? Ich habe keine Ahnung. Es ist auf jeden Fall kurios“, so der 38-Jährige.

Eine Tasche mit Waffenteilen und einen verschlossenen Metallkoffer entdeckte der 38-Jährige an einer Treppe vor der Brücke.

Eine Tasche mit Waffenteilen und einen verschlossenen Metallkoffer entdeckte der 38-Jährige an einer Treppe vor der Brücke. © Daniel Winkelkotte

Er selbst sei am Montag nochmal bei der Polizeiwache in Haltern gewesen, um weitere Angaben zu machen. Denn: Am Wochenende sei ihm eingefallen, dass ihm nach dem Fund der Munitionskiste ein Mann in einer Jogginghose aufgefallen war. „Der stand auf der Brücke, hat sich merkwürdig verhalten und plötzlich aus dem Staub gemacht.“

Die Polizei will diesem Hinweis nachgehen und sucht zugleich nach weiteren, möglichen Zeugen. Wer hat in der vergangenen Woche im Bereich der Schrambergbrücke etwas Auffälliges beobachtet und kann nähere Angaben dazu machen? Hinweise nimmt die Polizei unter Tel. 0800 2361 111 entgegen.

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