Die Freude bei Halterns Tim Kullick war groß, als der VfL Bochum den Aufstieg in die 1. Bundesliga perfekt machte. Seit mittlerweile fünf Jahren arbeitet er bei dem Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet. © VfL Bochum 1848 / Dustin Bialas
Aufsteiger

Bochum spielt endlich wieder in der 1. Bundesliga – und ein Halterner ist mittendrin

Der Halterner Tim Kullick arbeitet seit fünf Jahren beim VfL Bochum. Der 35-Jährige erzählt, wie er zu dem Traditionsverein kam, was seine Aufgaben sind und was den VfL ausmacht.

Ich war sehr nervös, das ist für uns in den letzten Jahren ja nicht alltäglich gewesen“, sagt der Halterner Tim Kullick. Auf der Couch verfolgte der Mitarbeiter des VfL Bochum 1848 den Aufstieg des Traditionsvereins in die 1. Bundesliga. Seit mittlerweile fünf Jahren arbeitet der heute 35-Jährige beim VfL in der Vermarktung, genauer gesagt im Bereich Partnermanagement. Seitdem hat sich einiges im Verein getan. Aktuell befindet er sich in der stressigsten Phase der Saison.

Bis vor kurzem kickte Tim Kullick bei den Alten Herren des TuS Haltern am See. Dem Verein, bei dem er zuvor in der ersten Mannschaft gespielt und mehrere Jahre Junioren trainiert hatte. Auch als Sportlicher Leiter der Jugend arbeitete er dort erfolgreich fast eineinhalb Jahre, plante zudem Fußballferiencamps und leitete die Geschäftsstelle.

Seit September 2016 arbeitet er nun schon beim VfL Bochum 1848. „Ich bin gemeinsam mit Vonovia zum VfL gekommen, als sie 2016 das Namensrecht des Stadions erworben hatten und der VfL auf der Suche nach einem Hauptansprechpartner war“, erzählt er.

„Das Netzwerken unter den Partnern steht bei uns im Vordergrund“

Mit der Zeit habe er dann auch weitere Unternehmen betreut. „Das hat scheinbar ganz gut funktioniert“, so Kullick mit einem Lachen. Als er „anne Castroper“ anfing, hatten alle Vertriebler noch die gleichen Aufgaben. „Von der Akquise bis zur Vertragsumsetzung war jeder Mitarbeiter für seinen Partner zuständig“, erklärt er. Dass die Abteilung in der Folge in fünf verschiedene Bereiche aufgeteilt wurde, „war ein richtiger und wichtiger Schritt für die Vermarktungsabteilung und deren Entwicklung.“

Tim Kullick spielte jahrelang für den TuS Haltern am See und bis vor Kurzem auch noch bei den Alten Herren des Vereins.
Tim Kullick spielte jahrelang für den TuS Haltern am See und bis vor Kurzem auch noch bei den Alten Herren des Vereins. © Manfred Rimkus (Archiv) © Manfred Rimkus (Archiv)

Mittlerweile gibt es in der Vermarktung des Bundesliga-Aufsteigers die Bereiche Sales, Hospitality, Vermarktungskonzeption, Drittveranstaltungen und Partnermanagement. In den Aufgabenbereichen gebe es zwar auch noch Überschneidungen, „aber wir haben eine Trennschärfe mit klaren Aufgabengebieten vorgenommen“.

Für einige Firmen wie zum Beispiel Vonovia ist Tim Kullick aber noch immer alleiniger Ansprechpartner. Etwa 40 – vorwiegend – Werbepartner des VfL betreut er derzeit. Neben der alltäglichen Arbeit, erzählt er, gibt es auch noch mindestens 17 Heimspieltage und in der Regel mindestens zwölf zusätzliche Partnerveranstaltungen im Jahr.

Dabei seien die Mitarbeiter aus der Vermarktung und auch anderer Abteilungen immer vor Ort, um das VfL-Netzwerkerlebnis auf ein hohes Niveau zu heben. Und dabei gehe es dann unter anderem auch darum, den Kontakt zwischen den Unternehmen herzustellen. „Das Netzwerken unter den Partnern steht bei uns im Vordergrund“, sagt er.

Trotz Pandemie haben beim VfL Bochum weniger Partner gekündigt

In der im Mai beendeten Saison fanden die 17 Heimspiele in der 2. Bundesliga allerdings ohne Zuschauer statt. Schuld war die Corona-Pandemie. Die hat auch die Arbeit von Tim Kullick und seinen Kollegen verändert – wenngleich nicht so extrem, wie mancher vielleicht meinen könnte.

„Nur am Spieltag hat es sich groß verändert, weil wir alle nicht selbst vor Ort sein können“, erklärt der Halterner. Darüber hinaus hat sich auch der Austausch mit den Partnern des Vereins verändert – er wurde weiter intensiviert. „Durch die Pandemie sind wir noch mal enger an die Partner gerückt“, erzählt er.

Da der persönliche Kontakt im Stadion wegfiel, wurde deutlich mehr am Telefon miteinander kommuniziert. Dabei ging es dann beispielsweise auch um Regressansprüche. Um diese zu mindern, wurde unter anderem versucht, digitale Inhalte von Partnern präsentieren zu lassen, so Kullick.

Die Bemühungen haben offenbar Wirkung gezeigt: „Die Kündigungsquote lag trotz Corona unter der der Vorjahre – das ist beachtlich.“ Grundsätzlich sei es für viele Unternehmen interessant, den VfL Bochum 1848 als Werbepartner zu nutzen, sagt er.

„Scheinbar waren wir in der Vergangenheit ein ganz guter Gastgeber“

Ein Grund dafür ist das Bild, welches der Bundesliga-Aufsteiger in den vergangenen Jahren abgegeben hat. „Wir werden oft als bodenständig, authentisch und sympathisch wahrgenommen“, sagt Tim Kullick. Diese Werte seien auch im Leitbild des Vereins verankert und werden innerhalb des Vereins gelebt.

„Der VfL polarisiert nicht“, sagt der zweifache Familienvater. Dadurch stehen auch viele Fans anderer Vereine dem VfL grundsätzlich positiv gegenüber. „Ich werde immer wieder mal von Fans anderer Vereine aus dem privaten Umfeld gefragt, ob ich an Karten für ein Spiel komme“, erzählt er. Ein Beweis dafür, wie beliebt die Bochumer sind.

Durch einen 3:1-Sieg gegen den SV Sandhausen machte der VfL Bochum am letzten Spieltag der vergangenen Saison den Aufstieg in die 1. Bundesliga perfekt. © imago images/Laci Perenyi © imago images/Laci Perenyi

Dass sein Verein auch bei anderen Fans beliebt ist, sei schön zu sehen. „Scheinbar waren wir in der Vergangenheit ein ganz guter Gastgeber, wenn sich Fans anderer Vereine aus der 1. Bundesliga freuen, in der kommenden Saison hoffentlich wieder Auswärtsspiel im Vonovia Ruhrstadion zu besuchen“, so Tim Kullick.

Durch den Aufstieg ins deutsche Fußballoberhaus wird sich für ihn und seine Kollegen derweil nicht allzu viel verändern. „Die Arbeit wird die gleiche sein, wenngleich sie natürlich mehr wird“, sagt er.

Die Phase zwischen dem letzten und dem ersten Spieltag ist am stressigsten

„Sprachen wir früher über 80 oder 90 Prozent Auslastung im VIP-Bereich, gehen wir jetzt von 100 aus. Das einzige was sich verändert hat: Wir werden nach dem Aufstieg nahezu jeden Tag von interessierten Unternehmen kontaktiert, die gerne VIP-Karten in Anspruch nehmen möchten. Die Kontaktaufnahme erfolgte in der Vergangenheit schon oftmals umgekehrt.“

Die Anfragen, den VfL als Werbemedium zu nutzen, seien jetzt bereits spürbar mehr geworden. Das bedeutet für die Mitarbeiter der Vermarktung mehr Arbeit. Derzeit haben sie aber auch so schon gut zu tun.

Denn aktuell sind sie mitten in der Saisonumstellung, „also dem Bereich vom letzten Spiel der alten bis zum ersten Spiel der neuen Saison“. Das sei immer die stressigste Phase.

„Weil wir uns hier in der Hauptvermarktungsphase befinden und die ganze Saison vorbereiten, alle Brandings werden erneuert, alte und auch neue Partner werden akquiriert, Verträge geschrieben, Tickets werden versandt und vieles mehr“, erklärt er.

Durch den Aufstieg müsse nun auch das Stadion erstligatauglich gemacht werden, da sind Kullick und seine Kollegen aufgrund der Werbeflächen ebenfalls in die Planung mit involviert.

In wenigen Wochen startet Tim Kullick mit dem VfL ins Abenteuer erste Liga

Auf den Halterner wartet also täglich eine Menge Arbeit. Dass er Spaß daran hat, das wird im Gespräch aber immer wieder deutlich. „Das Schöne an dem Job ist, dass du manchmal morgens nicht weißt, was auf dich zukommt, es ist sehr abwechslungsreich“, sagt er.

Am meisten Spaß mache es ihm, dass er sich immer wieder auf verschiedene Charaktere einstellen muss. „Der Umgang ist immer anders; mit dem einen Partner bist du enger und per Du, mit dem anderen bist du mehr auf einer geschäftlichen Ebene.“

Zudem sei es „cool, dass du im Fußballbereich mit Menschen interagieren kannst – alle haben ein gemeinsames Hobby, man kann über Fußball reden, analysieren sowie fachsimpeln und das mache ich nach wie vor sehr gerne“.

Wenn die neue Saison am Wochenende des 14. August offiziell für den VfL mit einem Auswärtsspiel in Wolfsburg beginnt, kann Tim Kullick dann als Aufsteiger auch wieder mehr über die 1. Bundesliga sprechen, spätestens dann zum ersten Heimspiel der Saison eine Woche später gegen den 1. FSV Mainz 05.

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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert

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