Blattbruch am Windrad: Kran kommt nachts mit Spezialtransport

dzUnfall am Windrad

Der Wind pfeift mit 31 Stundenkilometern um die Ecke, er hat weitere Teile des zerstörten Flügels vom Rotor mitgerissen. Einen ähnlichen Unfall an einem Windrad gab es in Haltern noch nie.

Haltern

, 21.04.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Feuerwehr und Polizei war dieser Einsatz am Montag gegen 15 Uhr bislang einzigartig: Mit einem explosionsartigen Krach zerbarst der Wind den 57 Meter langen und etwa 15 Tonnen schweren Flügel eines Windrades an der Bundesstraße 58 zwischen Annaberg und Bergbossendorf. Der Schaden ist weithin zu sehen. Doch weder Stadt noch Feuerwehr können etwas ausrichten. Die Betreiber des Windrades warten auf eine Spezialfirma aus Cuxhaven und einen Spezialkran aus Hannover.

Die Bundesstraße 58 ist ab Autobahnabfahrt Haltern bis zur Kreuzung Neuer Kamp gesperrt und bleibt es vorerst auch noch, wie Stadtsprecher Georg Bockey bestätigt. „Solange Reste des Flügels noch am Rotor in 143 Metern Höhe hängen, ist die Gefahr einfach zu groß. Wir reden hier von enormen Gewichten.“ Der Verkehr wird über den Neuen Kamp und die Dorstener Straße stadteinwärts geleitet. Das klappt reibungslos.

Aufbau des Krans dauert drei bis vier Tage

Hubertus Koch und Markus Nolte, die Geschäftsführer der Betreibergesellschaft WiKoNo, hatten vor drei Wochen einen Spezialkran aus Hannover angefordert, weil am benachbarten Windrad ein Schaden am Rotorlager repariert werden muss. Der Termin von WiKoNo stand also schon in den Auftragsbüchern, jetzt können - Glück im Unglück - die Schäden in einer Rutsche behoben werden.

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Windrad in Haltern verliert Flügel

Der Kran wird am Mittwochabend im Rahmen eines Spezialtransportes nach Haltern gebracht. Stück für Stück wird er dann am Windradturm bis zu einer Höhe von 155 Metern aufgebaut. Das dauert laut Auskunft aus Hannover drei bis vier Tage. Allerdings muss es relativ windstill sein, schneller als 9 bis 11 km/h darf der Wind nicht wehen.

Flügel werden gescannt und auf Risse untersucht

Die Anlage stammt von Senvion, nach Insolvenz dieses Unternehmens übernahm Siemens Gamesa Renewables Energy aus Cuxhaven, ein Anbieter von Windenergieprodukten. Der Nachfolger ist für die Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten am Windrad von WiKoNo zuständig. Aus Cuxhaven hieß es, alle Anlagen würden grundsätzlich regelmäßig geprüft. Dazu gehöre auch das Scannen der Flügel. Risse könnten durch Materialermüdung, Blitz- oder Hagelschlag beispielsweise entstehen. Wenn ein Flügel dann überstrapaziert werde, könne es zu einem Blattbruch wie in Haltern kommen. Das sei aber äußerst selten, hieß es aus Cuxhaven. In Nordrhein-Westfalen gab es das bislang noch nicht, sagen die Geschäftsführer von WiKoNo.

Abstand zur Bundesstraße stand in der Kritik

Als das Antragsverfahren für das Windrad lief, kritisierten einige Halterner Politiker den in ihren Augen zu geringen Abstand der Anlage zur Bundesstraße. Geschäftsführer Markus Nolte erklärt dazu: „Der Abstand zur Bundesstraße entspricht genau den Regeln. Wir haben zur Sicherheit noch gut zwei Meter Toleranz drauf geschlagen.“ Notwendig sei ein Abstand von 100 Metern zur Achse der Bundesstraße 58.

Gutachter und Anlagenbauer ermitteln Ursache

Die Ursachenermittlung wird noch dauern, vermutet Markus Nolte. Gutachter und Anlagenbauer beschäftigten sich in den nächsten Tagen intensiv mit diesem Schaden. Er selbst geht von einem Materialfehler im Blatt aus, der zu einem Erstriss geführt haben könnte. „Danach hat sich das Blatt vermutlich weiter verbogen und ist mit voller Wucht gegen den Turm geschlagen.“

Die Senvion-Anlage hat eine Nabenhöhe von 143 Metern und eine Gesamthöhe von 200 Metern. Sie bringt 3200 kW Leistung und etwa 7,4 Mio kWh Jahresleistung, somit kann sie 1800 Haushalte mit Strom versorgen. Die 1000 Meter von der Siedlung Bergbossendorf entfernte Anlage ist seit fünfeinhalb Jahren in Betrieb.

Es ist der vierte Unfall an einer Senvion-Anlage während der letzten fünf Jahre: 2015 brach an einem Windrad in der Nordsee ein Rotorblatt ab, 2016 brannte in Rheinland-Pfalz eine Rotornarbe und 2019 kam es in Schleswig-Holstein zu einem Blattbruch.

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