Betreutes Wohnen: Schritt für Schritt in die Selbstständigkeit

dzWohnen mit Hilfebedarf

Auch in Haltern leben Menschen mit Hilfebedarf in betreuten Wohngruppen. Kevin und Peter aus Marl haben den nächsten Schritt gemacht: in die eigene Wohnung - ohne durchgehende Betreuung.

Haltern

, 15.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Zuhause von Kevin Rehkopp und Peter Saman war bis Anfang des Jahres die Wohngruppe 5D in Marl-Sinsen. Sie gehört zum Marler Wohnverbund des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), das auch mit zwei Wohngruppen und insgesamt 15 Plätzen in Haltern und Sythen vertreten ist. Nun konnten Kevin und Peter aus Marl gemeinsam eine Wohnung beziehen - ohne Betreuung. Das erste Mal haben der 19- und der 24-Jährige mit Lernschwierigkeiten ihre eigenen vier Wände, wo sie ihren Alltag weitgehend selbstständig gestalten.

„Das haben wir alles im Kopf“

Sie machen sich per Bus und Bahn alleine auf den Weg zu ihrer Arbeitsstätte nach Recklinghausen. Auch putzen, einkaufen und Wäsche machen erledigen sie selbst. Einen Arbeitsplan brauchen sie dafür nicht, sagt Peter Saman: „Das haben wir alles im Kopf.“ Stress zwischen den beiden Mitbewohnern gebe es nicht, sagt Kevin Rehkopp: „Wenn Peter mit dem Müll dran ist, sag ich ihm das und dann bringt er ihn runter. Ganz einfach!“

Unterstützung bei Dingen, die wegen der Lernschwierigkeiten alleine nicht so gut funktionieren, bekommt die Männer-WG von Erzieher Heiko Hötting. Er geht mit den beiden zur Bank, zum Arzt oder kümmert sich darum, wenn es Probleme bei der Arbeit gibt. „Kevin und Peter wissen, dass sie sich auf mich verlassen können, wenn sie Hilfe brauchen,“ so Hötting.

So viel Selbstständigkeit wie möglich

Dann sei der Auszug mit der Wohngruppe vorbereitet worden. „Wir trainieren erst einmal gemeinsam, bevor es in die Selbstständigkeit geht“, so Hötting. Es gebe gewisse Grundvoraussetzungen für einen Auszug zu erfüllen. „Dazu gehören zum Beispiel, alleine aufzustehen, sich anzuziehen sowie sich zumindest ein Frühstück oder Abendessen zubereiten zu können.“ So habe die Leitung der Wohngruppe auch die Eltern von Kevin und Peter davon überzeugen können, dass die jungen Männer bereit für diesen Schritt sind.

Acht Bewohner des Marler LWL-Wohnverbundes sind mittlerweile in eigene Wohnungen gezogen. „Unseren Bewohnerinnen und Bewohnern so viel Selbstständigkeit zu ermöglichen wie es geht“, das sei eines der wichtigsten Ziele der Wohnprojekte, sagt Heiko Hötting. Kevin und Peter haben ihren Auszug nicht bereut. „Wir wollten beweisen, dass wir auf eigenen Füßen stehen und eigene Entscheidungen treffen können und das hat geklappt“, sagt Kevin.

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