Was in der Corona-Krise gut gemeinte Fürsorge ist, macht die Altenheim-Bewohner einsam. Doch jetzt wird das Besuchsverbot gelockert. So gehen die Träger der Halterner Altenheime damit um.

Haltern

, 06.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit Mitte März wird der Zutritt zu den nordrhein-westfälischen Altenheimen wegen der Corona-Pandemie verwehrt. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gab nun bekannt, dass ab dem Wochenende (9./10. Mai) Besuche in Pflegeheimen wieder erlaubt sind. „Ich bin überzeugt, dass man sie möglich machen kann und muss“, sagte der CDU-Politiker in einem Interview. Es sei Zeit, die Bremse zu lösen. In der Alloheim Seniorenresidenz ist man mit den Vorbereitungen schon sehr weit.

Besuche von Angehörigen in der Sythener Seniorenresidenz sollen so bald wie möglich - entsprechend der Erlaubnis der Landesregierung - wieder gestattet sein. Allerdings nur unter strengen Auflagen und unter Einhaltung des Infektionsschutzes. Denn pflegebedürftige Menschen und insbesondere Senioren zählen weiterhin zur Corona-Risikogruppe.

Zunächst muss das Besuchskonzept genehmigt werden

„Der persönliche Besuch ihrer Liebsten fehlt unseren Bewohnern sehr“, sagt Einrichtungsleiterin Carmen Liese. Die häufigste Frage im Haus sei, wann Angehörige wieder zu Besuch kommen dürften. Sie befürwortet deshalb Lockerungen. „Doch wir müssen uns an strenge Vorgaben des Landes halten und dem Gesundheitsamt sowie den Ordnungsbehörden ein detailliertes Besuchskonzept vorstellen. Erst wenn das genehmigt ist, können erste Besuche stattfinden“, so Carmen Liese.

Carmen Susanne Liese (rechts) leitet das Altenheim der Alloheimgruppe, Nicole Krause ist Pflegedienstleiterin. Mit dem Mitarbeiterteam bereiten sie die Öffnung der Einrichtung für Besucher vor.

Carmen Susanne Liese (rechts) leitet das Altenheim der Alloheimgruppe, Nicole Krause ist Pflegedienstleiterin. Mit dem Mitarbeiterteam bereiten sie die Öffnung der Einrichtung für Besucher vor. © Silvia Wiethoff

Fest steht bereits, dass die Besuche zeitlich begrenzt sein werden. Diese müssen vorher angemeldet werden, es darf nur ein Angehöriger pro Bewohner in die Einrichtung kommen, es muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern bis 2 Meter eingehalten werden und es gelten strenge Hygieneregeln.

Mund- und Nasenschutz ist bei Besuchen Pflicht

Barriere-Maßnahmen wie Absperrungen, Plexiglasabtrennungen sollen darüber hinaus den direkten Kontakt zwischen Besucher und Bewohner verhindern. Ebenso ist das Tragen eines dreilagigen Mund-Nasenschutzes Pflicht. Geschenke oder Essen müssen weiterhin separat abgegeben werden und dürfen nach wie vor nicht persönlich überreicht werden.

Einrichtungsleiterin Carmen Liese bittet allerdings noch um ein bisschen Geduld. Die Angehörigen würden rechtzeitig über die Aufhebung des Besuchsverbots im Alloheim informiert, versichert sie.

„Der persönliche Besuch ihrer Liebsten fehlt unseren Bewohnern sehr.“
Carmen Liese, Leiterin der Alloheim-Seniorenresidenz “Sythen am See“

Auch in den katholischen Altenwohnhäusern St. Sixtus (Gartenstraße) und St. Anna (Annaberg) weiß man um die sehr starke Belastung der Bewohner und Angehörigen, weil ein direkter Besuch schon sehr lange nicht möglich ist. „Wir erörtern seit gut zwei Wochen bei Krisenkonferenzen mögliche Rahmenbedingungen für die Wiederaufnahme der direkten und persönlichen Besuche in unseren Altenwohnhäusern“, erklärt Geschäftsführer Johannes Böcker.

Besuche in den katholischen Häusern ab Samstag möglich

Am Samstag (9. Mai) sind Besuche in katholischen Häusern unter bestimmten Bedingungen wieder möglich. Der offensichtliche Widerspruch zwischen den berechtigten Wünschen zu direkten und persönlichen Kontakten mit den Bewohnern liege in dem Auftrag, für Bewohner alles zu tun, um zusätzliche Belastungen soweit wie möglich zu verhindern. Die Besuche ermöglichten aber genauso die Erfahrung von Würde und Selbstbestimmung in einer Einrichtung als wesentliche Lebensgestaltung. Johannes Böcker: „An einer Lösung unter Beachtung des genannten Widerspruches haben wir intensiv gearbeitet.“

Besuche sind so geplant, dass die Bewohnerinnen und Bewohner in der Cafeteria beziehungsweise in der Eingangshalle bleiben und die Besucher durch geöffnete Fenster in einem Abstand von mindestens 2 Meter mit Mund-Nasen-Schutz und mit ausreichender Händedesinfektion sich persönlich begegnen können, ohne sich zu berühren.

Terminvereinbarungen sind Voraussetzung für Besuche

Besuche sind an allen Wochentagen zu bestimmten Zeiten nach vorheriger Terminklärung möglich. Im Altenwohnhaus St. Sixtus können fünf Besuche und im Altenwohnhaus St. Sixtus drei Besuche zeitgleich stattfinden. Unter der jeweiligen Telefonnummer der Häuser können ab dem 7. Mai nach 13:30 Uhr bis 16.30 Uhr und am 8. Mai von 8 bis 17 Uhr Termine für Besuche ab dem 9. Mai vereinbart werden. Es kann sein, dass in besonderen Lebenssituationen ein Besuch des Bewohners in seinem Zimmer notwendig ist. Termine organisiert Hausleiter Künstler (Tel. 93750).

Das Seniorenzentrum Kahrstege hat ein fertiges Konzept für Lockerungen in der Schublade, wie ein Sprecher des Arbeitersamariterbundes (Träger der Einrichtung) sagt. Aber Sicherheit gehe vor Schnelligkeit, hieß es auf Nachfrage der Halterner Zeitung. Die älteren Menschen seien die am meisten gefährdete Gruppe überhaupt, deshalb seien schließlich auch die Einschränkungen beschlossen worden. Das Schutzniveau müsse hoch bleiben, betonte der Sprecher.

Eine Testung von Bewohnern und Mitarbeitern wäre wichtig

Das Haus hatte Tablets angeschafft, um wenigsten Videoanrufe zu ermöglichen und so familiäre Nähe vermitteln zu können. Ein Ersatz für echte Begegnungen sei das natürlich nicht. Dennoch müsse eine Lockerung der Besuchsregelung gut bedacht sein.

Das Seniorenzentrum Kahrstege an der Sundernstraße ist in Trägerschaft des Arbeitersamariterbundes (ASB). Die Lockerung des Besuchsverbot wird begrüßt, aber Sicherheit geht vor Schnelligkeit, heißt es aus dem Haus.

Arbeitersamariterbundes (ASB). Die Lockerung des Besuchsverbot wird begrüßt, aber Sicherheit geht vor Schnelligkeit, heißt es aus dem Haus. © HZ-Archiv

Kontakte könnten in einem großen Raum der Kahrstege ermöglicht werden, die Laufwege dafür seien vorbereitet. „Dennoch brauchen wir Vorlauf für eine perfekte Organisation und eine entsprechende Personaleinteilung. Wichtig findet der ASB-Sprecher vor allem eines: Dass alle Bewohner und Mitarbeiter der Kahrstege vorab auf Corona getestet werden.

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