Bestattung in Corona-Zeiten: „Angehörige müssen sich enorm umstellen“

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Beerdigungen in Corona-Zeiten sind für Bestatter und Hinterbliebene eine Herausforderung. Zwei Halterner Bestatter berichten von ihren Erfahrungen.

Haltern

, 22.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Pandemie macht auch vor Ritualen wie Beerdigungen keinen Halt. Auch hier greift die Coronaschutzverordnung ein, um Trauergäste vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu bewahren. Nach Paragraf 2 darf der Mindestabstand bei Beerdigungen bei nahen Angehörigen unterschritten werden.

Auf Nachfrage bei der Stadt erklärt Pressesprecher Georg Bockey: „Wir empfehlen für die Friedhöfe eine Maske zu tragen, sofern der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.“ Anders sehe es in den Trauerhallen aus: Dort gilt die Maskenpflicht.

Halterns Bestatter haben sich an die nun schon Monate währende Situation gewöhnt. „Bei den ersten Beerdigungen dachten wir, das wird eine Katastrophe“, erinnert sich Bestatter Ingo Richter. Mittlerweile sind er, Stefan Gazza und ein Mitarbeiter aber ein eingespieltes Team.

So laufen Beerdigungen in Haltern ab

In Haltern dürfen aktuell nur 25 Trauergäste „unter freiem Himmel“ an der Beisetzung teilnehmen. „Für Angehörige ist es eine enorme Umstellung. Sie müssen sich genau überlegen, wer soll kommen und wer darf nicht kommen“, weiß Ingo Richter.

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Obwohl Familien nur in diesem kleinen Kreis Abschied nehmen können, nehmen Angehörige kaum die Möglichkeit wahr, die Urnenbeisetzung auf Antrag beim Ordnungsamt hinauszuzögern. Bei der Stadt sind in jüngster Zeit keine entsprechenden Fristverlängerungen beantragt worden.

Ingo Richter und Stefan Gazza betreiben das Bestattungsinstitut Richter in Haltern.

Ingo Richter und Stefan Gazza betreiben das Bestattungsinstitut Richter in Haltern. © Ingrid Wielens

„Die Messe und die eigentliche Trauerfeier kann man ja auch noch später lesen lassen“, meint Ingo Richter. Wie viele Menschen aktuell in Kirchen und Kapellen dürfen, das entscheidet die jeweilige Gemeinde. Auf Anfrage erklärt Pfarrer Michael Ostholthoff der Gemeinde St. Sixtus: „Wir stehen mit dem Ordnungsamt und den Bestattern in regelmäßigem Austausch, um auf Änderungen gemeinsam reagieren zu können.“ Auf den katholischen Friedhöfen gelten die gleichen Regeln wie auf den kommunalen Friedhöfen.

„Man merkt, dass die Leute vorsichtiger sind“, hat Bestattermeisterin Anna Kämper vom Bestattungshaus Mertens beobachtet. „Wir haben ja überwiegend mit der älteren Generation zu tun“, ergänzt sie.

Bestatter kümmern sich um das Ausfüllen der Kontaktlisten

Die Bestatter sorgen auf den Friedhöfen dafür, dass die Kontaktlisten von den Gästen wahrheitsgetreu ausgefüllt werden. Vorab lassen sich einige Bestattungsinstitute eine Gästeliste geben, um beim Einlass in die Kapelle oder auf den Friedhof die Anmeldung zu beschleunigen. Für die Aufbewahrung der Listen sind die Bestattungsinstitute ebenfalls verantwortlich. Im Ernstfall geben sie die Daten an das Gesundheitsamt weiter.

Insgesamt bedeuten die Hygienevorschriften einen erheblichen Mehraufwand für die Bestatter. Bei großen Feiern, die im Sommer teilweisen stattfinden konnten, regelten sie den Zufluss der Gäste auf den Friedhöfen und in den Trauerhallen.

Jetzt gehe es vor allem darum auf den Mindestabstand, die Maskenpflicht und die Handdesinfektion hinzuweisen. Für die meisten Trauergemeinden sei das alles aber kein Problem.

Darf man kondolieren?

Das Bestattungshaus Mertens stellte anfangs Hinweisschilder auf. Dort stand: „Liebe Gäste, aufgrund des Corona-Virus Covid-19 empfehlen wir Ihnen, sich gegenseitig nicht die Hände zu schütteln und/oder sich zu umarmen. Es ist zwar eine schöne Geste des Mitgefühls, doch in der momentanen Situation versteht jeder, dass es ohne diese Geste besser für jeden ist. Denken Sie an Ihre Gesundheit und die Gesundheit Ihrer Mitmenschen. Danke, das Team vom Bestattungshaus Mertens.“

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Auch Bestatter Richter gibt Hinweise zum richtigen Kondolieren: „Wir raten dazu, nicht am Grab stehen zu bleiben.“ Anna Kämper vom Bestattungshaus Mertens hat die Beobachtung gemacht, dass sich Trauergäste mittlerweile darauf eingestellt haben. „Auf den Friedhöfen löst sich eine Trauergesellschaft relativ schnell auf.“

Not macht erfinderisch

Ingo Richter hat in Corona-Zeiten nun schon ein paar mal erlebt, wie Angehörige Beerdigungen für die Daheimgebliebenen via Internet live übertragen. Kürzlich erst entschied sich die Tochter einer verstorbenen Frau dazu, nachdem sie mehrmals die Beisetzung der Urne wegen Corona verschoben hatte, per Videoschalte an der Trauerfeier teilzunehmen. „Die Frau lebt in den USA und hatte Sorge, dass sie wegen Corona eventuell nicht hätte zurückfliegen dürfen“, erläutert Richter den Hintergrund.

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