Besorgte Bürger: Neues Quartier in Hamm-Bossendorf führt zu Verkehrschaos

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Die Haupteinfahrt zum neuen Quartier Katharinenhöfe (ehemals Dickerhoff) liegt an der Flaesheimer Straße. Das sehen Hamm-Bossendorfer Bürger sehr kritisch, Stadt und Planer jedoch nicht.

21.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In drei Abschnitten bebauen die Investoren Michael Hiesgen und Johannes Stock das ehemalige, 1,6 Hektar große Betriebsgelände der Tiefbaufirma Dickerhoff. An der Ecke Recklinghäuser-/Flaesheimer Straße entsteht ein Mix aus Gewerbe, Wohnen und Kindergarten. Baustart ist zu Beginn des Jahres 2021.

Die Planungen für die Erschließung des Geländes mit teils attraktiver Lage am Wesel-Datteln-Kanal laufen seit 2018. Von Beginn an teilten sich die Meinungen, was die Größe und die Verkehrsanbindung des neuen Quartiers betrifft. Olaf Bauer aus Hamm-Bossendorf gehört zu den kritischen Stimmen. „Zweifelsohne ist die Bebauung eine Aufwertung des Eingangstores zur Stadt Haltern. Sie ist auch für Hamm-Bossendorf eine Bereicherung, nicht zuletzt auch wegen der weiteren Ansiedlung von Apotheken, Ärzten, Bäcker und Kindergarten beispielsweise“, sagt er gegenüber der Halterner Zeitung. Doch mit der Verkehrsregelung erklärt er sich gar nicht einverstanden.

Furcht vor erheblichem Rückstau am Bossendorfer Kreuz

Er fürchtet wie auch andere Anwohner ringsum, die ihre Bedenken bereits während der öffentlichen Auslegung der Pläne zu Papier gebracht hatten, ein Chaos rund um das Bossendorfer Kreuz. Die gewerblichen Ansiedlungen und 100 Mietwohnungen werden, so ist er sicher, erhebliche Verkehrsbewegungen verursachen. Gegenüber dem Neubaugebiet gebe es die Zufahrt aus dem Wohngebiet „Im Höffken“ und „Römerweg“. Zudem nutzten viele Flaesheimer bei ihren Einkaufswegen in die Stadt ebenfalls die Flaesheimer Straße. „Es droht zu verschiedenen Zeiten ein erheblicher Rückstau im Kreuzungsbereich oder zumindest ist das gut vorstellbar“, ist Olaf Bauer sicher.

Die Katharinenkapelle ist der älteste steinerne Kirchenbau im Bistum Münster. Sie ist Namenspatin für das neue Wohn- und Gewerbequartier.

Die Katharinenkapelle ist der älteste steinerne Kirchenbau im Bistum Münster. Sie ist Namenspatin für das neue Wohn- und Gewerbequartier. © Jürgen Wolter

Er sagt das vor dem Hintergrund täglicher Beobachtungen. Die L551 ist als Zubringer zur Autobahn und Hauptverkehrsachse ins Ruhrgebiet tatsächlich stark befahren, insbesondere morgens und nachmittags. Radfahrer, vor allem Schulkinder sind schon jetzt hier aufgrund einer mangelhaften Radewegeführung unsicher unterwegs.

Hauptzufahrt zum Quartier an der Flaesheimer Straße

Eine Erschließung des neuen Quartiers ist aber nur über die Flaesheimer Straße möglich. Eine zweite Ein- und Ausfahrt führt über den benachbarten Kapellenweg. Zum Schutz der Fußgänger und Radfahrer im Bereich der Katharinenhöfe wird der Geh- und Radweg an der Flaesheimer Straße auf zweieinhalb Meter verbreitert.

Ein Plan von den künftigen Katharinenhöfen zeigt die Erschließung über die Flaesheimer Straße und den Kapellenweg.

Ein Plan von den künftigen Katharinenhöfen zeigt die Erschließung über die Flaesheimer Straße und den Kapellenweg. © Grafik Klose

Da tatsächlich mehr Verkehr erwartet wird, wurde im Vorfeld eine verkehrstechnische Untersuchung durchgeführt. Negative verkehrliche Auswirkungen auf den wichtigen Knotenpunkt Bossendorfer Kreuz seien auszuschließen, heißt es in dem Gutachten. Dieses stützt sich unter anderem auf eine Verkehrszählung morgens zwischen 7 und 9 Uhr sowie nachmittags von 16 bis 18 Uhr. Die durchschnittliche Verkehrsbelastung in der Recklinghäuser Straße (L 551) erhöht sich laut Gutachten in Höhe des Plangebietes von heute 15.000 Kraftfahrzeugen innerhalb von 24 Stunden auf 16.600 (elf Prozent), im südlichen Abschnitt von 11.000 Fahrzeugen täglich auf 11.800 (7 Prozent).

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In der Flaesheimer Straße nehmen die Verkehrsmengen im Nahbereich des Plangebietes um etwa 800 bis 900 Fahrzeuge täglich auf zukünftig 5300 bis 5400 zu. Diese Verkehrsmengen können laut Gutachter problemlos aufgenommen werden und zerstreut damit alle Bedenken.

Der Kapellenweg seitlich des Quartiers wird von rund 430 Fahrzeugen täglich genutzt. Eine relevante Erhöhung sei unwahrscheinlich.

Anwohner äußerten sich schon auf Versammlung kritisch

Schon auf einer Bürgerversammlung 2018 hatten sich Anwohner sehr kritisch zu dem Vorhaben, vor allem wegen der neuen Verkehrsbelastungen geäußert. „Das passt nach Düsseldorf, aber nicht in die vorhandene kleinteilige Umgebung“, kritisierte Annette Goldt, Anwohnerin vom Kapellenweg, und bat um mehr Sensibilität. Alle Anwohner des Kapellenweges hegten Bedenken, denn sie erwarten mehr Autoverkehr. „Schon jetzt ist es hier eng und schon jetzt wird unsere Straße zugeparkt“, sagte Annette Goldt.

Martin Rogge (Stadtraum-Architektengruppe Bernd Strey & Martin Rogge) betonte, dass ruhiges Wohnen an dieser Stelle, wo früher lautes Gewerbe ansässig war, nur bedingt möglich sei. Zu rütteln gibt es jedenfalls nichts mehr. Der Bebauungsplan ist einstimmig von allen Parteien beschlossen worden.

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