Der Bebauungsplan zum Silbersee II in Sythen soll geändert werden. Nach der Offenlegung im Frühjahr sind einige Einwände eingegangen, wie die Verwaltung nun auf Anfrage mitteilte.

Sythen

, 27.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Verwaltung und Politik arbeiten an einer Änderung des Bebauungsplanes zum Silbersee II in Sythen, in dem das Nebeneinander aller Interessen geregelt werden soll. Ziel ist die langfristige Sicherung der bereits bestehenden Badenutzung und ein wirtschaftlicher Betrieb der vorhandenen Infrastruktureinrichtungen unter Beachtung der für den Standort relevanten umwelt- und naturschutzrechtlichen Belange, wie es in der 53 Seiten umfassenden Begründung heißt.

Großer Protest regte sich, als es hieß, dass dem Gastronomiebetrieb am Silbersee künftig vier jährliche Großveranstaltungen mit bis zu 15.000 Besuchern genehmigt werden könnten. Die Politik machte daraufhin den Weg für die Auslegung des Bebauungsplan frei, um frühzeitig auch die Interessen der Bürger zu berücksichtigen. „Der erste Beteiligungsschritt erbrachte zahlreiche Stellungahmen, die derzeit in die weiteren Planungen eingearbeitet werden“, erklärt Stadtsprecher Thomas Gerlach auf Anfrage.

Insbesondere an heißen Sommertagen kommt es am Silbersee zu Problemen: Zufahrtsstraßen sind dicht, Badegäste weichen in die angrenzenden Wohnstraßen aus. Anwohner müssen sich zudem über Lärm und hinterlassenen Müll ärgern.

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Ziele und Grenzen definieren

Christine Baumeister-Henning gehört zu einer großen Gruppe verärgerter Anwohner aus Lehmbraken. Auf Initiative von CDU-Fraktionsgeschäftsführer Lukas Eichstaedt hat sich die Sythenerin kürzlich zu einem persönlichen Austausch mit Vertretern der Christdemokraten getroffen. „Wir Anwohner haben gelernt, den Besucherdruck zu ertragen“, sagt sie. „Doch in den letzten 40 Jahren ist es einfach nicht gelungen, verträgliche Lösungen zu schaffen. Aus unserer Sicht müssen jetzt klare Ziele formuliert und Grenzen definiert werden. Ich begrüße es, dass man unsere Meinung einbeziehen möchte.“

Vertreter der CDU haben sich zum Gespräch mit Anwohnerin Christine Baumeister-Henning getroffen.

Vertreter der CDU haben sich zum Gespräch mit Anwohnerin Christine Baumeister-Henning getroffen. © CDU Haltern

An dem Treffen im Schloss Sythen hat auch CDU-Bürgermeisterkandidat Andreas Stegemann teilgenommen. „Ein konstruktiver Austausch ist uns wichtig und kann sehr hilfreich sein. Wir brauchen klare Konzepte und Strategien, um eine verträgliche Lösung für alle Beteiligten zu entwickeln. In naher Zukunft ist ein Workshop geplant, um über die Probleme zu sprechen und konkrete Ideen zu entwickeln.“ Bei der Abstimmung zum Bauleitplanverfahren im Rat am 10. Oktober hatte die CDU angekündigt, im weiteren Verfahren Änderungen vorschlagen zu wollen.

Besucherstrom auf ein erträgliches Maß begrenzen

Mit der Idee von Großveranstaltungen kann sich Beate Pliete, Bürgermeisterkandidatin der SPD, nicht anfreunden. „Einem zwar bisher noch nicht dargestellten Nutzen für die Gewerbebetriebe in unserer Stadt, darf nicht der Vorzug zu Lasten der Anwohner gegeben werden“, sagt sie. Eine gute Möglichkeit zum Schutz der Sythener und der Umwelt sieht sie in der Beibehaltung des eingeführten Onlineticketings. Aufgrund der Corona-Beschränkungen müssen sich Gäste seit einiger Zeit online Tickets besorgen, um zum Badestrand des Silbersees zu kommen. Pliete: „Das sollten wir beibehalten, um auf diese Weise künftig den Besucherstrom auf ein erträgliches Maß zu begrenzen.“ Extremsituationen, die in der Vergangenheit mitunter schon zu Sperrungen der Autobahnabfahrt in Lavesum führten, ließen sich dadurch möglicherweise verhindern.

Torsten Dederichs, Bürgermeisterkandidat der FDP, gibt sich diplomatisch. „Beide Seiten, Anwohner und Unternehmer, haben jeweils sehr berechtigte Interessen, denen man gerecht werden muss“, sagt er. „Nach einem Gespräch, dass ich mit dem Unternehmer geführt habe, habe ich erfahren, dass es keineswegs zu großen Mehrbelastungen der Anwohner kommen muss.“ Denn ein Teil der Veranstaltungen werde tagsüber stattfinden und damit zu Zeiten, an denen heute schon der Badebetrieb erfolge. Dederichs: „Es bedarf daher keiner neuer Ideen, sondern endlich Lösungen wie ein Park&Ride-Angebot und eine entsprechende Verkehrslenkung, um die Situation für die Anwohner erträglich zu machen.“ Dafür wolle er eine enge Zusammenarbeit zwischen der Stadt Haltern mit der Stadt Dülmen und den jeweiligen ÖPNV-Anbietern initiieren.

Als 2005 die Neugestaltung des Strandes am Silbersee II beschlossen wurde, ging es ausschließlich um einen geordneten Badebetrieb, weitere Nutzungen waren nicht angedacht. Es gab strenge Naturschutz-Auflagen. 2009 dann wurden in einem neuen B-Plan weitere Nutzungen ( u.a. Gastronomiebetrieb Treibsand) planungsrechtlich abgesichert. Nächtlicher Betrieb ist laut Satzung auf ein Minimum zu reduzieren, nächtliche Großveranstaltungen sind ausgeschlossen.

Ökologisch wertvolle Naturschutz-und FFH Gebiete

„Heute sehen wir, dass die ökologisch wertvollen Naturschutz-und FFH Gebiete nach wie vor gefährdet sind, dass Dornbüsche und Zäune die Menschen nicht davon abhalten, in diese Bereiche einzudringen. Die angrenzenden Straßen an schönen Tagen sind komplett überlastet“, findet Maaike, Thomas Fraktionsgeschäftsführerin von Bündnis 90/Die Grünen.

Das erhöhte Verkehrsaufkommen und der Lärm durch vier zusätzliche Eventveranstaltungen seien den Anwohnern nicht zuzumuten. Thomas: „Wir erwarten auch nicht, dass Security und weitere Zäune das Eindringen in geschützte Bereiche verhindern können. Einen wirtschaftlichen Nutzen für die Stadt sehen wir nicht.“ Die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen habe dem Städtebaulichen Konzept als Entwurfsvorlage für den Bebauungsplan daher im Rat nicht zugestimmt.

Die Wählergemeinschaft Haltern sieht eine Vielzahl von Herausforderungen, um die unterschiedlichen Interessenslagen am Silbersee in Einklang bringen zu können. WGH-Sprecher Dr. Heinz-Werner Vissmann: „Wichtig ist, dass wir die Besucherströme lenken, klare Regeln vorgeben und darauf achten, dass diese auch eingehalten werden.“

Frühestens Ende des Jahres sind weitere politische Entscheidungen in der Sache zu erwarten.

Stellungnahmen von Bürgern und Behörden

  • Im aktuellen Bearbeitungsstand des Bebauungsplanverfahrens liegt ein Vorentwurf vor, der in der Zeit vom 17. Februar bis zum 17. März im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung ausgelegen hat.
  • Dies ist der erste von mindestens zwei vorgeschriebenen Beteiligungsschritten. Insgesamt erreichten die Verwaltung 11 Eingänge von Privatpersonen, 137 gleichlautende Musterstellungnahmen und eine Sammelstellungnahme mit 271 Unterschriften.
  • Die Inhalte erstreckten sich dabei im Wesentlichen auf die Frage nach der Verträglichkeit zusätzlicher Events für das Wohnen im weiteren Umfeld, unter anderem durch zusätzlichen Verkehr - insbesondere im Zuge der geplanten Parkplatzverlagerung und –erweiterung.
  • Von Behörden außerhalb der Stadtverwaltung erfolgten 18 Stellungnahmen. Hier standen Immissionsschutz, Verkehr und die Verträglichkeit mit Natur- und Artenschutz im Vordergrund.
  • Im weiteren Verfahren werden die Stellungnahmen ausgewertet, gegebenenfalls Pläne und Gutachten ergänzt und dem Rat zur Entscheidung vorgelegt.
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