Die Nachbarn des Wohnprojekts am Elterbreischlag, v.l. Florian Hartmann, Stephan Blankenauffulland, Marit Büren-Kolk und Stephanie Meier, wollen rechtliche Schritte prüfen. © Silvia Wiethoff
Seniorengerechtes Wohnen

Bauskandal Elterbreischlag: Nachbarn fordern Antworten von der Stadt

Das Verhältnis zwischen Verwaltung und Anwohnern im Elterbreischlag ist aufgrund des dortigen Bauskandals zerrüttet. Die Nachbarn haben noch viele Fragen an die Stadt.

Die Stadt habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, hat sich Bürgermeister Andreas Stegemann zu den rechtswidrigen Genehmigungen für die seniorengerechte Wohnanlage im Elterbreischlag in der Amtszeit seines Vorgängers Bodo Klimpel geäußert. Darüber können die Anwohner nur mit dem Kopf schütteln. An der Kommunikation zwischen Verwaltung und betroffenen Bürgern hat sich laut ihrer Aussage jedenfalls nichts geändert. Sie finde nach wie vor nicht statt.

Die Nachbarn haben aus der Zeitung vom Prüfergebnis und der Bestätigung eines gewaltigen Bauskandals in ihrem Wohngebiet erfahren. „Dabei sind unsere Adressen bei der Stadt bekannt“, sagt Stephanie Meier. „Die Verwaltung erklärt nach wie vor ihr damaliges Handeln nicht, genau wie im vergangenen Jahr“, fügt Stephan Blankenauffulland hinzu.

Warum wurde der Bauträger bevorzugt behandelt?

Die Anwohner fordern Antworten darauf, ob die Entscheidungen, die geltendes Recht außer Kraft setzten, auf Inkompetenz im Bauordnungsamt zurückzuführen sind, oder ob sie mit Vorteilen für die Stadt verbunden waren. „Was ist der Verwaltung oder Politikern von den Berliner Investoren versprochen worden?“, fragt Florian Hartmann.

Nachgefragt

Bürgermeister stellt sich den Fragen der Redaktion

Die Redaktion hat eine Anfrage an die Verwaltung gerichtet. Die Fragen, die auch auf die Gründe für die getroffenen Entscheidungen und die Möglichkeit einer Akteneinsicht abzielen, sollen in einem Pressegespräch beantwortet werden. Der Termin ist für nächste Woche angesetzt.

Es sei jedenfalls nicht nachzuvollziehen, wieso ein ortsfremder Bauträger so bevorzugt behandelt wurde. Die Anwohner wollen die Stadt nicht damit durchkommen lassen, das Problem Elterbreischlag „auszusitzen“. „Dürfen wir unsere Häuser jetzt auch um ein Geschoss erhöhen?“, stellt Marit Büren-Kolk außerdem eine provokante Frage.

Die Anwohner fordern gleiches Recht für alle

Stephanie Meier hat im vergangenen Jahr eine Anfrage an das Halterner Bauamt gerichtet, weil sie auf ihrem Dach am Eltritt eine Gaube setzen will. „Schauen Sie in den Bebauungsplan, da steht genau drin, wie die Gaube aussehen darf“, habe sie als Antwort erhalten. Florian Hartmann musste beim Bau seines Hauses die Garageneinfahrt um zehn Grad verlegen, weil seine Planung nicht vom Bebauungsplan abgedeckt war.

Akribisch und manchmal vielleicht sogar kleinlich hat die Halterner Baubehörde bei den Privatleuten auf die Einhaltung der Regeln geachtet. Das verärgert die Anwohner heute umso mehr. Dass sie nach ihrem Gefühl nach wie vor mit ihren Interessen von der Stadt nicht wahrgenommen werden, verbessert das Verhältnis ebenfalls nicht.

Die Nachbarn erwägen rechtliche Schritte

Familie Blankenauffulland hat die Stadt und den Kreis angeschrieben und um Herausgabe der Akten gebeten, um diese von einem unabhängigen Fachanwalt prüfen zu lassen. Sie hofft jetzt, dass sie zügig eine Antwort erhält und Einsicht erhält.

Die Nachbarn wollen sich auf jeden Fall beraten lassen, um rechtliche Schritte zu prüfen. Auch Anwohner aus dem weiteren Umfeld im Elterbreischlag hätten signalisiert, dass sie sich unter Umständen an einer Klage gegen die Stadt beteiligen wollen.

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Silvia Wiethoff

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