Azubimangel in der Hauswirtschaft: Nicht nur kochen, putzen, aufräumen

dzAusbildung im Könzgenhaus

Zwei Azubis haben nach drei Jahren ihre Hauswirtschafts-Ausbildung im Könzgenhaus abgeschlossen. Jetzt beginnt für die Einrichtung auf dem Annaberg die schwierige Suche nach Nachfolgern.

Haltern

, 23.08.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Karima Bouhouti 2017 im Könzgenhaus ihre Ausbildung zur Hauswirtschafterin begann, sprach sie kaum Deutsch und war gerade aus Marokko nach Deutschland geflüchtet. Sie lernte in der Einrichtung auf dem Annaberg dann, Waren zu beschaffen und richtig zu lagern, Speisen herzustellen und zu servieren, die Räume zu reinigen, pflegen und gestalten - und ganz nebenbei die deutsche Sprache. Auch der Kontakt zu den Besuchern im Könzgenhaus gehörte zu ihren Aufgaben. Sie und der zweite Auszubildende Roy Zborowski lernten, verschiedene Personengruppen - von Kindern bis zu Senioren - bedarfsgerecht zu verpflegen und zu versorgen.

Unterschätze Hauswirtschaft

Jetzt, drei Jahre später, haben Karima Bouhouti und Roy Zborowski ihre Ausbildung erfolgreich hinter sich gebracht und vom Könzgenhaus direkt einen Anschlussvertrag angeboten bekommen. Doch nun fehlen der Bildungs- und Begegnungsstätte auf dem Annaberg die Azubi-Nachfolger. Geschäftsführer Norbert Jansen sagt, dass der Bereich der Hauswirtschaft an sich vollkommen unterschätzt werde und es deshalb einen Azubimangel in vielen Tagungshäusern und der gesamten Sozialwirtschaft gebe. „Die umfangreichen Berufsinhalte sowie Weiterbildungsmöglichkeiten werden gar nicht richtig wahrgenommen. Viele denken, für das bisschen kochen, putzen und aufräumen braucht man doch keine Ausbildung.“

Vielfältige, aber auch anstrengende Aufgaben

Dabei handle es sich um ein vielfältiges Aufgabenfeld: Auch die situative und personengerechte Kommunikation spiele bei der Betreuung und Motivierung von Senioren, Kindern und anderen Kunden eine große Rolle und sei wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Außerdem sei es schwer, geeignete Kandidaten zu finden, da auch körperliche Anstrengung und Belastbarkeit zum Berufsfeld gehöre. „Viele potenzielle Kandidaten möchten das heutzutage leider gerne umgehen“, sagt Norbert Jansen.

Drei freie Stellen für Azubis

Aktuell gibt es nur eine Auszubildende im Könzgenhaus, obwohl eigentlich vier Stellen zeitgleich besetzt werden könnten. Entweder für die Ausbildung zum Hauswirtschafter oder zur Hauswirtschafterin oder zum Fachpraktiker Hauswirtschaft. Doch nicht nur Auszubildende werden gesucht.

„Dazu nehmen wir auch immer gerne Praktikanten auf, um ihnen zu zeigen, wie facettenreich die Hauswirtschaft und das Könzgenhaus eigentlich sind“, sagt Christiane Brockmann, die den Bereich Hauswirtschaft dort leitet. „In unserem Haus spielt auch die menschliche Zuwendung und das Interesse an jeder einzelnen Persönlichkeit eine große Rolle. Dank des guten Betriebsklimas macht das Arbeiten in unserem Team viel Spaß – und dazu gibt es geregelte Arbeitszeiten“, wirbt Christiane Brockmann für ihren Beruf.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt