Eine Erzieherin spielt in einer Kindertagesstätte hinter einer Rollbahn mit Kindern. Erzieherinnen und Erzieher an Kitas sollten nun auch in Haltern geimpft werden, dann setzte der Bund die Impfungen mit Astrazeneca vorläufig aus. © picture alliance/dpa
Impfstopp

Astrazeneca-Stopp verhindert vorläufig Impf-Pläne für Kitas in Haltern

Am 12. März wurde das Personal der Halterner Grundschulen geimpft, die Mitarbeiter der Kitas sollten nun folgen. Der Astrazeneca-Impfstopp sorgt nicht gerade für Begeisterung.

Der Fachbereich Familie und Jugend organisiere für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Kindertageseinrichtungen, unabhängig von der Trägerschaft, sowie für die Tagespflegepersonen, einen zentralen Impftermin. Das hatte die Stadtverwaltung auf Anfrage der Halterner Zeitung mitgeteilt, bevor der Bund die Impfungen mit Astrazeneca vorläufig aussetzte. Am Freitag (19. März) sollten die Kita-Mitarbeiter mit dem Astrazeneca-Impfstoff geimpft werden.

Die logistischen Planungen für die Impfungen waren abgeschlossen. Ein Zeitplan war in Bearbeitung, die Impfungen sollten im Stundentakt an einem zentralen Ort erfolgen. All das ist nun vorerst Geschichte. „Die Impfungen der Erzieherinnen und Erzieher fallen erstmal aus“, erklärte Stadtsprecher Georg Bockey am Dienstag. Der Impfstopp sei schade, so der Stadtsprecher.

Hohe Impfbereitschaft der Beschäftigten

Die Impfbereitschaft der Kitamitarbeiter wurde vor dem vorläufigen Aus flächendeckend als hoch eingeschätzt. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das mehrere Kindertageseinrichtungen in Haltern betreibt, befürchtet, das könne sich durch die Aussetzung der Impfungen mit Astrazeneca nun ändern.

„Die Gefahr, dass sich nun weniger Menschen mit Astrazeneca impfen lassen wollen, sehe ich“, sagte Michael Vaupel, Vorsitzender des Vorstandes im DRK-Kreisverband.

Aus Sicht des DRK-Vorstandes sei eine Impfung des gesamten pädagogischen und auch sonstigen in der Einrichtung tätigen Personals dringend zum Selbstschutz und Schutz aller anderer Beteiligten angeraten. Aus seiner Erfahrung könne Vaupel sagen, dass es bei den Mitarbeitern des DRK, die bereits geimpft wurden, lediglich zu normalen Impfreaktionen kam.

Vaupel hofft, dass nach der Prüfung durch die Europäische Arzneimittelagentur (Ema) wieder mit Astrazeneca geimpft werden kann. Zumindest die Mitarbeiter, die bereits eine Astrazeneca-Impfung bekommen haben, sollen ihre Zweitimpfung erhalten können, so der Vorstandsvorsitzende.

Der Halterner Arzt Björn Hollensteiner spricht von einer „generellen Enttäuschung“, die durch die vorläufige Aussetzung eingetreten ist. Sie werfe die Impfkampagne zurück, so der Arzt. Auch im Zusammenhang damit, dass die Hausärzte laut Bund ab Mitte April impfen sollten, erwartet er einen Rückschlag. „Der Termin könnte so jetzt nicht mehr haltbar sein“, sagt Hollensteiner.

Der Halterner Arzt Björn Hollensteiner befürchtet, dass die Impfbereitschaft mit dem Astrazeneca-Impfstoff nachlassen könnte.
Der Halterner Arzt Björn Hollensteiner befürchtet, dass die Impfbereitschaft mit dem Astrazeneca-Impfstoff nachlassen könnte. © Jüregen Wolter © Jüregen Wolter

Wie Vaupel befürchtet der Arzt einen Rückgang der Impfbereitschaft. „So schafft man nicht unbedingt Vertrauen“, erklärt er. Hollensteiner möchte den Menschen weiterhin aber die Angst vor dem Astrazeneca-Impfstoff nehmen, sollte damit wieder weitergeimpft werden können. „In anderen Ländern, wo damit immunisiert wird, sehen wir einen Rückgang der Zahlen, auch in den Krankenhäusern“, erklärt er.

Ähnlich äußerte sich Stadtsprecher Georg Bockey, bevor die Impfungen mit Astrazeneca vorläufig ausgesetzt wurden: Nicht zuletzt leiste eine hohe Impfbereitschaft der Beschäftigten einen nicht zu vernachlässigenden gesamtgesellschaftlichen Beitrag „zu einem Schritt zu mehr Normalität im Alltag“.

Situation in den Kitas

Auch Beschäftigte der AWO-Kita an der Lohausstraße wollten das Impfangebot annehmen. Bislang habe es zwei positive Coronafälle in der Kita gegeben, woraufhin bei beiden Malen eine Gruppe plus weitere, einzelne Kinder, die Kontakt zu der infizierten Person hatten, in Quarantäne geschickt wurden, teilte AWO-Sprecherin Sandra Schubert auf Anfrage mit.

Allgemein ist die Auslastung in den Halternern Kindergärten offenbar wieder sehr groß. Das teilen jedenfalls die unterschiedlichen Träger übereinstimmend mit. „Seit dem 22. Februar, mit dem Beginn des eingeschränkten Regelbetriebes, stellen wir fest, dass die Zahl der betreuten Kinder wieder annähernd gleich hoch ist wie vor Corona“, so Stadtsprecher Georg Bockey.

Quarantäne für Kita-Gruppe

Das bestätigt auch Cordula Borgsmüller, die sich als Verbundleitung um zahlreiche Tageseinrichtungen der Katholischen Kirche kümmert. Die Auslastung in den Kitas liege seit Beginn des eingeschränkten Regelbetriebes wieder bei fast 100 Prozent. In der Einrichtung Hullern ist es dabei nach Informationen unserer Zeitung vor einigen Tagen zu einem positiven Coronafall gekommen. Eine Gruppe wurde daraufhin in Quarantäne geschickt.

Experten zu Astrazeneca-Impfstopp

  • „Ich denke, es muss jetzt zunächst weiter untersucht werden, ob tatsächlich ein Zusammenhang besteht. In England wurde der AstraZeneca-Impfstoff schon viel häufiger verabreicht, als in Deutschland – ich schätze circa zehnmal mehr. Dort wurden diese Symptome bisher nicht beobachtet“, sagte Prof. Dr. Stephan Becker, Leiter des Instituts für Virologie, Philipps-Universität Marburg. Er warb aber auch im Verständnis für die Entscheidung des Bundes. „Das ist eine sehr unglückliche Situation, aber wenn so ein Verdacht im Raum steht, dann muss dem nachgegangen werden und solange muss die Impfung angehalten werden.“
  • Prof. Dr. Peter Berlit ist Koordinator der S1-Leitlinie Neurologische Manifestationen bei COVID-19 und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Berlin. Er sagte: „Einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einem Symptom und einer Impfung herzustellen oder zu belegen, ist immer ganz, ganz schwierig. Eine auffällige Häufung von bestimmten Symptomen in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung heißt erst einmal nicht, dass wirklich ein Kausalzusammenhang besteht. Dasselbe Symptom hätte auch auftreten können ohne die Impfung. Die kausale Verknüpfung ist hier völlig offen. Deswegen wird ja in England und Kanada auch weiterhin geimpft.“
  • Die Frage laut Peter Berlit sei nun: „Ist in Deutschland eine ungewöhnliche Häufung (einer Nebenwirkung; Anm. d. Red) aufgetreten? Auch hier lässt sich das derzeit nicht sicher beantworten. Die Impfung ist jetzt zunächst gestoppt worden, damit die beobachteten Fälle genauer analysiert werden können. So soll festgestellt werden, ob ein Zusammenhang mit der Impfung besteht oder nicht.“
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Redaktion Haltern
1982 in Haltern geboren. Nach Stationen beim NRW-Lokalfunk, beim Regionalfernsehen und bei der BILD-Zeitung Westfalen 2010 das Studium im Bereich Journalismus & PR an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen erfolgreich beendet. Sportlich eher schwarz-gelb als blau-weiß orientiert. Waschechter Lokalpatriot und leidenschaftlicher Angler. Motto: Eine demokratische Öffentlichkeit braucht guten Journalismus.
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