Anstieg bei den Unfallfluchten mit Verletzten in Haltern - ADAC nennt Gründe für Verhalten

dzUnfallflucht

Erst vor kurzem wurde in Haltern ein Zehnjähriger angefahren - nach einem kurzen Blick auf den vermeintlich Unverletzten verschwand der Fahrer. Es gibt mehrere Gründe für Fahrerflucht.

Haltern

, 13.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Radfahrer, der im vergangenen Jahr angefahren und mit einer schweren Verletzung zurückgelassen wurde, oder der Zehnjährige, den ein Autofahrer streifte, der sich nicht weiter kümmerte - nur zwei Beispiele für rücksichtslose Unfallfluchten, die sich in letzter Zeit in der Seestadt ereigneten.

2019 verzeichnete die Polizei in Haltern einen Anstieg von 75 Prozent bei den Fluchten nach Verkehrsunfällen mit Personenschäden, wie es nüchtern im Verkehrsunfallbericht heißt. Waren es 2018 noch acht, stieg die Zahl der registrierten Unfallfluchten 2019 auf 14 an.

Leichter Rückgang bei den Unfallfluchten insgesamt

Die Verkehrsunfallfluchten insgesamt beliefen sich auf 230 (2018: 236), hier gab es einen leichten Rückgang. Bei den Unfallfluchten mit Sachschaden beträgt die Aufklärungsquote 38,7 Prozent, das ist eine leichte Steigerung von einem Prozentpunkt zum Vorjahr.

Die Aufklärungsquote der Polizei liegt bei Unfallfluchten mit Personenschäden nur wenig höher - sie liegt stabil um Vergleich zum Vorjahr bei 50 Prozent. Vor fünf Jahren betrug sie noch mehr als 90 Prozent.

Unfallflucht ist eine Straftat

Als Unfallflucht ist bereits jedes Entfernen vom Ort des Geschehens zu werten, auch wenn man nur möglicherweise beim Ausparken ein anderes Fahrzeug leicht beschädigt hat. „Es reicht nicht aus, wenn man zum Beispiel einen Zettel oder eine Visitenkarte am Fahrzeug hinterlässt“, sagt Anne-Sophie Barreau, Sprecherin des ADAC Westfalen in Dortmund. Sie könnten vom Regen verwischt oder vom Wind weggeweht werden. Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort sei kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, warnt die Pressesprecherin. Wer den Schaden angerichtet hat, meldet sich bei der Polizei. Hier gibt es in der Regel eine mündliche Verwarnung oder ein Bußgeld.

Wenn die Polizei den Verursacher ermitteln muss, sind die Strafen empfindlich: Je nach Schadenshöhe drohen bei Unfallflucht neben einer Geldstrafe mindestens zwei Punkte in Flensburg, ein Fahrverbot oder sogar die Entziehung der Fahrerlaubnis nicht unter sechs Monaten.

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Es gebe mehrere Motive, so Barreau, warum Fahrer den Unfallort verlassen. „Es kann schon einmal vorkommen, dass man einen Unfall nicht bemerkt“, sagt Barreau. Die meisten Autos seien heutzutage aber mit elektronischen Assistenzsystemen, die „Anrempler“ verhindern sollen, ausgestattet.

Ein anderer Grund sei, dass der Fahrende weiß, dass es sich um ein Fehlverhalten handelt. „Er entzieht sich ganz bewusst der Strafe“, erklärt Anne-Sophie Barreau. Hintergründe können die Angst um den Verlust des Führerscheins oder vor einer Hochstufung der Versicherungsbeiträge sein.

Menschlichste Erklärung

Zum dritten könne sich der Fahrende auch in einem Schockzustand befinden. Er will nur noch die Situation verlassen, dann werde nicht über die Folgen nachgedacht. „Das ist die menschlichste Erklärung“, sagt die ADAC-Sprecherin.

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