Anwohner, Arbeitnehmer und Besucher streiten sich um wenige Gratis-Parkplätze in der Halterner Innenstadt. Auf unserer Karte sehen Sie exklusiv, wo Sie kostenlos stehen bleiben dürfen.

Haltern

, 04.12.2018, 13:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Verkaufsoffener Sonntag, großes Fest in der Innenstadt und dann noch Sportveranstaltungen am Schulzentrum oder in der Seestadthalle. Regelmäßig kommt es in der Innenstadt von Haltern am See zu großer Parkplatznot. Geht es um städtische Finanzen, ist auf Facebook von vielen Bürgern immer wieder zu lesen, es müsse mehr Gratis-Parkplätze in der Stadt geben.

„Autofahrer haben keinen Anspruch auf kostenfreie Parkplätze“, stellt Roman Suthold, Mobilitätsexperte beim ADAC in NRW, klar. Es gibt keine gesetzlichen Regelungen, die Stadtverwaltung bietet Gratis-Stellplätze freiwillig an - allerdings bekommt sie ein anderes Problem, wenn sie es nicht tue. „Das ist ein Wettbewerbsfaktor gegenüber anderen Kommunen“, sagt Suthold: „In den Städten herrscht die Angst, dass die Einzelhändler leiden, wenn es keine günstigen Parkplätze gibt.“ Finden Kunden keinen günstigen Parkplatz, fahren sie halt einfach in andere Städte, wo es zum Beispiel große Einkaufszentren mit angeschlossenen Parkhäusern gibt.

Auf unserer Karte sehen Sie, wo Sie zeitlich unbegrenzt kostenlos in der Halterner Innenstadt parken dürfen. Beim Klick auf die jeweilige grüne Linie erscheint der Straßenname.

„Die Parkraumbewirtschaftung hat auch entscheidend damit zu tun, verkehrslenkend einzugreifen“, sagt der Halterner Verwaltungssprecher Georg Bockey: „Denn die Parkraumbewirtschaftung zielt nicht darauf ab, Geld zu kassieren.“ Beispiel: Um Dauerparken in der City zu vermeiden, gibt es die Parkscheibenpflicht, wie zum Beispiel am Nordwall, wo man drei Stunden lang stehen darf. Die Begründung der Verwaltung: „Kunden sollen Parkmöglichkeiten haben – nicht nur Anwohner, die dort sonst dauerhaft stünden.“ Anwohner wiederum haben an anderen Stellen Parkausweise, mit denen sie parken dürfen, wo Gäste nicht stehen dürfen. Auswärtige Berufspendler, die einen Stellplatz für den ganzen Tag brauchen, haben jedoch häufig ein Problem.

Theoretisch müsste in Haltern am See unter der Woche ziemlich viel Platz auf den Straßen sein. Rund 12.600 Halterner arbeiten in anderen Städten, nur 4800 kommen hingegen aus der Umgebung für die Arbeit nach Haltern. Doch nur wenige der Auspendler wohnen halt in der unmittelbaren Nähe der Fußgängerzone, wo viele Auswärtige hinwollen. Einer der Geheimtipps für Gratis-Parkplätze ist aktuell ein großer Schotterplatz an der Straße Zu Pastors Kamp.

Wohnhäuser auf dem Schotterplatz

Hier weisen zwar zwei Schilder darauf hin, dass einige Parkplätze nur für Kunden des Café Extrablatt reserviert sind. Trotzdem dürfen diese Stellplätze kostenfrei genutzt werden - das Café kommt mit den Schildern lediglich der Verpflichtung nach, Parkplätze stellen zu müssen.

In der nahen Zukunft sollen auf dem Schotterplatz Wohnhäuser entstehen. „Wir teilen nicht die Ansicht, dass es dort zu Parkproblemen kommt, wenn gebaut wird“, heißt es aber von der Stadtverwaltung. Man arbeite an Ausweichplätzen: „Klar ist aber sicher, dass im hinteren Bereich weiterhin Parkraum zur Verfügung stehen wird.“

Jede Menge Parkplätze, die tagsüber nicht genutzt werden
Zur Person

Mobilitäts-Experte beim ADAC

An diesen Stellen kann man in der Halterner Innenstadt kostenlos parken

Dr. Roman Suthold © ADAC/Tomy Badurina

Dr. Roman Suthold ist Leiter der Abteilung „Verkehr und Umwelt“ beim ADAC Nordrhein. Er fordert den Ausbau von Park-and-Ride-Anlagen an Bahnhöfen, wie sie in Haltern schon lange von der Deutschen Bahn angekündigt sind. So könnten Auto- und Zugverkehr umweltschonend kombiniert werden.

Eine Möglichkeit, dem Problem gesellschaftlich gegenzusteuern, ist das Parkplatz-Sharing. „Es gibt zahlreiche Parkplätze, die vor allem tagsüber nicht genutzt werden“, sagt ADAC-Sprecher Thomas Müther: „Zum Beispiel in privaten Garagen oder Hinterhöfen.“ Die Besitzer können ihre Garage in einer App anbieten, wenn das eigene Auto zum Beispiel von 9 bis 18 Uhr nicht darin steht. Dann können andere Fahrer den freien Platz für wenig Geld mieten. Beim Anbieter Ampido sind in Köln schon Dutzende Plätze im City-Bereich zu finden, in Haltern am See sind keine Angebote eingestellt. In Münster kann man zum Beispiel das Auto durch die App den ganzen Samstag lang für 3 Euro stehen lassen.

Die Bundespolitik ist bestrebt, die Wagen aus den Innenstädten herauszuhalten. Auch Autos werden in den Großstädten immer häufiger geteilt. Per Handy-App kann man in Hamburg oder Köln schon Kleinwagen buchen, die direkt in der Nachbarschaft am Straßenrand stehen. Die Kunden können sofort einsteigen und losfahren. Doch in Städten wie Haltern am See gibt es wenig Nachfrage für solche Dienste, weil die Bewohner schon viele Autos haben.

„In sogenannten Umlandgemeinden, zu denen ich auch Haltern zählen würde“, so ADAC-Experte Suthold, „sind die Menschen sehr aufs Auto angewiesen und geben es nicht mehr ab, wenn sie erst mal ein eigenes haben.“ Tatsächlich sind rund 23.000 Autos in Haltern angemeldet - bei etwa 38.000 Einwohnern. Ein sehr hoher Wert. „Das hat auch sehr viel mit dem Wohlstandsniveau zu tun“, sagt Roman Suthold. Die Zulassungszahlen steigen in ganz Deutschland, vor allem die der großen SUVs. Auch wenn jedem bewusst sei, dass man weniger Autos nutzen sollte, sagt der ADAC-Experte: „Bequemlichkeit sticht Moral. Der Umstieg auf andere Verkehrsmittel ist noch nicht attraktiv genug.“

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