Am Wochenende kann man auf dem Stausee rudern wie die alten Römer

Römerschiff

Das Römerschiff Victoria lädt am Wochenende an den Stausee ein: Jeder, der Lust hat, kann in dem Nachbau eines römischen Kriegsschiffes eine Stunde mitrudern. Hier gibt‘s alle Infos.

Haltern

, 23.07.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Am Wochenende kann man auf dem Stausee rudern wie die alten Römer

Am Wochenende kann man auf dem Stausee im Römerschiff Victoria mitrudern. © Berg

Erstmals seit sieben Jahren bekommen Interessierte wieder die Gelegenheit, das Römerschiff „Victoria“ auf dem Halterner Stausee zu rudern. Am Wochenende (27./28. Juli) legt der originalgetreue Nachbau eines römischen Kriegsschiffes am Steg gegenüber dem Hotel Seehof an. Das LWL-Römermuseum sucht nach Freiwilligen, die ab 10 Uhr mitfahren möchten.

Am Samstag besteht von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 10 bis 17 Uhr die in diesem Jahr einmalige Chance, die „Victoria“ hautnah in Aktion zu erleben. Die Legionäre demonstrieren, wie die Römer vor 2000 Jahren auch auf der Lippe in Haltern mit solchen Flussschiffen gerudert haben. Sie campieren außerdem in Jupps Biergarten und richten am Radweg eine Nachtwache ein.

Rundfahrten von je einer Stunde

Die „Victoria“ wird für Touren von jeweils einer Stunde auslaufen. Bis zu 16 Personen können pro Fahrt teilnehmen. Zum Rudern sind alle ab 16 Jahren eingeladen. Jüngere Kinder können mitfahren, aber noch nicht selbst die schweren Ruder in die Hand nehmen. Die Mitfahrt ist kostenlos. Der Förderverein des LWL-Römermuseums bittet um Spenden nach eigenem Ermessen, die dem Einsatz und Erhalt der „Victoria“ zugutekommen. Eine Anmeldung oder Reservierung ist nicht nötig.

Als Stammbesatzung des Schiffs rudert die 1. Römerkohorte Opladen, die seit 2008 immer wieder mit dem Boot auf Fahrt ist. Die Legionäre haben am Ufer des Stausees ihre Zelte aufgeschlagen und informieren über das Schiff und die Besatzung vor 2.000 Jahren. Die Erfahrung der Kohorte hat gezeigt: Das römische Kriegsschiff ist schnell und wendig – unter Segel oder mit der Kraft ihrer 20 Ruderer erreicht die „Victoria“ fast 6 Knoten (etwa 11 Stundenkilometer). In 10 bis 20 Sekunden lässt sie sich mit Muskelkraft auf mehr als 3 Knoten bringen. Auch ein plötzlicher Rückzug dürfte für die Römer kein Problem gewesen sein: In weniger als 30 Sekunden kann das Schiff um 180 Grad gedreht und auf Gegenkurs gebracht werden.

Nachbau eines römischen Patrouillenschiffes

Die „Victoria“ war 2008 anlässlich der Sonderausstellung zur Varusschlacht gebaut worden. Als Vorlage für den originalgetreuen Nachbau des römischen Patrouillenschiffes diente ein spektakulärer Fund aus dem Jahr 1986: 50 Meter westlich des römischen Kastells Oberstimm bei Ingolstadt wurden zwei frühkaiserzeitliche Schiffswracks entdeckt. 1992 wurden die Militärschiffe mediterraner Bauart aus der Zeit um 100 nach Christus aus dem Seitenarm der Donau geborgen.

15 Monate waren zwei Bootsbauer, 17 Studierende des Seminars für Alte Geschichte der Universität Hamburg und drei Bootsbaulehrlinge auf der Werft „Jugend in Arbeit Hamburg“ mit der Rekonstruktion beschäftigt. Das Resultat: Ein Boot von 16 Metern Länge und 2,80 Metern Breite. Mit Mast ist die Victoria circa 9 Meter hoch und hat ein Gewicht von etwa 4 Tonnen.

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