2012 waren Julian Draxler (M.) und der FC Schalke 04 zu Gast beim TuS Haltern am See. Das Spiel startete mit einer großen Überraschung. © Holger Steffe

Als der TuS die Schalker schockte: „Entweder bist du der Depp oder der geht rein“

Das Duell mit Schalke war für die TuS-Haltern-Spieler ein Karriere-Highlight - für die Schalker waren die ersten Sekunden aber zum Vergessen. Der Trikottausch sorgte derweil für Uneinigkeit.

Nur 17 Sekunden hatte es gedauert, schon lag der TuS Haltern am See gegen den FC Schalke 04, dem damaligen DFB-Pokalsieger, in Führung. 2:4 endete das Spiel, welches am 7. Mai 2012 stattfand, aus Halterner Sicht. Kapitän Manuel Andrick, der damalige Trainer Sven Hozjak und die beiden Halterner Torschützen Mustafa Dana und Lukas Große-Puppendahl blicken auf ein besonderes Spiel zurück.

Mittlerweile steht der FC Schalke 04 als Absteiger in die 2. Bundesliga fest. Vor einigen Jahren waren die Gelsenkirchener noch regelmäßiger Champions-League-Teilnehmer, gewannen 2011 auch den DFB-Pokal. Als damals amtierender Pokalsieger kamen die Schalker nach Haltern und wurden kalt erwischt.

Manuel Andrick (l.) führte den TuS Haltern am See als Kapitän auf den Platz.
Manuel Andrick (l.) führte den TuS Haltern am See als Kapitän auf den Platz. Auf Schalker Seiten trug Jermaine Jones die Kapitänsbinde. © Holger Steffe © Holger Steffe

„TuS verkauft sich teuer gegen S04“, titelte die Halterner Zeitung damals. Mehr als 3000 Zuschauer fanden den Weg in die Stauseekampfbahn, die bis auf den letzten Platz voll war. „Was das Wetter angeht, war es ein super Tag“, erinnert sich Manuel Andrick, der den TuS damals als Kapitän aufs Feld führte.

Alle Zuschauer blickten auf Schalkes Raúl Gonzalez Blanco

„Man hatte den perfekten Tag gefunden, die Sonne strahlte und es war warm“, weiß auch der damalige TuS-Trainer Sven Hozjak noch. Der heute 40-Jährige war es auch, der vor der Partie augenzwinkernd einen Sieg oder zumindest ein Unentschieden von seiner Mannschaft forderte.

„Ich weiß noch, wie er in der Kabine sagte, ‚wir wollen unsere Serie fortsetzen‘“, erzählt Lukas Große-Puppendahl, der das zwischenzeitliche 2:3 für den TuS schoss. Elf Spiele hintereinander hatten die Halterner davor nicht verloren, gegen Schalke riss die Serie dann. Allzu traurig war nach der Partie aber niemand.

Das Spiel beziehungsweise die ganze Veranstaltung sei etwas Außergewöhnliches gewesen, „die Vorfreude war bei allen riesig“, sagt Sven Hozjak. Das Spiel sei eines der Highlights seiner Karriere gewesen, sagt Manuel Andrick, der mittlerweile in der Landesliga beim BSV Roxel als Trainer aktiv ist. „Das war eine echt schöne Geschichte, Schalke ist ja mit der kompletten Band gekommen“, erinnert er sich.

Auch Raúl Gonzalez Blanco, der sich in nur zwei Jahren bei Schalke zu einem der beliebtesten Spieler der Vereinsgeschichte entwickelt hatte, war dabei. Gespielt hatte der Spanier, der wenige Monate später das blau-weiße Trikot gegen das des al-Sadd Sports Club eintauschte, allerdings nicht.

Alle Halterner hatten gehofft, dass Raúl González Blanco für Schalke noch mal auflaufen wird.
Alle Halterner hatten gehofft, dass Raúl González Blanco für Schalke noch mal auflaufen wird. Am Ende blieb er nur eine Halbzeit, guckte sich das Spiel an und ging dann. © Holger Steffe © Holger Steffe

„Raúl hat sich da quasi verabschiedet, das Spiel hat daher auch ein Stück weit Geschichte geschrieben“, sagt Sven Hozjak, der wenige Sekunden nach dem Anpfiff sah, wie Mustafa Dana „etwas außergewöhnliches“ machte.

Halterns Mustafa Dana macht es wie Raúl und überrascht Schalke

Während Raúl, der Mann, der unter anderem für seine herrlichen Lupfertore bekannt war, auf der Bank saß, machte Dana das, was der Spanier so gut konnte. Der TuS-Stürmer bewies nach gerade mal 17 Sekunden, dass er nicht nur in der Landesliga eiskalt treffen konnte.

Als er sah, dass S04-Keeper Lars Unnerstall weit vor seinem Gehäuse stand, setzte er aus knapp 20 Metern zum Heber an. 1:0, großer Jubel auf der einen Seite, Verwunderung auf der anderen. Raúl habe große Augen gemacht, schrieben wir damals. Als wolle er sagen: „Was war das denn?“

Das Spiel gegen den FC Schalke 04 werden die Spieler des TuS Haltern am See bestimmt noch lange im Gedächtnis behalten.
Das Spiel gegen den FC Schalke 04 werden die Spieler des TuS Haltern am See bestimmt noch lange im Gedächtnis behalten. © Holger Steffe © Holger Steffe

Ob er sich noch an das Tor erinnern kann? „Ich bin Stürmer, ich erinnere mich an jedes Tor“, sagt Mustafa Dana und lacht. Als der Ball zu ihm weitergeleitet wurde, habe er sich einfach gedacht, „entweder bist du der Depp oder der geht rein“, erzählt der Ex-Halterner.

Am Ende war er der Held, sorgte für kollektiven Jubel in der Stauseekampfbahn. „Ich glaube, es hätte kein einziger Zuschauer mehr reingepasst“, sagt er. Die Schalker waren nach dem frühen 0:1 derweil überrascht, vielleicht sogar kurz geschockt.

15 Minuten später markierte Lewis Holtby aber den Ausgleich, ehe in der 35. Minute Teemu Pukki zur Schalker Führung traf. In Halbzeit zwei brauchte der gerade erst eingewechselte Sergio Escudero nur einen Ballkontakt, um per direktem Freistoß auf 3:1 für Schalke zu erhöhen (47.).

Lukas Große-Puppendahl machte es aber noch mal spannend (60.). Viel mehr Chancen, so seine Erinnerung, hätte es für den TuS, der damals fast ausschließlich mit Halterner Spielern antrat, aber auch nicht mehr gegeben, sagt er. Den Schlusspunkt setzte dann Ciprian Marica (72.).

Trikottausch-Absprachen sollte es nicht geben – gab es dann aber doch

„Niemand hätte von einem Landesligisten erwartet, dass er so frech auftritt“, so Mustafa Dana über das schnelle 1:0 für die Gastgeber. Er sei sich sicher gewesen, dass, wenn er den Ball richtig treffen würde, er zumindest aufs Tor gehen würde. Dass er dann am Ende auch im Netz landete, umso besser. „Dass ich ihn so perfekt getroffen habe, war schon super.“

Auch Manuel Andrick erinnert sich noch bestens an das „richtig coole Tor, was er da mit seiner kaltschnäuzigen Art gemacht hat“. Trotz der Niederlage waren beim TuS auch am Ende noch alle glücklich.

„Wir hatten uns echt gut verkauft“, sagt Andrick, der sich nach der langen Zeit nicht mehr ganz sicher ist, auf welcher Position er damals spielte. „Ich glaube, ich war Sechser oder linker Verteidiger“, sagt der damalige Kapitän. Was er aber noch ganz genau weiß: Es gab vorab Diskussionen über den obligatorischen Trikottausch.

Zwei Mal konnten die Spieler des TuS Haltern am See gegen den FC Schalke 04 jubeln.
Zwei Mal konnten die Spieler des TuS Haltern am See gegen den FC Schalke 04 jubeln. Für die Seestädter trafen Mustafa Dana und Lukas Große-Puppendahl. © Holger Steffe © Holger Steffe

„Wir hatten gesagt, dass es Trikottausch-Absprachen nicht geben wird.“ Daran gehalten habe sich am Ende aber nicht jeder, erzählt er mit einem Lachen. Eigentlich sei geplant gewesen, dass Benedikt Höwedes die Trikots der Schalker nach dem Spiel besorgt und sie in die Kabine der TuS-Spieler bringt.

Manuel Andrick bekam ein Schalke-Trikot, das ihm viel zu groß ist

Am Ende lag ein großer Haufen himbeerfarbener Ultrabeauty-Trikots des FC Schalke in der Kabine. „Ich hatte mir dann einfach ein Trikot herausgezogen“, so Manuel Andrick. Bekommen hatte er das Shirt des heutigen Liverpool-Spielers Joel Matip.

Doch da der Verteidiger ein gutes Stück größer als der Halterner ist, besitzt Andrick nun ein Trikot, „das ich vielleicht als Nachthemd benutzen kann, das geht mir bis zum Knie“. Gerne hätte er ein Trikot von Teemu Pukki oder José Manuel Jurado ergattert, „aber ich war froh, dass ich eins bekommen hab“.

Oliver Bautz, damals Torwart des TuS Haltern am See und seit einigen Jahren fester Bestandteil des TuS-Trainerteams, kam in den Schlussminuten im Sturm zum Einsatz.
Oliver Bautz, damals Torwart des TuS Haltern am See und seit einigen Jahren fester Bestandteil des TuS-Trainerteams, kam in den Schlussminuten im Sturm zum Einsatz. © Holger Steffe © Holger Steffe

Ein Spieler, der schon auf dem Platz ein Trikot des Bundesligisten ergatterte, war Lukas Große-Puppendahl. „Ich meine, das war von Ciprian Marica“, sagt der Halterner, der derzeit in den USA als Co-Trainer aktiv ist. „Ich glaube, ich hatte vorher schon Teemu Pukki gefragt, aber der hatte seins schon wem anders versprochen“, erinnert er sich.

Ob sich die damaligen Schalker alle noch an das Duell mit dem TuS Haltern am See erinnern, ist eher unwahrscheinlich. Im Gedächtnis der TuS-Spieler und vieler Fußballfans werden die 90 Minuten aber mit Sicherheit noch lange bleiben.

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Pascal Albert

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