Abschied von Pfarrer André Pollmann: Darum ging alles schneller als gedacht

dzPfarrei St. Sixtus

Pfarrer André Pollmann verabschiedet sich am Samstag von der Pfarrei St. Sixtus. „Der schnelle Wechsel nach nur zwei Jahren hat nichts mit dem Team und der Gemeinde zu tun“, sagt er.

Haltern

, 13.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu Kreuzerhöhung 2017 kam er, zu Kreuzerhöhung 2019 geht er: Ein Kreis schließt sich, wenn Pfarrer André Pollmann am Samstag die Pfarrei St. Sixtus verlässt. „Vor zwei Jahren gehörte es nicht zu meinem Plan, so schnell wieder aus Haltern fortzuziehen“, sagt er im Gespräch mit der Halterner Zeitung. Seine Gründe sind berührend.

André Pollmann geht, weil er näher bei seinen Eltern sein möchte. Sein Vater ist 83 Jahre alt, seine Mutter wird in wenigen Tagen 80. Sie brauchen für ihren Alltag Unterstützung. „Meine Eltern haben das nicht eingefordert, aber ich fühle Verantwortung für sie. Sie haben mir alles gegeben, haben mich auch in meiner Lebensentscheidung bestärkt. Ich möchte ihnen diese Liebe und Fürsorge zurückgeben, indem ich fortan in ihrer Nähe bin. Ich bin eben ein Familienmensch.“

Der 47-Jährige möchte gemeinsam mit seinen zwei beiden Geschwistern seine Eltern darin unterstützen, so lange wie irgend möglich ein selbstbestimmtes Leben in ihrem Haus in Herzebrock zu führen. Dass der Bischof von Münster ihm das ermöglicht habe, empfinde er als großes Geschenk.

Einführung am 3. November

Dieser Zeitpunkt würde irgendwann kommen, das war klar. Denn André Pollmann hatte beim Bischof vorgesprochen, dass er eines Tages gern heimatnah eingesetzt werden möchte. Dieser Wechsel ergab sich dann jedoch schneller als geplant, weil sein Vorgänger sich bereits nach zwei Jahren im Amt neu orientierte. So wurde die Stelle frei, die André Pollmann am 3. November antritt. Er wird leitender Pfarrer der fusionierten Pfarrei St. Lucia Harsewinkel, ein Zusammenschluss aus vier Gemeinden mit gut 11.000 Katholiken. Dann ist er statt 100 nur noch zehn Kilometer von seinen Eltern getrennt - und zu Hause auf der Schwelle zwischen Münsterland und Ostwestfalen.

Die Verbindung zu Haltern möchte André Pollmann nicht abreißen lassen. Er sei gerne hier gewesen, sei mit der Stadt, der Pfarrei und vielen Menschen tief verbunden. Als Seelsorger in Haltern zu wirken, das sei für ihn weniger Pflicht als reine Freude gewesen. Ein Ausdruck intensiven Daseins, denn für André Pollmann gilt: „Da wo ich lebe, da will ich wirklich sein.“

„Ein Ausdruck von Freiheit“

In St. Sixtus habe er eine große Offenheit gegenüber Neuem gespürt, eine Lust, Dinge anzustoßen. Aber Kirche brauche auch diese Bewegung, um die zu erreichen, die im Glauben weniger verwurzelt seien. Wie das gelingen kann? „Kirche darf nicht als Zwang gelebt werden. Alles, was wir in der Bibel lesen und aus ihr hören, ist ein Ausdruck von Freiheit. Glauben und Liebe geht nur in Freiheit.“ Eine große Menschenfreundlichkeit sei gefragt.

André Pollmann ermutigt die Halterner Christen, selbstbewusst und reflektiert ihre Ideen und ihren Glauben zu leben und damit Kirche vor Ort zu prägen.

Auf dem Pilgerweg

Samstag (14. September) auf der Glaubenswoche beim „Open Stage“ im Zelt mit musikalischem Bühnenprogramm ab 20.15 Uhr sagt André Pollmann auf Wiedersehen. Am 23. September zieht er fort, geht allein den Jakobsweg von Pamplona nach Santiago de Compostella und lädt dann als Seelsorger in Harsewinkel die Menschen ein, sich vom Glauben berühren zu lassen. Das wird ihm gelingen, die Halterner wissen das nur zu gut.

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