Abitur in Zeiten von Corona: Halterner Schüler sind verunsichert

dzAbiturprüfungen

Nach dem neuen Zeitplan der Landesregierung sollen die zentralen Abiturprüfungen stattfinden - allerdings drei Wochen später als geplant. Viele Halterner Abiturienten sind nun verunsichert.

Haltern

, 08.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Beginn der Osterferien in dieser Woche wäre eigentlich die Schulzeit für 220 Halterner Schülerinnen und Schüler am Joseph-König-Gymnasium und am Hans-Böckler-Berufskolleg zu Ende gegangen. Am vergangenen Freitag hätten sie die Zulassung zu den Abiturprüfungen erhalten. Doch die Coronakrise hat den Plan durcheinandergeworfen, jetzt plagt viele Schülerinnen und Schüler vor allem eins: Unsicherheit.

Prüfungen beginnen erst am 12. Mai

Die Landesregierung hat die Zentralabiturprüfungen um drei Wochen nach hinten verschoben, somit beginnen sie erst am 12. Mai. Falls der Schulbetrieb nach den Osterferien wieder aufgenommen werden kann, sollen dem Abiturjahrgang „unterrichtliche Angebote“ in der Schule zur Verfügung gestellt werden, so heißt es in einer Mitteilung des Schulministeriums am Freitagnachmittag (3. April).

Zuvor war geplant, dass die Zwölftklässler die vergangenen drei Wochen, in denen sie nicht zur Schule gehen konnten, nach normalem Stundenplan nachholen sollen, bevor sie in die Abiprüfungen starten. Dazu soll es nun nicht mehr kommen. Was genau unter den „unterrichtlichen Angeboten“ zu verstehen sein wird, und ob der normale Unterricht nach den Osterferien wieder stattfinden kann, will die Landesregierung den Schulen am 15. April mitteilen.

Nach aktuellem Stand (3. April) sollen die Abiturprüfungen im Zeitraum vom 12. Mai bis zum 25. Mai stattfinden. Der Zeitraum für die Nachschreibtermine liegt nun zwischen dem 26. Mai und 9. Juni. Der genaue Zeitplan und weitere Informationen stehen auf der Webseite des Schulministeriums.

Der Schulleiter des Joseph-König-Gymnasiums Ulrich Wessel begrüßt die Verschiebung der Prüfungen: „Das gibt uns die nötige Luft zu agieren und alles vernünftig vorzubereiten.“ Immerhin stünden die Zulassungen noch aus, durch die die Schülerinnen und Schüler eine Leistungsübersicht bekommen. Außerdem müssen sie über Rücktrittsmöglichkeiten und Täuschungsversuche belehrt werden.

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Das sagen Halterner Abiturienten

Halterner Abiturienten sprechen über das Abitur in Zeiten von Corona.
08.04.2020
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Alina Pieper (Joseph-König-Gymnasium): „Es war immer unklar, was passiert: Bleiben die Termine? Fällt das Abi ganz weg? Es gab sehr viele Diskussionen auch unter meinen Freunden. Wir hatten jetzt Online-Unterricht, in einigen Fächern über Videochats, das war ganz gut. Außerdem war es auch okay, sich mit den Büchern selbst vorzubereiten. Und dann hieß es plötzlich, die Termine werden verschoben. Das sind absolut nicht die gleichen Grundvoraussetzungen wie bei Abiturienten in anderen Jahren. Hätte man die Klausuren direkt nach den Ferien geschrieben, wäre es alles viel einfach gewesen und wir wären jetzt nicht so aufgeschmissen.“© privat
Antonia Grüning (Joseph-König-Gymnasium): „Uns fehlen ja theoretisch drei Wochen Schule, daher ergibt es Sinn, die Prüfungen zu verschieben. Lernmaterial habe ich genug zu Hause und manche Lehrer schicken Aufgaben. Aber ich muss sagen, dass mir meine Freunde schon fehlen. Es fühlt sich auch komisch an, dass man von jetzt auf gleich keine Schule mehr hatte. Natürlich bin ich auch traurig, dass alles nicht so ganz nach Plan läuft... Keine Mottowoche, Zulassungsfeier, Abiurlaub und ob unser Abiball stattfinden wird, weiß ich auch nicht. Man wartet 12 Jahre auf den Moment und da ist es ja auch okay, traurig zu sein. Aber ich weiß, es gibt Schlimmeres - immerhin sterben Menschen.“© privat
Felix Deitermann (Joseph-König-Gymnasium): „Das Problem ist, dass sich die „aktuelle Regelung“ gefühlt alle paar Tage ändert. Erst hatten wir spontan unseren letzten Schultag drei Wochen früher als geplant und es hieß, dass die Abiturprüfungen dennoch wie geplant stattfinden werden. Jetzt wurden die Prüfungen doch mehrere Wochen verschoben und wir sollen nach den Ferien vielleicht noch für drei Wochen zur Schule zu kommen. Uns ist bewusst, dass das eine Ausnahmesituation ist, die noch nie vorgekommen ist, und sich dementsprechend niemand darauf vorbereiten konnte. Aber trotzdem ist es nervig, so im Ungewissen zu stehen - auch wenn es dann um sowas geht wie die Planung des Abiballs.“© privat
Jule König (Fachabiturientin am Hans-Böckler Berufskolleg): „Eigentlich finde ich gut, dass die Prüfungen zum normalen Zeitplan stattfinden sollen. Es fehlen natürlich die drei Wochen Unterricht vor den Osterferien, die hätte ich eigentlich noch gebraucht. Aber wir haben viele Aufgaben bekommen und mit Videochats Kontakt zu den Lehrern gehalten, das hat gut geklappt. Die Verunsicherung, dass die Klausuren doch noch abgesagt oder verschoben werden könnten, bleibt aber. Deswegen weiß man nicht so richtig, wie man lernen soll.© privat
Moritz Löbbert (Joseph-König-Gymnasium): „Ich finde, dass die Verschiebung recht sinnvoll ist, weil sich die Situation aktuell sehr schnell verändert und niemand wirklich sagen kann, was in ein oder zwei Monaten Sache ist. Bezogen auf die Vorbereitung für die Abiprüfungen habe ich keine großen Bedenken, da wir in den Abifächern sowieso nichts Neues mehr gemacht hätten. Das Einzige, was ich ein wenig schade finde ist, dass wir in meinem mündlichen Abifach noch nicht die Möglichkeit hatten, die mündlichen Prüfungen vorzubereiten und das lässt sich schwer zu Hause machen.“© privat

Der neue schulinterne Plan sieht vor, dass die Zeugnisübergabe dann am 20. Juni stattfindet. „Ich hoffe, dass wir alles bis zu den Sommerferien über die Bühne bringen können“, so Wessel. Falls Schülerinnen und Schüler zum Beispiel krankheitsbedingt aber weder den normalen, noch den Nachschreibetermin wahrnehmen können, sehe er „große Schwierigkeiten, dass alles so reibungslos klappt.“

In welcher Form die Entlassfeier am Morgen des 20. Juni stattfinden kann, müsse die Schulleitung dann entscheiden. „Es kann gut sein, dass es dann noch gesetzliche Einschränkungen für Großveranstaltungen gibt“, so Wessel. Er habe in einer E-Mail an den Abiturjahrgang darauf hingewiesen, dass die Schülerinnen und Schüler dies auch bei der Planung ihres Abiballs berücksichtigen sollten. Da es sich um eine außerschulische Veranstaltung handelt, liegt die Verantwortung für die Feier am Abend nicht bei der Schule.

„Aber man weiß ja nicht, was passiert“

Anders als für die Zentralabiturienten, soll es für die 66 Fachabiturienten am Hans-Böckler-Berufskolleg in Haltern bei den regulären Prüfungsterminen Ende April bleiben. Das ist der aktuelle Stand, auf den sich der stellvertretende Schulleiter Joachim Lange einstellt. „Aber man weiß ja nicht, was passiert“, fügt er hinzu. „Die Unsicherheit haben wir genauso wie unsere Schülerinnen und Schüler.“ Das Interesse sei, die Termine, so wie sie jetzt stehen, unter den Vorgaben des Infektionsschutzes beizubehalten. Man bereite sich darauf vor, die Abschlussprüfungen im April in größeren Räumen durchzuführen oder Klassen auf mehrere Räume aufzuteilen, um die Tische zu vereinzeln und so genügend Abstand zu gewährleisten.

„Es sind gerade schwierige Zeiten für alle, da bedarf es Kreativität der Kolleginnen und Kollegen, die sich teilweise stärker einbringen müssen“, sagt Lange. Die Lehrer stünden in engem Austausch zu ihren Schülern, um sie bestmöglich auf das Abitur vorzubereiten. Auch Wessel sagt: „Wir geben alles, unseren Schülerinnen und Schülern das Abitur so gut es geht möglich zu machen.“ Doch man müsse die äußeren Entwicklungen im Auge behalten – vieles sei von der Schule einfach nicht zu beeinflussen.

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