Nina Brockmeyer (Interner Dienst bei der Stadtverwaltung Haltern) verbindet Homeoffice mit Homeschooling. Direkt neben ihr am Arbeitsplatz sitzt ihr neunjähriger Sohn. © Privat
Wegen Corona

Ab sofort Pflicht zum Homeoffice: So empfinden das Halterner

Der beiläufige Austausch an der Kaffeemaschine oder am Schreibtisch fehlt, ansonsten sitzen Halterner in Corona-Zeiten offenbar gerne mit Laptop und Smartphone im Homeoffice. Wir haben uns umgehört.

Ab dem 27. Januar hat der Arbeitgeber laut neuer Arbeitsschutzverordnung die Pflicht, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Homeoffice anzubieten. Der Arbeitgeber kann das nur ablehnen, wenn zwingende Gründe für eine Präsenz in der Firma sprechen – zum Beispiel, wenn Aufgaben tatsächlich nur vor Ort erledigt werden können.

Bei der Stadtverwaltung Haltern arbeiten derzeit 68 Kolleginnen und Kollegen ganz oder teilweise zu Hause. Auch Nina Brockmeyer (Interne Dienste) sitzt zu Hause an ihrem eigenen Schreibtisch. „Mit Unterbrechungen bin ich seit Dezember im Homeoffice“, erzählt die 30-Jährige. Seit 2019 schätzt sie das Modell allerdings schon, denn Nina Brockmeyer war ab diesem Zeitpunkt mindestens einen Tag in der Woche im Homeoffice.

Homeoffice und Homeschooling im Duett

Als Alleinerziehende eines neunjährigen Sohnes kommt ihr das sehr gelegen. Nina Brockmeyer hat sich extra einen größeren Schreibtisch gekauft, damit sie gemeinsam mit ihrem Sohn daran sitzen kann: Die Mama erledigt Aufgaben der Verwaltung, der Sohn lernt für die Schule. „Wir haben einen festen Rhythmus und klare Regeln, so funktioniert das Miteinander sehr gut“, sagt Nina Brockmeyer.

Homeschooling und Homeoffice im Duett: „Wir mussten uns natürlich daran gewöhnen, gerade für meinen Sohn war das eine Umstellung.“ Gerne schielt er mal hinüber, um zu schauen, was die Mama macht und manchmal findet er das Ganze auch langweilig. „Ihm fehlen jetzt die Freunde und der sportliche Ausgleich“, sagt Nina Brockmeyer.

Bestreben der Verwaltungsleitung ist, möglichst viele Mitarbeiter zum Homeoffice zu bewegen. „Die jeweiligen Anträge werden vom Fachbereichsleiter wohlwollend geprüft“, sagt Stadtsprecher Georg Bockey. Es werde sogar aktiv dafür geworben.

Von rund 250 Mitarbeitern arbeiten 68 zu Hause

Aus Infektionsschutzgründen wechseln sich die Kollegen in den Fachbereichen ab. Damit soll sichergestellt werden, dass bei möglichen Corona-Infektionen nicht alle gleichzeitig ausfallen. Natürlich gebe es auch städtische Mitarbeiter, die nicht daheim arbeiten könnten, so Georg Bockey. Dazu zählen unter anderem Reinigungskräfte, Arbeiter des Baubetriebshofes, Feuerwehr, Jobcenter, Erzieherinnen, Kolleginnen und Kollegen im Bürgerbüro…. „Von den rund 250 Mitarbeitern, die einen klassischen Verwaltungsberuf haben, sind 68 daheim“, fasst Bockey zusammen.

Auch Bürgermeister Andreas Stegemann hat sich einen Heimarbeitsplatz eingerichtet.
Auch Bürgermeister Andreas Stegemann hat sich einen Heimarbeitsplatz eingerichtet. © Privat © Privat

Für Bürgermeister Andreas Stegemann sind damit die Kapazitäten keineswegs erschöpft, es könnten und sollten noch mehr Heim-Arbeitende werden. Er selbst hat auch zu Hause einen Zugang. An seinem Schreibtisch mit Blick über die Dächer der Siedlung rund um die Birkenstraße arbeitet er – wenn es dienstlich möglich ist – sehr gern. Überhaupt will er mit gutem Beispiel vorangehen.

Die Stadtwerke tun viel für mobiles Arbeiten

Die Stadtwerke Haltern haben zu Beginn der Pandemie ihr Angebot an mobilen Arbeitsplätzen erheblich ausgebaut. „So konnten wir gewährleisten, dass kein Büro mit mehr als einer Person besetzt ist. Einige Mitarbeitende haben uns gebeten, Homeoffice zu ermöglichen, um Flexibilität für die Betreuung ihrer Kinder zu gewinnen“, sagt Pressesprecher Thomas Liedtke. Diesen Wünschen stünden die Stadtwerke offen gegenüber, wenn es die Arbeitsabläufe erlaubten.

Um das mobile Arbeiten zu ermöglichen, hat das Versorgungsunternehmen Laptops angeschafft, mit denen sich die Mitarbeitenden von zu Hause aus ins Firmennetzwerk einloggen können. In den nächsten Tagen werden weitere Kolleginnen und Kollegen entsprechend ausgerüstet. „So können wir persönliche Kontakte und die Infektionsgefahr weiter einschränken. Rund zwei Drittel der über 50 Mitarbeitenden mit Bürotätigkeiten haben dann die Möglichkeit, mobil zu arbeiten“, so Thomas Liedtke.

Homeoffice soll auch nach der Pandemie möglich sein

Die Erfahrungen seien durchweg positiv. Die Arbeit laufe reibungslos, auch weil die Stadtwerke die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation intensiv nutzen. „Das gilt übrigens auch für unsere Kunden. Leider können wir unser Kunden-Center zurzeit ja nicht öffnen. Deshalb freuen wir uns, dass unser Service-Portal im Internet intensiv genutzt wird“, wirbt Thomas Liedtke.

Das Angebot zum mobilen Arbeiten wird auch über die Pandemie hinaus bestehen bleiben. „Auch wenn wir uns alle auf die Zeit freuen, wenn im Büro wieder mehr persönliche Begegnungen möglich sind“, sagt Thomas Liedtke.

Bei der Kreisverwaltung räumte Landrat Bodo Klimpel zwei Drittel der Mitarbeiter die Möglichkeit ein, den Arbeitsplatz in die private Wohnung zu verlegen. Dafür werden alle technisch entsprechend ausgerüstet, wie Pressesprecherin Svenja Küchmeister erklärt. Etwa 700 von rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten von zu Hause. Vor allem Kollegen mit Risiko-Erkrankungen und Eltern von kleineren Kindern nutzten Homeoffice sehr gerne.

Homeoffice beim Lippeverband: „Mehr Lebensqualität“

Schon vor dem ersten Corona-Lockdown bot der Lippeverband Homeoffice an. Die Hälfte des Teams arbeitet inzwischen von zu Hause und das klappe sehr gut, sagt Pressesprecherin Anne-Kathrin Lappe. Sie selbst ist auch viel im Homeoffice in Gelsenkirchen.

Anne-Kathrin Lappe, Pressesprecherin von Emschergenossenschaft/Lippeverband, sitzt gern im Homeoffice. Aber auch für sie gilt: Einen Termin an der Lippe mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Betrieb, kann keine virtuelle Teams-Sitzung ersetzen. © Privat © Privat

Ihren Platz hat sie minimalistisch eingerichtet, sie mag keine Ablenkungen. Maximal findet sie den Gewinn: Ihr bleiben 90 Minuten Fahrtzeit zum Arbeitsplatz hin und zurück erspart. „Das bedeutet mehr Lebensqualität und mehr Zeit für den Sport.“ Aber Wasser ist und bleibt eben analog und die Kolleginnen und Kollegen, die sich um Pumpwerke, Kläranlagen und die Gewässer kümmern, sind vor Ort unverzichtbar.

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Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief

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