22 Monate Dienst in Äthiopien

HALTERN Vor 50 Jahren gingen junge Handwerker im Auftrag des Deutschen Aussätzigen Hilfswerks (DAHW) aus dem Münsterland nach Äthiopien, um dort ein Krankenhaus für Leprakranke zu errichten. Einer davon war Karl Assmann vom Wienäckern.

von Von Petra Albers (dpa)

, 23.07.2008, 11:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Karl Assmann zeigt ein Fotoalbum mit Fotos aus seiner Zeit als Entwicklungshelfer in Äthiopien.

Karl Assmann zeigt ein Fotoalbum mit Fotos aus seiner Zeit als Entwicklungshelfer in Äthiopien.

„Wir wollten das unbedingt machen, aber als es dann tatsächlich losging, haben wir doch ganz schön Angst gehabt“, erinnert sich der heute 72-jährige Halterner. Zwar waren vorher schon viele deutsche Ordensleute in die damals so genannten Missionsgebiete gegangen. Dass aber Laien als Helfer dort eingesetzt wurden, sei etwas ganz Neues gewesen, erläutert der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) in Köln, Hubert Tintelott. Handwerker wurden ausgebildet Das ein Jahr zuvor gegründete DAHW entschloss sich in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Kolpingwerk, den Schritt zu wagen. Drei Monate lang wurden Handwerker unterschiedlicher Berufe in Würzburg (Bayern) auf ihren Einsatz vorbereitet, ehe die erste Gruppe im August 1958 in Richtung Äthiopien startete. Rund 550 Kilometer von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba entfernt, in Bisidimo, schlugen die jungen Männer ihre Zelte auf – buchstäblich im Busch. In der Gegend lebten Leprakranke, die als Aussätzige von ihren Dorfgemeinschaften verstoßen worden waren. „Es gehörte für die Helfer sehr viel Mut dazu, überhaupt dorthin zu gehen, denn es bestand ja auch die Gefahr der Ansteckung“, sagt DAHW-Sprecher Jochen Hövekenmeier. Begegnung war ein Schock Karl Assmann beschreibt seine erste Begegnung mit Leprakranken als „Schock“. Denn die Betroffenen sind oft grausam entstellt, haben Knoten im Gesicht und verstümmelte Hände und Füße. Trotzdem: „Wer von ihnen konnte, hat uns bei der Arbeit geholfen“, betont Assmann. „Anfangs waren in den Entwicklungsgebieten vor allem handwerkliche Fähigkeiten gefragt“, erläutert AGEH-Vorsitzender Tintelott, der auch Generalsekretär von Kolping International ist. Deshalb gehörten Schlosser, Schreiner, Kfz-Mechaniker, Maler oder Maurer zu den ersten Entwicklungshelfern in Bisidimo. „Heute müssen Entwicklungshelfer in erster Linie koordinieren und organisieren können und dazu noch medizinische oder sonstige spezielle Kenntnisse haben.“Gebäude aus dem Boden gestampft Assmann und die anderen Helfer in Bisidimo stampften regelrecht Gebäude aus dem Boden. „Wir mussten erst mal roden, danach war es das wichtigste, Wasser zu finden“, erzählt Assmann. Als gelernter Betriebsschlosser war er „für alles zuständig, was mit Technik zu tun hatte“: Einen Wasserturm bauen, Rohre verlegen, mit dem Unimog Material heranschaffen. „Ich war 22 Jahre alt und hatte kaum Erfahrung – aber dort musste man plötzlich alles Mögliche können.“ In den 22 Monaten, die er in Bisidimo verbrachte, habe er vielleicht mehr gelernt, als in all den Jahren nach seiner Rückkehr nach Deutschland. 1960 wurde das kleine Krankenhaus in Bisidimo eröffnet.Hervorragendes Krankenhaus Heute befindet sich dort nach Angaben von Hövekenmeier „ein hervorragend ausgestattetes Krankenhaus“, das als eine der führenden Ausbildungsstätten für Medizin in Äthiopien gelte. Die Klinik ist neben Lepra vor allem auf die Behandlung von Tuberkulose und Aids spezialisiert. Der jetzige Leiter war früher selbst ein Lepra- Patient.

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