Mehr als 1000 leere Stühle hatten Halterner Gastronomen im April im Galenpark aufgestellt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. © Jürgen Wolter
Wirtschaftsrückblick Gastronomie

2020 mit einem blauen Auge davongekommen: Gastronomen in Corona-Zeiten

Restaurants und Gaststätten hatten und haben unter den Corona-Lockdowns besonders zu leiden. In Haltern versuchen sie mit neuen Abhol- und Lieferdiensten flexibel zu reagieren.

Bereits zum zweiten Mal sind Restaurants und Gaststätten wegen der Corona-Pandemie geschlossen und ein Ende des Lockdowns ist nicht abzusehen. Die Gastronomen hat Corona besonders hart getroffen. Aber sie geben nicht auf. „Wir schaffen das“, ist Stefan Himmelmann vom Restaurant und Hotel Himmelmann in Lippramsdorf überzeugt.

Matthias Pfeiffer vom Restaurant Pfeiffers Sythener Flora differenziert allerdings: „Gastronomen, die getränkeorientiert arbeiten oder vor allem auf Gesellschaften setzten, haben es schwer. Ich fürchte, da werden einige diese Zeit finanziell nicht überstehen. Wer mehr auf Speisegastronomie setzt, hat eher eine Chance.“

Zu kämpfen hat auch die Seeblick-Gastronomie der Suberg und Knepper Gastronomiegesellschaft in der Stadtmühlenbucht. „Wir haben im Sommer mit einem A-la-Carte-Angebot reagiert, aber das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein, mehr Marketing als Umsatz“, sagt Mitgesellschafter Carsten Knepper. Der Seeblick kann normalerweise nur für Feiern und Events gemietet werden. Trotzdem bleibt er zuversichtlich: „Wir kommen da durch“, so Knepper.

Mitarbeiter sind wechselweise in Kurzarbeit

Wie viele ihrer Kollegen haben Stefan Himmelmann und Matthias Pfeiffer einen Abhol- und Lieferservice eingerichtet. „Das hat sich eingespielt und wird auch von vielen Gästen wahrgenommen“, so Stefan Himmelmann. Es ermöglicht dem Restaurant, zumindest einen Teil des bisherigen Umsatzes zu erwirtschaften. Auch Suberg und Knepper verfahren in einigen ihrer Restaurants so.

„Wir können unsere Mitarbeiter damit teilweise aus der Kurzarbeit holen und wieder beschäftigen. Sie wechseln sich ab, damit jeder mal die Möglichkeit hat, auch wieder im Betrieb zu arbeiten“, sagt Stefan Himmelmann

2020 war für die Halterner Gastronomen ein Jahr der großen Unsicherheit. Im Frühjahr, beim ersten Lockdown, hatten sie im Galen-Park mit der Aktion der 1000 leeren Stühle auf ihre Misere aufmerksam gemacht. „Beim ersten Lockdown haben wir an Ostern den Liefer- und Abholservice aufgebaut, dann konnten wir im Mai wieder öffnen und die Gäste kamen auch zurück“, sagt Matthias Pfeiffer. „In unseren großen Räumlichkeiten konnten wir Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen gut umsetzen. Jetzt sind wir wieder im Liefer- und Abholmodus.“

Stefan Himmelmann bietet inzwischen auch Gerichte auf vorgeheizten Tellern aus dem Restaurant an, um Einweg-Verpackungen zu reduzieren. „Die Kunden freuen sich über frische Zutaten, auch wenn sie dann natürlich die vorgespülten Teller wieder zurückbringen müssen.“

„Lockdown ist leider notwendig“

Insgesamt hält Stefan Himmelmann die Maßnahmen des Lockdowns für richtig. „Uns bleibt keine andere Wahl, meine Eltern wohnen hier bei uns im Haus, wir versuchen Kontakt möglichst einzuschränken.“ Die jetzt beschlossenen neuen Verschärfungen betreffen die Gastronomie nicht direkt. „Aber wenn man die Bilder aus dem überlaufenen Sauerland sieht, kann man sich vorstellen, dass sie notwendig sind“, sagt Stefan Himmelmann.

Inzwischen würden schon gebuchte Termine für das Frühjahr im Seeblick wieder verschoben.
Inzwischen würden schon gebuchte Termine für das Frühjahr im Seeblick wieder verschoben, sagt Carsten Knepper. © Benjamin Glöckner © Benjamin Glöckner

Inzwischen laufe auch die Zahlung der versprochenen November-Hilfen der Bundesregierung an, so Stefan Himmelmann. „Im vergangenen Jahr gab es zunächst eine Abschlagszahlung, das ging relativ zügig, jetzt laufen die Verfahren über die Steuerberater.“

Für Carsten Knepper geht das alles aber zu langsam. „Manchmal hat man das Gefühl, die warten mit der Zahlung, bis der eine oder andere pleite geht, dann muss nicht mehr gezahlt werden“, sagt er. Inzwischen würden schon gebuchte Termine für das Frühjahr im Seeblick wieder verschoben. “2022 könnte ich dagegen inzwischen vier Mal verkaufen“, so Carsten Knepper.

„Wir sind bisher mit einem blauen Auge davon gekommen“, resümiert Matthias Pfeiffer. „Und wir freuen uns natürlich alle auf die Zeit, wenn wir unsere Gäste wieder bei uns im Restaurant begrüßen können.“

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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