Zarah Gersdorf (l.) wird Katharina Grügelsiepe in ihrer Elternzeit als Jugendreferentin der Evangelischen Kirchengemeinde Frömern vertreten. © Udo Hennes
Mit Video: Jugendarbeit unter Corona

Jugendarbeit in Fröndenberg: „Viele sind im Tunnel, brauchen Seelsorge“

Katharina Grügelsiepe und Zarah Gersdorf haben etwas gemeinsam: Vom Studium in der Ferne zog es die jungen Frauen zurück in die Heimat. Weil die eine Mutter wird, kümmert sich die andere künftig um Kinder und Jugend.

Zarah Gersdorf wird Frömerns Jugendreferentin Katharina Grügelsiepe in ihrer Elternzeit vertreten. Die 23-Jährige übernimmt ein Gemeindehaus fast ohne Kinder und Jugendliche – auf die Folgen von Corona ist Gersdorf aber bestens vorbereitet: Ihre Studienarbeit befasst sich mit der Pandemie.

»Ich habe in Düsseldorf gemerkt: Ich will wieder gern zurück.«

Zarah Gersdorf

Wenn Zarah Gersdorf am 1. Mai an die Brauerstraße kommt, ist es eine Wiederkehr: Schon seit 2015 engagierte sie sich als jugendliche Ehrenamtliche bei der offenen Kinder- und Jugendarbeit der Evangelischen Kirchengemeinde.

Aus Düsseldorf und Coburg zurück nach Fröndenberg

„Ich habe seitdem alles mitgemacht, was es so gibt“, erzählt die junge Frau, die aus Warmen stammt. Ihr Engagement animierte sie schließlich auch, Soziale Arbeit zu studieren. „Entwicklung fördern und Persönlichkeit stärken“– das sei das hehre Ziel der Sozialarbeit, für das sie eintreten wolle.

Für ein paar Jahre verschlug es sie daher an die Düsseldorfer Universität. Für das Presbyterium der Gemeinde war es nahe liegend, die ehemals engagierte Helferin als Vertretung für Katharina Grügelsiepe zu holen.

Die 27-Jährige wird im Juni Mama und freut sich, dass mit ihrer früheren Mitarbeiterin ein fließender Übergang möglich wird. Grügelsiepe hat einen ganz ähnlichen Werdegang wie Zarah Gersdorf: Auch sie stammt aus Fröndenberg, ging zum Studium nach Coburg und zog es 2017 wieder zurück in die Heimat.

„Das erleben wir immer öfter“, erzählt Grügelsiepe. Hunderte von Kindern und Jugendlichen durchlaufen die Freizeit- und kirchlichen Angebote in Frömern – da sieht man viele, die zum Studium oder zur Ausbildung wegziehen, einige Jahre nicht mehr und dann kommen doch nicht wenige zurück in „ihre“ Stadt.

Studienarbeit über „Corona und Jugendliche“

„Ich habe in Düsseldorf gemerkt: Ich will wieder gern zurück“, bestätigt Zarah Gersdorf. Vielleicht ist es ja die spezielle Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus der eigenen Stadt, die besonders stark verwurzelt.

Wie auch immer. „Es hat perfekt gepasst“, sagt Gersdorf, die das Jobangebot liebend gern annahm. Sie ist nicht bange davor, dass sie ein praktisch leeres Haus vorfindet, weil seit Monaten fast ausschließlich digitale Angebote gemacht werden dürfen. Das Thema von Grügelsiepes Bachelor-Arbeit, die sie in diesen Tagen einreicht, befasst sich nämlich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder und Jugendliche.

Eine Erkenntnis ihrer Recherchen und Befragungen: Der Online-Unterricht ermüde die Schüler ungemein. Es fehlt schlicht das soziale Miteinander, persönliche Kontakte, miteinander spielen – oder eben Projekte gestalten wie in Frömern.

In den Osterferien, schildert Katharina Grügelsiepe, hatten sie erstmals wieder ein eingeschränktes Präsenzangebot gemacht: für ganze 20 Kinder, wo sich sonst Dutzende mehr versammeln. Der Ansturm war riesig, vielen musste abgesagt werden. Aber auch Ältere leiden unter Isolation.

»Viele Jugendliche und junge Erwachsene sind sehr einsam im Moment, wie in einem Tunnel, sie brauchen Seelsorge.«

Katharina Grügelsiepe

„Viele Jugendliche und junge Erwachsene sind sehr einsam im Moment, wie in einem Tunnel, sie brauchen Seelsorge“, beschreibt Grügelsiepe die Stimmung. Eine Eins-zu-eins-Betreuung sei aber derzeit gar nicht erlaubt – einzig in Notfällen. Die gelte es zu definieren, aber da sei sie weitherzig, lacht Grügelsiepe.

Keine Lust auf digitale Angebote

Digitale Angebote gab es zuhauf, Krimi-Dinner oder Escape Room. „Doch wer keine Lust auf digital hat, den verstehe ich auch.“

Zarah Gersdorf hat nun immerhin Zeit und Ruhe sich einzuarbeiten – und eigene Ansätze verfolgt sie auch. Musikpädagogik ist ihr Steckenpferd, da habe sie so einige Ideen.

Vielleicht schon vor den Sommerferien, hoffen beide, könnte es erste Öffnungen geben. Davon, dass sich das Gemeindehaus dann wieder füllen wird, sind die beiden überzeugt.

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land

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