10 Jahre Förderverein Freibad Dellwig: Das macht Dirk Mühlpfordt mit Freibad-Chef Dirk Weise (rechts) stolz. © Marcel Drawe
Jubiläum

10 Jahre Förderverein Freibad Dellwig: Vom blauäugigen Start bis zum neuen Dach

Der Förderverein Freibad Dellwig feiert zehn Jahre Bestehen und blickt zurück auf eine Vereinsgeschichte voller Hürden, Baustellen und Humor.

Der Förderverein des Freibades Dellwig feiert seinen zehnten Geburtstag. Das eigentlich geplante Fest muss wegen des Coronavirus ausfallen, dennoch wirft der Verein einen stolzen Blick zurück auf die Vereinshistorie: Die ist eine Mischung aus Chaos, Liebe und einer Prise Glück.

Dr. Annette Reeske-Manthey, zweite Vorsitzende des Vereins, und Geschäftsführer Dirk Weise werfen einen Blick auf die Meilensteine, die der Förderverein mit Blick auf die Vereinsentwicklung, aber auch auf das Freibad erreicht hat.

Die Gründung: Chaotisch

Angefangen hat alles mit der Gründung des Fördervereins. „2011 haben die Stadtwerke beschlossen, das Freibad aus Kostengründen nicht mehr zu betreiben“, sagt Reeske-Manthey. Für die Dellwiger bricht eine Welt zusammen. Ihr Freibad – der Dorfmittelpunkt – soll geschlossen werden?

„Es dauerte nicht lange, da hatten sich die ersten Proteste gebildet.“ Die Dellwiger wollen ihr Freibad nicht aufgeben und wechseln in die Offensive: Wenn die Stadtwerke sich nicht mehr um das Freibad kümmern, dann machen es eben die Bürger.

Am 22. Mai 2011 gründet sich der Förderverein des Freibades mit 141 Mitgliedern. „Dabei standen wir vor vielen Fragen. Wie können wir so ein Bürgerbad betreiben? Wir hatten doch keine Ahnung“, sagt Reeske-Manthey und lacht. Geholfen hat das Gespräch mit anderen Bürgerbädern, allen voran dem Elsebad in Schwerte. „Die haben uns unheimlich unterstützt.“

Die ersten Gäste

Der Förderverein geht seinen Weg – „ein bisschen blauäugig, aber wir haben uns langsam, aber sicher vorgearbeitet.“ Reeske-Manthey schmunzelt. „Ich bin jeden Tag nach Hause gegangen und hatte etwas Neues gelernt.“ Ein Lernprozess, der mitunter deshalb funktioniert hat, weil der Förderverein so viele Mitglieder hat und bis heute auf mehr als 600 Mitglieder gewachsen ist.

„Es gibt so viele Ehrenamtliche, die sich hier engagieren.“ Ob beim Grün(anlagen)-Team, dem Veranstaltungs-, Sponsoren- oder dem Technik-Team. Im Juni 2012 kann das Bad das erste Mal in Betrieb genommen werden.

Das Engagement in Dellwig war schon immer groß: Schwimmmeisterin Danielle Werner und Vereinsmitglied Peter Weidemann reinigen das Becken, während die Ehrenamtlichen im Hintergrund fleißig hämmern. Wenn alles gutgeht, könnte der Verein das Becken noch vor der Saison sandstrahlen.
Das Engagement in Dellwig war schon immer groß: Schwimmmeisterin Danielle Werner und Vereinsmitglied Peter Weidemann reinigen das Becken, während die Ehrenamtlichen im Hintergrund fleißig hämmern. Wenn alles gutgeht, könnte der Verein das Becken noch vor der Saison sandstrahlen. © Udo Hennes © Udo Hennes

Das Engagement der Fröndenberger bleibt bis heute bestehen. Neben der festen Schwimmmeisterin kann der Verein beispielsweise 26 Rettungsschwimmer aufzählen. „Vom Studenten bis zum Arzt oder Anwalt. Das ist schon außergewöhnlich, wie viele mit anpacken“, sagt Weise. „Das ist Dorf. Das ist Dellwig.“

Kurz vor dem Ruin

Kaum ein Jahr nach dem Start aber „stand das Freibad kurz vor dem Ruin“, sagt Weise. Denn auf einmal muss der Verein Umsatzsteuer nachzahlen, mehr als 8.000 Euro. Das ist nicht nur ungewöhnlich, damit hat auch keiner gerechnet. Rücklagen durften sie nicht bilden, zudem war die Saison 2012 schlecht. „Da habe ich viele schlaflose Nächte gehabt.“

Eine große Spendenaktion in Kooperation mit Stadt und Medien bringt die Erlösung. „Da möchte ich vor allem noch einmal Kämmerer Heinz-Günter Freck hervorheben und danken“, sagt Weise.

Das Freibad ist gerettet und der Förderverein geht aus der Krise sogar gestärkt hervor. „Es sind damals noch viele in den Verein eingetreten, um uns zu unterstützen. So bitter es war, umso glücklicher waren wir mit dem Ausgang.“

Ein neues Rohr

Den nächsten Meilenstein erreicht der Förderverein im Jahr 2015. Ein Rohr leckt, seit sie das Freibad übernommen haben. „Das sind rund 34.000 Liter Wasser, die wir pro Tage verloren haben.“ Das kostet. In dem Jahr aber beginnt das Freibad auf der Suche nach dem Leck zu buddeln.

Beim Verlegen der neuen Rohre im Jahr 2015 geht nicht alles glatt: Der Verein versenkt nicht nur einen Bagger in der Zeit, wie er schmunzelnd erzählt. © Privat © Privat

Die Überraschung kommt von einer lokalen Firma. Die spendet ihnen neue Rohre. Der Verein kann alles ersetzen, mit der Tatkraft der Ehrenamtlichen. „Wir haben in der Zeit nicht nur einen Bagger im Graben versenkt“, erinnern sie sich lachend. „Auch ein paar Kinder.“ Ebenfalls fleißige und begeisterte Helfer sind die Flüchtlinge aus Strickherdicke. „Die hatten sich zu Hause gelangweilt“, erzählt Weise, bis der Verein sie dazuholt.

Blick in die Zukunft

2016 plant und baut der Verein das neue Kinderbecken. In den folgenden Jahren wird fleißig modernisiert, Kiosk, Kassenbetrieb und Technik auf den neuesten Stand gebracht.

2016 plant und baut der Förderverein ein neues Kinderbecken. Zur Einweihung erscheinen viele. © Privat © Privat

2020 folgt dann eine zwölfjährige Verlängerung des Vertrages mit der Stadt, ohne die das Bürgerbad nicht gehalten werden könnte. Dass 2021 – nach einem vom Coronavirus gebeutelten Jahr – dann auch die Zusagen von der Leader-Förderung und der Städtebauförderung folgen, ist „wie ein 6er im Lotto“. Jetzt kann das Freibad auch die letzten Baustellen in Angriff nehmen.

Auch beim Dachbau packen die Ehrenamtlichen wieder kräftig mit an: Dirk Weise hämmert, was das Zeug hält. © Udo Hennes © Udo Hennes

Was aber hält der Blick in die Zukunft parat? „Wir hoffen, dass wir irgendwann im Mai öffnen können“, sagt Weise. „Wir hoffen auf einen Sommer wie im letzten Jahr.“ Immerhin hat der Verein gezeigt, wie ein Freibad auch mit Corona laufen kann und mit der Luca-App neue Wege der digitalen Kontaktverfolgung in den Kreis gebracht. „Es macht uns stolz zu sehen, was wir angestoßen haben und was daraus geworden ist. Wir wollen weitermachen und stärker werden. Je mehr Mitglieder wir haben, desto stärker werden wir.“

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg / Holzwickede
Jahrgang 1995, aufgewachsen am Rande Mendens mit mehr Feldern als Häusern drumherum. Zum Studieren nach Köln gezogen, 2016 aber aus Sehnsucht ins Sauerland zurückgekehrt. Hat in der Grundschule ihre Liebe ans Schreiben verloren und ist stets auf der Suche nach spannenden Geschichten.
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