Coronavirus

Warum das Coronavirus nicht hinters Werktor des Chemieparks kommen darf

Zur Risikominimierung betreibt der Chemiepark ein eigenes Corona-Testzentrum. Wie funktioniert das? Wir haben uns dort mal umgesehen.
Mit dem werksärztlichen Dienst stellen Nicole Modrow und Bernd Udovtsch die medizinische Versorgung der Beschäftigten im Chemiepark sicher. © Lina Nikelowski

Es ist ein bitterkalter Februarmorgen: Nicole Modrow und ihr Kollege Bernd Udovtsch haben Dienst in einem zum Testzentrum umfunktionierten Bürocontainer an Tor 2 des Chemieparks. Beide haben eine Fachkrankenpflegeausbildung, arbeiten für den werksärztlichen Dienst und bekommen alles zu sehen, was es an Arbeitsunfällen und Erkrankungen gibt. „Wir sind bei allem zur Stelle: Von der Insektenstich- Allergie über Arbeitsunfälle bis zur Notversorgung beim Herzinfarkt“, berichtet Udovtsch über die Arbeit der Ambulanz inklusive 24-Stunden-Bereitschaft.

Im Testzentrum des Chemieparks Marl

„Wir tun alles, damit das Virus draußen bleibt“, erklärt Nicole Modrow, während sie dem Mann vor sich sehr konzentriert und mit Fingerspitzengefühl ein Kunststoffstäbchen tief in die Nase einführt. Ein winziges Augenzucken später hat der Proband den Nasopharynx-Abstrich hinter sich – so heißt die Prozedur für einen Corona-Schnelltest offiziell. Modrow fahndet nach SARS-CoV-2 allerdings nicht im Krankenhaus oder Seniorenheim – es ist das Testzentrum des Chemieparks Marl.

Und nun seit einem Jahr auch noch Corona, eine ganz eigene Hausnummer. Gesundheits- und Arbeitsschutz haben im Chemiepark einen enormen Stellenwert. Neun Ärzte und 15 Krankenpfleger kümmern sich um die Mitarbeiter der Firmen im Chemiepark, angeführt vom Evonik-Konzern. Es ist eine eigene Welt, eine Art Kleinstadt auf mehr als sechs Quadratkilometern Fläche mit rund 10.000 Arbeitsplätzen. Aktuell kommen noch etwa 2.000 Kontraktoren für Investitionsprojekte hinzu. Großbaustellen bis hin zum neuen, modernen Gaskraftwerk spiegeln wider, dass 1,3 Milliarden Euro in die Zukunftssicherung des Chemieparks investiert werden.

Viele Menschen, viel Infektions-Potenzial

Viele Menschen, viel Infektions-Potenzial: In der Coronavirus-Pandemie kann sich der Hochleistungs-Industriestandort über die allgemeine Fürsorge für die Belegschaft hinaus einen Ausfall hoch qualifizierter Mitarbeiter schlicht nicht erlauben – Produktionsanlagen mit komplexen chemischen Prozessen laufen 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr. Da schließt sich der Kreis zur Arbeit von Modrow, Udovtsch und ihren Kollegen: Das Testzentrum ist ein zentraler Baustein der Anti-Corona-Strategie im Chemiepark. Es gibt einen eigenen Beratungsstab, der kontinuierlich an firmen- und spartenübergreifenden Hygienekonzepten arbeitet. Standard sind auch anderswo das Einhalten der AHA-L-Regeln, feste Schicht-Gruppen in immer derselben Kollegenkonstellation, ein Verbot von Fahrgemeinschaften auf dem Weg zur Arbeit …

Es gibt ein eigens „Covid-Car“

Es gibt eigens ein „Covid-Car“, das Betroffene nach Hause bringt – auf dem Rücksitz, abgeschirmt vom Fahrer. Auch persönliche Gegenstände werden Betroffenen nach Hause gebracht, in den Chemiepark dürfen sie nicht mehr. Was folgt, sind Quarantäne, ein PCR-Test, der genaue Ergebnisse liefert, die Meldung ans Kreisgesundheitsamt. „Wir müssen dringend Kontakte eingrenzen und vermeiden, dass sich Infektionscluster bilden“, erläutert Bernd Udovtsch. Während er das sagt, liegt vor dem Testzentrum noch Schnee. Der ist mittlerweile geschmolzen, die Verantwortung bleibt.

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