Coronavirus

Charité-Ärzte stehen bei Corona-Patienten virtuell am Krankenbett

Schwersterkrankte Corona-Patienten profitieren im Evangelischen Krankenhaus Wesel vom Projekt „Future“. Dabei stehen Mediziner der Charité-Universitätsmedizin Berlin virtuell am Krankenbett.
Während der Visite auf der Intensivstation des Evangelischen Krankenhauses Wesel lassen sich die Ärzte von zugeschalteten Medizinern der Charité, wie in diesem Fall Oberarzt Dr. med. Nikolai Andrees, beraten. © EVK

Gerade jetzt in der Pandemie gelte es, durch fortschrittliches Denken und ungewöhnliches Handeln das Beste für die eigenen Patienten rauszuholen, so das Krankenhaus in einer Mitteilung. Virtuelle Visiten mit der Charité-Universitätsmedizin Berlin stellen für das EVK Wesel ein probates Mittel dar, um Schwerstkranke und Intensivpatienten wohnortnah versorgen zu können und dabei rund um die Uhr auf das Wissen und die Facharztexpertise der renommierten Uniklinik zurückgreifen zu können.

Als im Frühjahr 2020 die Anzahl von schwer an Covid-19 Erkrankten stieg und überall im Land immer mehr dieser Patienten auf Intensivstationen künstlich beatmet werden mussten, bekam das Thema Erfahrungsaustausch via Telemedizin bundesweit einen enormen Schub. Das Evangelische Krankenhaus Wesel war eine der ersten Kliniken in der Region, die bereits zu Beginn der Pandemie einen schwer erkrankten Corona-Patienten intensiv-medizinisch versorgen musste.

Erfahrungsaustausch mit Berlin

„Im Rahmen dessen haben wir zum Erfahrungsaustausch bezüglich der medikamentösen Therapie den Kontakt mit der Charité in Berlin aufgenommen“, erläutert Dr. Joachim Große. Durch die persönliche Verwurzelung des Chefarztes mit der Traditionseinrichtung für die er lange Jahre tätig war, kam es per kurzen Draht zum telefonischen Austausch.

Schnell stellten beide Seiten jedoch fest, dass es so nur bedingt zielführend sei. Deshalb boten die Mediziner der Charité ihren Weseler Kollegen an, ins Projekt „Future“ einzusteigen, das die Charité gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) initiiert hat. Diese Teilnahme eröffnete den Intensivmedizinern sowie deren Intensivpatienten neue Möglichkeiten, denn dabei geht es weit über eine rein theoretische Akteneinsicht und einen fachlichen Diskurs hinaus.

Experten aus der fernen Bundeshauptstadt stehen bei der täglichen individuellen Visite quasi direkt mit am Patientenbett. Aufgrund der hohen Fallzahlen an und Behandlungserfahrungen mit Covid-Patienten in der Charité können schneller Therapie-Erkenntnisse gewonnen werden und universitäre Handlungsempfehlungen so im Bedarfsfalle rund um die Uhr in den Behandlungsplan vor Ort eingebaut und umgesetzt werden.

Mobiles Terminal auf der Intensivstation

Ein mobiles Terminal ermöglicht dem Mediziner, sich live ein Bild vom Zustand des Erkrankten zu machen, zudem ist ein Zugriff auf alle relevanten Untersuchungsergebnisse möglich und sogar ein Dialog mit dem Patienten, sofern dieser dazu in der Lage ist. „Unsere medizinischen Möglichkeiten vor Ort profitieren von dieser virtuellen Ergänzung enorm“, sagt Dr. Große. Risiko-behaftete und belastende Transporte können so umgangen werden und die Verlegung in eine Uniklinik kann, wenn notwendig, bedarfsgerecht und zeitpunktgenau terminiert werden.

Seit September behandeln die intensivmedizinischen Fachärzte und Fachpflegekräfte des EVK Wesel nun täglich intensivpflichtige Patienten gemeinsam mit dem multiprofessionellen Kollegenteam der Charité. „Jeder einzeln in den Patientenpool eingeschleuste Fall sorgt somit zukünftig dafür, dass durch dieses lernfähige System noch mehr Menschenleben gerettet werden können“, so die Mitteilung.

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